Donnerstag, 20. Dezember 2007

tschuldigung

Die Vorfreude auf meinen Aufenthalt in Deutschland lässt mich wohl so wichtige Sachen wie meinen Blog vernachlässigen. Vielleicht schaffe ich es ja heute Nachmittag noch einen kleinen Vorweihnachtsblog zu schreiben.
Hab zwar noch einiges vor, aber man kann ja nie wissen.
Falls nicht wünsche ich allen fleissigen Lesern meines Blogs, die ja wie gesagt zur Zeit nicht so viel zu tun haben, ein wunderschönes Weihnachtsfest und falls wir uns nicht sehen natürlich auch nen guten Rutsch!
Liebe Grüsse noch aus Frankreich

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Koordination

So, nur noch 9 mal schlafen, dann geht es wieder nach Deutschland. Es wird aber auch langsam mal wieder Zeit. Ich brauch glaub ich wirklich Urlaub. Jeden Tag was anderes. Ich versuche mich so gut wie möglich bei Laune zu halten, aber besonders einfach wird es mir doch nicht immer gemacht.
Montag Abend ging ich voller Hoffnung das erste Mal seit nun doch schon 6 Wochen wieder in die Uni. Erfreulicherweise war das Zimmer zur Abwechslung auch mal geöffnet und es befanden sich auch Studenten darin. Was ein Wunder. Nachdem die Dozentin erschien verkündete sich uns die Nachricht, dass die Wahlfächer jetzt nun abgesetzt wurden und jeder seinen Schein einfach so erhält. Jeder? Nein, natürlich nicht. Ausländer dürfen einen Aufsatz schreiben. Immerhin können wir normalerweise diese Scheine bei uns benutzen. Ich aber nicht. Zum einen habe ich zur Zeit ein Urlaubssemester in Chemnitz, was bedeutet, dass ich mir nichts anrechnen kann, zum anderen würde mir auch keiner in Deutschland so einen Kinderkurs anrechnen. Also stritt ich mich kurz mit der Dozentin rum, die dann an meinen Koordinator verwies, mit welchem sie sich auseinander setzen will. Clever wie Fuchs, wie ich so bin, wollte ich dann Dienstag gleich noch mit meinem Koordinator sprechen, um die Situation so erklären zu können, dass ich alles Verständnis der Welt auf meiner Seite haben werde. Clever wie ich immer noch bin, wartete ich in der Uni auf die Sprechstunde der guten Dame von halb eins bis um drei im Internet surfend. Da fand ich so feine Sachen heraus, wie, dass es ab Morgen wieder einen Streik der Bahn geben wird.
Letztendlich kam ich an das Zimmer der guten Frau und: sie befindet sich irgendwo in der Pampa der Mongolei. Und das bis Mitte Januar. Warum sollte so einen Posten auch jemand bekommen, der seine Zeit in der Universität verbringt? Das wäre ja zu einfach.
Naja, ich hab mich jetzt erst mal mit der Sekretärin kurz geschlossen, die sich um die Situation kümmern will. Immerhin war sie auf meiner Seite.
Ansonsten kann ich auch erfreuliches berichten.
Ich wurde mit ganz vielen feinen Päckchen hier verwöhnt. Das ist doch Honig auf die geschundenen Seele.
So wurden mir feine Kekse und Weihnachtsdekoration zu teil.

Lieb, wie ich nun einmal bin, teile ich auch fein auf meinem Gang und mit den anderen Streikgequälten. So veranstalteten wir letzte Woche zum Beispiel ein kleines Kaffeekränzchen. Hab aber nicht alle meine guten Plätzchen freigegeben, sondern auch noch Lebkuchen bei Lidl dazu gekauft. Glücklicherweise hat sich diese Kette zu einer reinen Weltmarke entwickelt, was bedeutet, dass man hier zumindest Lebkuchen kaufen kann. Lecker.
A propos lecker. Ich werde heute mal wieder eine leckere heiße Schokolade mit Marshmallows drauf trinken. Yeah!!!

Mittwoch, 5. Dezember 2007

streike sich wer kann

Wenn man Franzosen fragt, was für sie jetzt typisch französisch sei, wird wahrscheinlich eins der ersten Bemerkungen irgendetwas mit « la greve » sein. Das heißt der Streik und ich muss sagen: er hat recht.
Seit gut fünf Wochen wird unsere Fakultät bestreikt. Jede Woche ein Ende in Sicht, aber das wiederum auch nie wirklich.
Donnerstag letzte Woche beschloss der Präsident der Universität, wie man das hier so schön nennt, dass die Abstimmungen undemokratisch seien, und er jetzt demokratischer Weise mal festlegt, dass Freitag das Gebäude ganz abgeriegelt wird und Montag dann der normale Unibetrieb wieder startet.
So demokratisch, so gut.
Es bürgerte sich nämlich ein, dass keine Studenten mehr in der Stadt sind. Für den Präsidenten hieß das wohl, dass alle schon ihre Weihnachtsvorbereitungen treffen und ihre Freizeit genießen. Menschen, die versuchen sich mehr in die Studenten hier herein zu versetzen machen sich allerdings eher Sorgen um Resignation einer Jugend, als um Feten, die vorbereitet werden.
Also kurzum, keinen Professoren bescheid gesagt, die dann Freitag, so hab ich mir sagen lassen vor verschlossener Tür standen und erst mal das ganze Stühle- und Bänkechaos wieder aufgeräumt.
Besonnen, wie die Präsidenten dieser Nation sind, wollte er dann die Tore Montag Morgen öffnen. Zu dieser Uhrzeit hatten sich aber bereits schon zweihundert Streikende eingefunden, die eine erneute Blockierung der Fakultät erreichen wollten. Also kurzum einen Bus voller Bereitschaftspolizei und noch ungefähr 50 normale Polizisten gerufen und mal sehen, wie man die kleinen Studenten weichgeprügelt bekommt.
Nebenbei verschafften sich in den frühen Morgenstunden wohl auch noch 20 Studenten Zugang zur Bibliothek, in der sie sich einschlossen.
Kurzum, das Gebäude wurde wieder evakuiert, abgeriegelt und blieb auch Dienstag geschlossen.
Heute, Mittwoch sollte alles wieder losgehen. Ging es auch, bis ungefähr um neun oder so. Alles offen. Problem: menschliche Sperren. Das heißt, das man zwei Eingänge der Universität nutzen kann, man aber nur bis zur ersten Treppe gelangt und dann vor einer menschlichen Mauer steht. Des weiteren kann man auch nur mit Studentenausweis eintreten, das sichern Securities ab. Da ich um 10.30 Uhr normal wieder Uni gehabt hätte, hab ich mich auch pflichtbewusst mit meinem Fahrrad aufgemacht. Schon als ich in die Straße einfuhr, war die Straße von Bereitschaftspolizeiwagen gesäumt. Bereitschaftspolizei, die sehen aus wie Rambos in ihren Uniformen und haben Hand am Knüppel. Wartend, dass einer über die Stränge schlägt, freuen sie sich auf die nächste Schlägerei.

Ich warf einen kurzen Blick in das Gebäude, kam bis zur ersten Treppe, drehte wieder um, fuhr zum Bahnhof, kaufte mir mein Zugticket um Weihnachten nach Paris zu kommen, kaufte mir noch zwei Zeitungen um zumindest die Sprache weiter zu lernen und machte mich wieder auf zu mir.
A propos Zugticket. Das kaufte ich mir in der Hoffnung, dass es mal keinen Streik geben wird. Das ist nämlich auch noch nicht sicher. Es wurde schon gemunkelt, dass es gut möglich sein kann, dass um Weihnachten mal wieder gestreikt wird. Aber ich dachte mir, Ticket haben kann ja nie schaden. Umtauschen funktioniert ja sehr gut und somit ist das ja noch kein Problem. Ich bleibe erst einmal tiefenentspannt und harre der Dinge die da kommen werden. Was anderes kann man hier ja irgendwie auch nicht tun.

Montag, 3. Dezember 2007

ho ho ho

Es ist mal wieder diese Zeit des Jahres.
Die Tage sind ja schon relativ kurz, obwohl sie hier etwas länger gehen, da wir uns doch deutlich weiter im Westen befinden, was bedeutet, dass die Sonne später untergeht. Das bedeutet wiederum, dass wir länger das Tageslicht genießen können. Und da wir als Studenten nicht zeitiger als nötig aus dem Bett bequemen, macht es uns wenig aus, dass es später hell wird. Im Gegenteil, wir können länger die unsere Träume schützende Dunkelheit genießen. Aber ich schweife ab. Eigentlich will ich ja nur sagen, dass es doch ganz stark auf Weihnachten zugeht.
Vor einigen Wochen hat man in der Stadt schon damit begonnen die Straßen mit Lichterketten zu dekorieren. Anfangs dachte ich mir noch, dass die hier wohl unglaublich zeitig anfangen werden die Beleuchtung anzuschalten und dass ich schon Mitte November das Gefühl haben werde, dass morgen Weihnachten ist. Aber die fingen so zeitig an, weil sie irgendwo hier in er Nähe wohl einen Hangar mit Beleuchtung voll gestellt haben. Soll heißen, dass ich mir fast sicher bin, dass Tours gut ein Drittel der Lichterketten der Welt besitzt.
Des Weiteren scheint man in Frankreich den ökonomischen Wert von Weihnachtsmärkten erkannt zu haben. Das gehört nämlich nicht zu den traditionellen Weihnachtseinrichtungen hier. Aber seit einigen Jahren hat sich auch dieser Brauch eingebürgert.
Freitag war es dann so weit.
Der Weihnachtsmarkt wurde eröffnet. Da durften wir natürlich nicht fehlen.

Den ganzen Tag sich auf den Glühwein freuend, machten wir uns nun in voller Vorfreude auf Leckereien und unglaublich viel Vin chaud auf in die Innenstadt.
Da sah ich ihn dann. Den Tannenbaum von Tours. Ich war sprachlos.
Selten sah ich weniger schönes. Aber ist ja alles Geschmacksache.
Also nix wie auf zum ersten Glühweinstand um den Baum runterzuspülen.
Da wir ganz viele Glückskinder sind, bot uns auch die erste Bude denselben an. Also nix wie kaufen, nehmen, trinken ... iiiiiiiiihhhhhhhhh! Selten trank ich weniger süßes!
Aber noch war ja nicht des Tages Abend. Also weiter.
Aber wo waren die Weihnachtssachen? Ketten kann ich hier doch überall kaufen. Genauso wie komische Figuren, Lampen und so weiter. Kurz: ein ganz normaler Krempelmarkt auf dem es absolut nichts weihnachtliches gab.
Bis auf einen so ähnlich wie Lebkuchenstand und den Weihnachtsmann mit einem Gnom wusste ich nicht, was in aller Welt das mit einem Weihnachtsmarkt gemein haben sollte.
Zu unser aller Unglück gab es dann auch noch nicht mal kulinarische Schweinereien. Soll heißen, dass wir uns mit nem Crepe abgespeist haben und wieder auf den Rückweg machten.
Und dann: alle Epileptiker Augen zu!


Die Beleuchtung wurde angeschalten. Ich glaube in Deutschland könnte man einige kleine elektrische Schwankungen gemerkt haben, weil die französischen Atomkraftwerke nun nicht mehr nach Deutschland exportieren konnten, sondern alles für Tours brauchten.
Von nun an leuchtet unsere Stadt in allen möglichen Farben. Hauptsächlich aber in einem Blau mit blinkenden Lämpchen. Mir fehlen die Worte. Ich kann nur Bilder sprechen lassen.

Dienstag, 27. November 2007

Bin ich denn im Kindergarten?

Tours jetzt also.
Wer hätte gedacht, das zwei Menschen gar nicht mal schlecht in einem 80cm breiten Bett schlafen können. Besonders, wenn vorher für jeden mindestens genauso viel Platz vorhanden war. Ja, es ging.
Da man im Wohnheim einer Universität davon ausgehen, dass dort ganz viele kleine Kinder wohnen, hatten wir letzte Woche das unglaubliche Glück, dass die Direktion mit den Putzfrauen durch alle Zimmer ging und schaute, ob wir auch keine Waschmaschinen, eigene Kühlschränke Heizlüfter oder sogar alles zusammen beherbergen. Da hier Besuch genauso wenig wie warme Zimmer erlaubt sind, musste ich zunächst einmal herausfinden, wann mein Zimmer unter die Lupe genommen werden sollte. Dann ging ich zu Chantal, unsere Putzfrau und gute Seele und sagte ihr Bescheid, dass ich vielleicht Besuch in meinem Zimmer habe. Darauf sagte sie mir genau, wann sie vorbei kommen wird und somit konnte ich dafür sorgen, dass ich auf keinen Fall in diesem Moment Besuch habe. Mit solchen schönen Sachen schlage ich mich hier rum.
Das ist aber noch nicht das Ende der « ihr seid kleine Kinder » Fahnenstange.
So wird zum Beispiel immer nachgeschaut, dass auch jeder fein seinen Abwasch, Putzdienst erledigt. Letzte Woche fand eine kleine Party von dem Wohnheim aus statt. Unglaublicherweise durften wir uns mit Vitamin C betrinken. Es gab nämlich Saft. Aber sie waren auch so frei uns Kekse dazu anzubieten. Und da wir ja auch noch junge Hüpfer sind und ausnahmsweise mal länger aufbleiben durften, ging die Fete auch bis 23.00 Uhr. Ja, um elf!!!
Heute hat der Xavier seinen Schlüssel mal wieder in seinem Zimmer eingesperrt. Also musste er in der Loge anrufen und jemand kommen lassen, der ihm aufsperrte. Die nette Dame hat ihm dann auch gleich unmissverständlich klar gemacht, dass dies schon das zweite Mal war und das nächste Mal darf er sich beim Direktor vorstellen. Das Beste daran ist, dass wenn das nächste Mal er des Nächtens seinen Schlüssel verliert, er dann da er Wiederholungstäter ist, mindestens zwei Stunden warten muss.
Ich würde ja gerne mal wissen, was passiert, wenn man zum Direktor muss. Kann mir vorstellen, dass man entweder den Hintern ausgeklopft bekommt oder 100x schreiben muss: « ich werde immer an meinen Schlüssel denken » Ich werde wohl oder übel anfangen müssen meinen Schlüssel auch mal einzusperren, nur um zu sehen, was passiert.
Ja, wenn man sich hier nicht jung fühlt, wo dann?
Mittwoch musste Ulf dann wieder weg.
Kurzentschlossen und jung wie ich bin, fuhr ich einfach noch mal mit nach Paris. Immerhin hatten wir das ganze Wochenende Metrogebühren gespart. Die beliefen sich auf mehr Kosten, als eine Fahrt nach Paris und zurück.
Nachdem ich dann schweren Herzens wieder Abschied nahm, nutzte ich meine Zeit gleich noch mal ein bisschen um in Paris herumzuschlendern. Und schon wieder sah ich ganz neue Plätze. Aber nicht, weil ich an neuen Plätzen war, sondern weil es diesmal hell war. Da war doch auf einmal eine ganz schön große Kirche neben les Halles, die mir vorher noch nie auffiel.
Verantwortungsbewusst wie ich bin, wollte ich mir noch ein Paar Winterschuhe kaufen. Leider glichen diese eher Booten, als Schuhen und so ließ ich davon ab. Meine Vernunft ließ mich dann auch nicht die schönsten Schuhe kaufen, die mir am Besten gefielen. Diese waren nämlich dünner als die eine oder die andere von den Olsen Zwillingen. Also nix aber auch rein gar nix für den Winter. Ach, ich pass gar nicht hier in das Wohnheim, erwachsen wie ich bin.
Auf dem Weg zum Bahnhof gönnte ich mir gleich noch eine Kugel Lebkucheneis, immerhin befand ich mich in Trauer.
Am Bahnhof angekommen machte ich dann gleich die nächste Dummheit. Ich zog meine EC-Karte aus dem Automaten, während ich bezahlte. Das hatte zur Folge, dass die Automaten meine Karte nicht mehr akzeptieren wollten. Dies wiederum führte dazu, dass ich zum Schalter musste. Und wie wir uns erinnern ... richtig: Streik. Also waren 4 von 30 Schaltern geöffnet und an mindestens zweien planten die schlauen Menschen eine Weltreise. Also stand ich fast eine Stunde an um in einer Minute mein Ticket zu kaufen und dann in den vollsten Zug zu steigen, den ich seit meinem Urlaub in der Hohen Tatra in der Quengelbahn erlebte.
Aber das ließ mich auch nicht aus der Ruhe bringen. Immerhin kam ich ja vom Fleck. Kein Problem also.
Hah, heute war ich im Douglas, weil ich nicht mehr gut riechen kann. Ich überlegte mir, dass es wieder Zeit sei für Joop Sport. Also ging ich 1x, 2x, 3x durch und sah es nicht. Komischerweise sah ich gar nix von Joop. Und .... Überraschung: Joop, davon haben die hier noch nie was gehört. Also jetzt schlägts wirklich 13. Joop. Ich weiß, ist ein Deutscher, aber JOOP. Nach dem Schock war ich gleich gar nicht in der Lage mir noch was anderes auszusuchen. Muss wohl morgen mal zurück und auf was französisches wie Chanel oder Gaultier zurück greifen.

Samstag, 24. November 2007

Paris oder STREIK, STREIK, STREIK

Wie schon angekündigt, nun die Geschichte (eine wahre, wenn auch unglaubliche) von Paris.
Diese sollte eigentlich mit dem Donnerstag und einer entspannten Zugfahrt und einem Wiedersehen mit Ulla in der Stadt der Liebe beginnen.
Aber wenn ein Satz schon entspannte Zugfahrt enthält, kann man ahnen, dass da was faul ist.
Ganz speziell, da ich mich sozusagen in der Mutter des Streikes befinde.
Also nix mit Donnerstag fahre ich nach Paris.

Es geht Montag los.
Ja, Montag.
Da kam mir nämlich das Wort Generalstreik das erste Mal unter die Ohren. Soll heißen, dass ab mindestens Donnerstag die Bahn macht was sie will. Ungläubig schnappe ich mir meinen Laptop um meinen Freund das Internet zu befragen. Dieser erzählt mir dann, dass nicht Donnerstag, sondern Dienstag Abend 20h00 die magische Streikgrenze ist. Soll heißen, dass kein Zug von Dienstag Abend an mehr garantiert ist. Was tun?
Ich schnappe mir also mein Fahrrad und auf zum Bahnhof. Die können mir nur sagen, dass sie immer abends ab 18h00 wissen, welche Züge am nächsten Tag fahren werden. Kann also sein, dass man abends gesagt bekommt, dass vier am Tag nach Paris fahren oder auch keiner.
Supersicher also alles.
Ich dachte mir, dass ich ganz schlau bin und zunächst erst mal schaue, wann ich loskann und dann zu meiner Freundin nach Paris fahre und von ihr aus dann zu dem Treffpunkt, an den Ulf kommt, fahre. Die Manja erreichte ich dann auch noch Montag Abend und wir befanden beide das es wohl das Beste wäre, wenn ich schon Dienstag zu ihr komme, das wir vor dem Streik bei ihr sind, da sie nicht in Paris wohnt, sondern 25km außerhalb. Gesagt, getan. Ich fuhr nach Paris. Dienstag oder Donnerstag ist ja jetzt eigentlich auch das Gleiche. Und immerhin ich hab endlich mal Manja besucht. Noch vor unserem Auslandsaufenthalt machten wir uns aus, dass wir uns gegenseitig besuchen müssten und hatten es bis dahin nicht geschafft. Traurig so was.
Also: mit Manja in Lognes angekommen werden wir gleich mal freundlich von einem kleinen Regenguss empfangen. Wie freundlich. Aber nicht schlimm. Hauptsache wir sind da.
Mittwoch erfahren wir dann, was Generalstreik bedeutet. Es geht gar nix. Die RER-Stadion bei Manja ist gar nicht erst offen. Die Franzosen, mit denen wir unseren Abend verbrachten waren auch erstaunlich negativ eingestellt und davon überzeugt, dass wir von nun an Wochen in Lognes festsitzen würden. Wir immer fröhlichen und positiven Deutschen gingen dann doch eher mit einer: „Och, das wird schon!“ Einstellung an die ganze Angelegenheit ran. Immerhin haben wir Mittwoch Abend den Franzosen dort unsere Vorstellung von einem Raclette beigebracht, da es hier wohl gar nicht üblich andere Speisen als den Käse mit zu erwärmen. Sie befanden dann aber auch, dass unsere Art zu essen eigentlich ganz lecker sei. Recht haben sie!
Donnerstag dann: der Tag der Entscheidung! Ulf kam 18:10 auf dem Flughafen an und ich hatte vor schon vor ihm im Hotel zu sein und ihn dann an der nächsten Metrohaltestelle abzuholen.
Also sind wir auf 15:00 bei Manja los um in den Nachbarort zu laufen, weil von dort aus ein Bus fahren sollte, der einen zu einem Bahnhof bringt, der tatsächlich funktionierende Züge abfertigt. Auf unserem Weg fiel uns dann auf, dass die RER-Station, die noch am Vormittag geschlossen war jetzt seine Pforten für uns geöffnet hatte. Wir also jubelnd dorthin. Es hat auch nur eine dreiviertel Stunde gedauert, bis der erste Zug aus der gegenüberliegenden Richtung kam. Nebenbei haben wir immer noch die Streikhotline angerufen um zu erfahren, wie viele RER denn so fahren. Diese Ansage variierte zwischen einem von fünf Zügen bis quasi null. Also auch nicht sonderlich aussagekräftig. Als uns dann nach zwei Stunden der nächste Zug aus der Gegenrichtung entgegen kam, zweifelten wir doch an unserer Theorie, dass die Bahnen nicht verloren gehen würden.
Nach fast drei Stunden haben wir schon jegliche Hoffnung verschwinden sehen und gefroren wie verrückt. Die Szene fand nämlich unter dem Gefrierpunkt statt. Als wir dann auch fertig waren wieder zu gehen und einen Freund von Manja, der Nachts noch nach Paris reinfahren wollte zu fragen kam die rettende Nachricht von einem ankommenden Zug. Jipppieee!!! Durchgefroren und Manja unsagbar dankbar, dass sie die ganze Zeit mit mir ausharrte, stieg ich in die S-Bahn, die nicht nur fuhr, sondern auch warm war. Ich sollte also noch vor Ulf ankommen, wenn auch nur 10 Minuten. Wer hätte das gedacht.
Glücklicherweise war meine Umsteigestelle in die Metro auch an einer Endhaltestelle, so dass ich sogar darin noch einen Platz hatte. Als diese dann losfuhr und einige anfingen zu klatschen, konnte ich mir auch eine Vorstellung davon machen, wie lange diese Metro wohl schon stand.
Immerhin sind die Pariser nicht für ihren überschwänglichen Enthusiasmus bekannt.
Von Station zu Station wurde es dann auch immer kuscheliger, so dass ich mich dann endlich an der Station an der auch Ulf aussteigen sollte dafür entschied gleich dort auf ihn zu warten.
Jetzt folgt also diese unglaubliche Wiedersehensszene in der Stadt der Liebe. In der Metrostation. ....
Das bleibt jetzt also geheim.
Gemeinsam suchten wir dann unser Hotel, dass sich tatsächlich in unmittelbarer Nähe zu Sacré Cœur und dem Moulin rouge befand. Nachdem wir unser kleines Zimmerchen bezogen machten wir uns gleich mal zu einem Supermarkt auf und kauften uns einige Leckereien um ein kleines Picknick auf unserem Bett machen zu können. Zumindest am ersten Abend wollten wir uns verantwortungsbewusst verhalten und möglichst viel Geld sparen. Das war auch der Hauptgrund dafür, dass wir die Seilbahn hinauf zu Sacré Cœur nicht nutzten. Naja vielleicht auch, weil wir doch noch gut in der Lage waren zu laufen. Angekommen auf unserem Berg bot uns nicht nur die Sacré Cœur da, sondern auch die Stadt lag zu unseren Füßen. Gut gemacht.

Im Prinzip könnte ich jetzt aufschreiben, was wir alles sahen, aber das wäre doch eine furchtbar lange Geschichte. Also hier die Listenform und danach kleine Episoden.
Donnerstag: Sacré Cœur, Moulin Rouge und Pigalle (die Mausefalle jetzt)
Freitag: Arc de Triomphe,

Champs-Élysées, Grand Palais, Petit Palais, Obelisque,

Tuleriengarten, Louvre,


Palais Royal, Pont Neuf (die älteste Brücke Paris'), Notre Dame, Ile Saint-Louis, das Rathaus, Centre Georges Pompidou,

Les Halles, Eiffelturm




Samstag: Kirche St. Sulpice, Invaliden inclusive dem unglaublich großen Sarg von kleinen Napoleon,

das Armee Museum, Jardin du Luxembourg,

Panthéon,

Sorbonne, eine kleine Bootsfahrt auf der Seine
Sonntag: Der Friedhof von Montparnasse, Place de la Repulbique, Place des Vosges, Place de la Bastille

Einiges also. Das alles haben wir größtenteils per pedes erledigt, weil die Metro bekanntlich nicht das verlässlichste Verkehrsmittel war. So fuhren wir immer zu unserem Ausgangspunkt mit der Metro und dann noch, wenn uns mal so war. Und wer sollte es glauben, so ein Streik hat auch seine guten Seiten. So war die Metro zum Beispiel das ganze Wochenende kostenlos für uns. Auch nicht schlecht.
Um uns bei Laune zu halten, ließen wir es uns nicht nehmen die ganzen empfohlenen Köstlichkeiten aus dem Reiseführer zu kosten. So kamen wir zum Beispiel in den Genuss von Lebkucheneis. Wie lecker. Beinahe hätten wir uns auch eine heiße Schokolade zu kaufen, die eigentlich schon fast Pudding gleich kam. Da diese dann aber fünf Euro kostete, sahen wir vom Kauf ab und leisteten uns von dem gesparten Geld lieber noch zwei kleine Portionen von vorzüglichem Eis. Heiße Schokolade tranken wir trotzdem zu Genüge. Es war nämlich Hundekalt und wir mussten uns ja auch von Zeit zu Zeit aufwärmen. Verständlich oder.
Samstag war ja auch unser dritter Jahrestag. Ja, wir feierten unseren dritten Jahrestag in Paris und nein, ich weiß nicht genau, wie wir den vierten dann topen wollen. Nehmen aber auf jeden Fall großzügige Spenden an.
Um unsere drei Jahre zu feiern gingen wir abends oder besser schon fast nachts um elf jüdisch essen. Sehr lecker.
Wie man so sieht, leisteten wir uns allerlei Leckereien und sparten auch sonst nur selten. So fuhren wir auch mit dem Aufzug auf den Eiffelturm. Deswegen und auch weil wir so spät dort waren, dass die Treppen nicht mehr geöffnet waren. Als wir nach einem langen Spaziergang am Eiffelturm ankamen, schaltete sich auch gerade seine Glitzerbeleuchtung ein und die ganzen Verrückten auf dem Turm klatschten stürmisch Beifall.

Wie kitschig, aber schön. Auch wenn uns die Kälte den gesamten Tag peinigte erlaubte sie uns doch auch ganz weit sehen zu können. Da war einem doch gleich warm ums Herz.
Insgesamt verbrachten wir also ein unglaublich schönes und entspanntes Wochenende in Paris. Der Streik hatte wohl auch zur Folge, dass sich nicht so viele Leute wie sonst in der Stadt befanden. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, dass die Stadt überhaupt nicht hektisch sei.
Sonntag fuhren wir dann zunächst zum Bahnhof um herauszufinden, wann wir nach Tours fahren könnten. Wir entschieden uns dann den letzten TGV am Abend zu nehmen. Dafür konnte man dann aber kein Ticket kaufen, weil das wohl nur direkt vor der Abfahrt ging. Wir schlossen dann also unsere Rucksäcke ein und machten uns auf unseren letzten Tag Erkundungstour durch Paris auf. Eine Stunde bevor der Zug abfuhr sind wir dann los und wollten die Paar Stationen zum Bahnhof fahren. In der Metrostation angekommen sagte uns die Anzeige, dass der nächste Zug wohl in 15 Minuten kommen würde. Da war uns schon klar, dass das alles wohl ziemlich knapp werden würde. Als die Metro dann kam, war die auch sehr sehr gut gefüllt und wir spielten mal wieder Sardinen. In Montparnasse (dem Bahnhof also) rannten wir dann furchtbar schnell um dann doch zu spät zu unserem Zug zu kommen. Soll heißen er stand noch da, wir durften aber nicht mehr einsteigen. Wie fein. Das wars. Noch eine Nacht in Paris. Aber wo? Ich rief also wieder Manja an, die mir dann prompt Internetauskunft gab. So fanden wir nach einigem Hin und Her heraus, dass am anderen Bahnhof noch ein Zug um kurz vor elf fahren würde. Noch mal gerettet. Also quetschten wir uns wieder in die Metro und fuhren zum nächsten Bahnhof. Dort angekommen kauften wir uns Tickets für unseren Zug und noch ein paar Cracker um noch Abendbrot zu essen.

Mit dem Zug sollten wir sogar noch den letzten Nachtbus in Tours erwischen, wenn wir ganz schnell rennen würden.
Diese Hoffnungen zerschlugen sich allerdings, als der Zug kurz vor Tours aufgrund von Sicherheitsproblemen alle fünf Meter 10 Minuten hielt. Der letzte Nachtbus hier in Tours fährt um eins und wir waren dann endlich kurz nach halb zwei in Tours. Naja, immerhin fanden wir noch eine Bar, die uns noch ein Bier verkaufte. Und ich war soweit. Ich trank auch Bier. Bis dahin zumeist ablehnend lief das Bier doch runter wie Öl und ich fragte mich, warum ich nicht schon immer Bier trank.
Das gesamte Wochenende an Laufen gewöhnt, nahmen wir also unsere Beine in die Hände und liefen zu mir. Brauchten auch nur eine Stunde und immerhin regnete es ausnahmsweise mal nicht.
Den Rest des Besuches von Ulf gibt es dann das nächste Mal. Hattet ja immerhin genug zu lesen. Tut mir leid, wenn es zu viel sein sollte.

Donnerstag, 22. November 2007

bald gibt es Neues

wie ihr vielleicht gemerkt habt, lies ich lang nichts von mir hören.
Das liegt nicht etwa daran, dass das Internet hier streikt, soweit kam es zum Glück noch nicht, aber ich verbrachte das letzte Wochenende mit Ulf in Paris, was bedeutete, dass ich meine virtuellen Aktivitäten einstellte.
Diese werden aber in Kürze wieder aufgenommen und schon noch diese Woche sollte ein neuer unglaublicher Blog von mir folgen. Tut mir leid.
Hier aber schon mal ein kleines Bildchen von Paris - so als kleiner Anzreiz-Hinhalter

Donnerstag, 8. November 2007

Streiken und so


Noch kein Jahr ist es her, da sah man brennende Schulbänke durch die Straßen von Paris im Fernsehen fliegen und dachte sich, das die französischen Studenten wirklich was auf die Beine stellen.
Das als „Streiknation“ titulierte Land scheint wieder einen Anlass gefunden zu haben weniger zu tun als üblich.
Ja, wir streiken!!! Noch kamen mir keine deutschen Berichte auf einschlägigen Internetseiten entgegengeflattert, soll heißen, dass es diesmal wohl noch ohne fliegende, brennende Stühle und Bänke abgeht.
Eins ist mir aber bis jetzt zumindest klar geworden. Es sind nur die Philosophen, die streiken. Das wars. Der Campus für Technik, auf dem ich schließlich wohne, ist wie immer gut besucht. Hier geht alles ganz routiniert von Statten. Gleiches Bild bei den Informatikern, Wirtschaftlern und Medizinern. Alle fleißig am studieren. Das wollte ich heute übrigens auch wieder probieren, wurde aber letztendlich von zwar nicht brennenden, aber die Tür verbarrikadierenden Bänken aufgehalten. Immerhin kann mir so niemand nachsagen, dass ich es nicht probiert hätte.


Warum streiken wir denn eigentlich?
So viel ich verstanden habe, wollen wir, dass unsere Universität weiterhin den Namen eines großen französischen Schriftstellers trägt. Soll heißen, dass nicht etwa Nike die Uni kaufen kann um es in eine Laufschule umzuarbeiten. Deswegen gehen wir auf die Straße, weil wir sehen, was in Deutschland passierte. So, da haben wir es!!!
Ich bin jetzt nicht mit letztem Eifer dabei, aber nehme das ganze interessiert zur Kenntnis und erfreue mich meiner freien Zeit. Im Prinzip hab ich ja jetzt wieder mal den Rest der Woche frei, was bedeutet, dass ich eigentlich schon die zweite Woche Ferien habe und im Prinzip von Anfang an eine Weltreise hätte planen können.
So schnappte ich mir mein Pferd und ritt in den nächsten Saloon, um mir eine heiße Schokolade zu bestellen, die mit Marshmallows geschmückt war und las dazu ein Buch.
Und das hieß sogar „Le Livre du Voyage“ - also im Endeffekt doch was mit reisen. Immerhin.
So lässt sich doch auch was lernen.

Noch gar nicht so lang her, also ungefähr eine halbe Stunde, da versuchte mein Mitbewohner unseren Gang in Brand zu stecken. Und wer war schuld? Stuttgart!!! Dieser VfB wieder.
Während Xavier sich ein Fussballspiel im Radio anhörte, versuchte er nämlich eine zweite Sache zu tun. Ich weiß, alle wissen schon was kommt. Wenn eine Geschichte schon mit Männern und zwei Sachen anfängt. Das kann nicht gut gehen.
Was versuchte er?
Pizza im Ofen erwärmen. Ich denke es ist jeder mit mir, wenn ich jetzt sage, dass das kein größeres Problem darstellen sollte. Immerhin: Pizza. Schon alles fertig, nur noch warm machen.
Aber:
a) unser Ofen geht bis 300 Grad zu erhitzen
b) wir haben kein Backpapier und nutzen deswegen die Kartons, in denen die Pizzen so geliefert werden
c) das Spiel scheint wohl spannend gewesen zu sein.
Ende vom Lied: ich höre einen Haufen Krach in der Küche, Sekunden später ist sämtlicher Strom im Gang aus, darauf folgend: ein unglaublicher Gestank, der auch in mein Zimmer zieht.
Fuchs, wie ich bin hab ich natürlich mein Fahrradlicht parat und kann mir so den Schaden ansehen.


Plus, aus dem superschönen Sonnenuntergang lernend, hab ich natürlich Fotoapparat dabei. Der arme Xavier. Stand da wie ein Häufchen Elend. Hat wohl nicht seinen besten Tag erwischt. Und Hunger und kein Essen mehr. Da habe ich ihm doch gleich noch meinen Couscous von gestern gestiftet. Immerhin hab ich ja fein in der Mensa gespeist. Da kann ich auch meine für Heute destinierten, nicht gegessenen Essensreste spenden.
Ein Glück war mir nicht mehr nach Bowling spielen. Da hätte ich ja hier was verpasst. Und die Anderen, die jetzt Bowling spielen sind, müssen mich nicht bei einem Spiel ertragen, das mir genau drei Würfe Spass macht und dann ist finito.
Da widme ich mich doch lieber einem guten Buch, was ich jetzt auch wieder tun werde.

Dienstag, 6. November 2007

Ferien rund um Fronleichnam

Nachdem ich vorhin meine „Ferien“ zusammenfassen sollte und doch einige Schwierigkeiten hatte noch alles in eine einigermaßen ordentliche Reihenfolge zu bekommen, wird es Zeit einiges davon niederzuschreiben, um nicht zu vergessen.
So.
Halloween. An Halloween sollte Cedric, mein Mitbewohner, der mir immer ganz viel Französisch beibringt eigentlich ausziehen. Also warteten wir Vormittags alle, die noch da waren und ein bisschen Zeit hatten, auf die Putzfrau, die das Zimmer abnehmen sollte. Da sie aber an so viele Dinge denken muss und sich wohl ihren Termin nicht behalten konnte, erschien dieselbe nicht. Irgendwann drei Stunden nach dem vereinbarten Termin haben wir dann jemand Anderen geholt, der sich um die Zimmerübernahme kümmerte. Da seine Freunde, bei denen er von da an bis zu seiner Abreise übernachten wollte, nicht da waren, habe ich ihn mit auf eine Halloweenparty geschleppt. Glücklicherweise hatte er sich von seinem alten Krankenhaus noch die Kleidung ausgeliehen, die er mir dann weiterlieh. So wurde ich zum Arzt. Er wurde mein Patient.
Perfekte Verkleidung. Problem ist nur, dass es in Krankenhäusern scheinbar wärmer ist, als nachts Ende Oktober in Tours. Irgendwie fror ich doch mehr als sich das ein richtiger Arzt träumen würde.

Die Party war dafür ganz lustig. Immerhin ist hier ja keiner mit Kostümen angereist und es hat ja auch nicht jeder Mitbewohner mit Arztkleidung. Aber für einen Italiener ist es natürlich immer leicht den Don zu spielen. Donnerstag nutzte ich dann endlich mal um mich auszuschlafen. Wer hätte gedacht, dass so ein Körper so viel Schlaf braucht. Da wäre es mir doch eigentlich lieber, wenn mir immer so vier Stunden reichen würden. Aber nein!
Immerhin hatte ich Freitag großes vor. Seit Wochen hatte ich Hubert versprochen, ich würde mit ihm und seinen Freunden in die Disko gehen. Nationalstolz veranlasste sie einen gabunesischen Club zu gründen und Partylaune verführte sie dazu einen gabunesischen Abend zu veranstalten.
Also hab ich mich fein gemacht und bin mit Swantje, unseren Mitbewohnern aus Gabun und deren Freunden in einen Club gewandert. Als wir dann ankamen war kein Mensch da. Aber nicht schlimm, wir hatten ja unsere Freunde Johnny, Jack und Jim und so vertrieben wir uns die Zeit. Nee, war ja nur eine Flasche. Als sich dann auch normale Clubgezeiten einstellten, begab es sich sogar, dass Menschen die Disko füllten. Die Musik war entgegen zu normaler Diskomusik, die in Frankreich doch sehr elektronisch sein soll, sehr angenehm und so fand ich mich von Zeit zu Zeit auch auf der Tanzfläche wieder. Dort machte ich das ein oder andere Mal Gebrauch von meiner Hand, die gar zu aufdringliche Verehrer abwehrte. Früh um vier ging dann das Licht an und alle mussten heim gehen. Wie lustig. Licht an! Mir ist egal wie viele ihr noch seid, Licht an, Licht an, Licht an.
Der Tag danach stellte sich dann als etwas zäh heraus. Da ich lange nichts Neues sah, schnappte ich mir mein Fahrrad und fuhr ein Stück durch die Gegend. Ist auch mal schön ganz allein etwas zu machen und ganz viel nachzudenken.

Cédric kam noch einmal zurück um den Rest seiner Sachen zu holen. Aus einem Nachmittagsbesuch wurde dann irgendwann eine Unterhaltung zwischen ihm und mir bis zum nächsten Morgen um halb Neun. Warum sind es eigentlich immer gerade die, mit denen man sich am Besten versteht, die das Feld räumen müssen? Das ist doch nicht fair.
Ich werd mir wohl einen neuen Lehrer suchen müssen, der sich daran erfreuen kann die ganze Nacht in Wörterbüchern rumzublättern und Abnormalitäten zu finden.
Sonntag begab ich mich dann nach zwei Stunden Schlaf wieder daran mit den anderen Erasmusstudenten zu kochen. Diesmal war der Kreis schon wieder größer und wir aßen zu sechzehnt, sechsnationales Essen. Sehr fein. Also es sind nicht immer irgendwelche Nationalgerichte, sondern einfach nur Essen, was eben zubereitet wird, aber möglicherweise aus diesem Land stammt. Zumindest sind es Hände aus verschiedenen Nationen, die sich an Gerichten probieren, die aus anderen Ländern sind. Aber immer, oder zumeist schmackhaft. Und man kommt in so seltene Genüsse, wie einen Italiener Kaffee mit Vanillesauce trinken zu sehen, weil es an Zucker mangelt. Seinen Fauxpas bezahlte er dann aber auch gleich mit unglaublich viel Verhöhnungen ihm gegenüber.




Heute nutzte ich meine Zeit dafür mal wieder joggen zu gehen. Nachmittag war ich mal wieder für umsonst in der Uni, weil der Kurs wohl wieder nicht stattfand. Aber was will man machen. Dafür hab ich auf dem Weg nach Hause den schönsten Sonnenuntergang seit Langem gesehen.


Fuchs wie ich bin, hatte ich glücklicherweise sogar gleich meinen Fotoapparat parat. Deswegen heißt der wohl so. Wie einfach manche Worte doch gestrickt sind.
Wie ich mir versprochen hatte, hab ich gleich noch hier in der Mensa mit Alex zu Abend gegessen. Es lebe die Mensa in der Stadt Rebellion.

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Zuhause
Zuhause, schon bei dem Wort werde ich nostalgisch, lehne meinen Kopf zur Seite und bekomme ein komisches Gefühl im Magen.
Zuhause – Geborgenheit, Liebe, Verständnis, sich auskennen, Familie. Zum Glück ist es nicht so, dass ich ins Ausland muss, um zu realisieren, dass es das ist, was ich brauche. Ich wusste es vorher. Glücklicherweise kann ich mich ganz gut von solchen Gefühlen ablenken. Sonst würde ich wohl vor Sehnsucht und Heimweh eingehen. Aber so ist es ja nicht. Dennoch weiß ich, was ich habe. Jedenfalls verbrachte ich vier wunderbare Tage in Deutschland. Petrus erbarmte sich sogar meiner und schenkte mir Schnee. Nachdem ich hörte, dass er nicht so großzügig mit Tours ist, war ich schon etwas traurig, aber immerhin kann ich sagen, dass ich dieses Jahr schon Schnee sah. Superschön.
Im Gegensatz zur Fahrt nach Deutschland, verlief meine Rückkehr ohne jegliche Zwischenfälle. Die hätte ich wohl auch nicht ertragen.
Es fiel mir nämlich tausend mal schwerer nach Frankreich zurückzukehren, als im September. Aber das ist wohl normal.
Am ersten Tag hier lief ich rum wie Falschgeld und jedes Mal, wenn mich jemand auf meine Reise ansprach, kamen mir die Tränen. Aber wie gesagt konnte ich mich ganz gut ablenken und schon nach ein paar Tagen wurde alles besser. Ich hab mich in Dekorationsaufgaben gestürzt. So hab ich jetzt ein Zimmer, in dem ich mich wohl fühle und das ist doch schon mal ein guter Anfang.
Was habe ich sonst noch so gemacht?
Sonntag hatte ich einen Fresstag. Vormittags trafen wir (Italiener, Spanier und Deutsche) uns um einkaufen zu gehen, kochten dann alle zusammen in einer Küche und aßen bis nachmittags.





Als wir damit fertig waren und uns kaum noch bewegen konnten, nahem wir unsere Beine in die Hand und machten uns auf in die Stadt.

Ich fuhr von dort aus direkt wieder heim, weil wir bei uns noch eine andere Fete geplant hatten. Wir hatten nämlich den Abschied einer unserer Mitbewohner zu feiern. Das endete in einem großen Wodka-Ahoi Gelage. Wichtige Sachen, wie Brausepulver mit Schnaps müssen ja raus in die Welt. Und dann noch dazu Waldmeistergeschmack. Das kennen hier nämlich genauso wenig Leute, wie Brausepulver an sich. Als wir unsere Flasche dann endlich geleert hatten, sämtliches Pulver verschossen war, ging es weiter mit Rum und Whiskey. So jung kamen wir ja nie wieder zusammen. Also: war es das was wir taten, erzählen, trinken. Sehr witzig.



Diese Woche ist so etwas ähnliches wie Ferienwoche. Morgen ist Frohenleichnahm, der Grund warum wir Donnerstags keine Uni haben. Dieser Feiertag ist der gleiche Grund, warum wir Freitag keine Uni haben – Brückentag. Ja, und den Rest der Woche habe ich auch keine Uni gehabt, weil es eben einfach so war. Montag war ich von um eins ab in der Uni, um zu merken, dass mein Kurs halb zwei ausfällt. Dafür habe ich dann auf meinen Kurs um fünf gleich in der Stadt gewartet, nur um herauszufinden, dass auch dieser nicht stattfindet. Also, nix wie heim.
Gestern gingen wir mit Cedric das letzte Mal für ihn in die Mensa gegangen. Wir haben hier bei den Wohnheimen gleich eine Mensa, die wirklich um Welten besser ist, als in der Stadt. Darum werd ich nicht mehr in der Stadt gehen. Ich rebelliere. Irgendjemand muss ja schließlich mal ein Zeichen setzen. So kann das doch nicht weitergehen. Also wirklich. Hier bekommt man: a) größere Portionen, b) besseren Service, c) besseres Essen für d) den gleichen Preis.
Nach dem Essen sind wir dann noch zu dritt mit dem Bus in die Stadt gefahren. Dieser ist auf halber Strecke irgendwo in der Pampa stecken geblieben. Abends fahren nämlich nur noch zwei Busse, die die ganze Stadt abklappern. Also saßen wir so ne halbe Stunde fest. War aber auch nicht weiter schlimm, weil uns ein anderer Bus abholte.
Plus auf der Heimfahrt war die gleiche Fahrerin am Steuer, die ich davon überzeugen konnte, dass ich nun nicht mehr bezahlen brauch, weil ich ja schließlich vorher auf sie warten musste. Das sowas auch mal klappt, hätte ich nicht gedacht.
Irgendwann heute morgen um fünf Uhr fand ich mich dann auch mal in meinem Bett wieder, dass ich dann aber schon auf zehn wieder verließ, weil ich ja nix verpassen will. Dementsprechend gut sehe ich im Moment wahrscheinlich aus. Aber auch nicht so schlimm, weil schlafen kann ich ja immer noch.

Samstag, 27. Oktober 2007

Fahrt nach Deutschland

So, war ich also letzte Woche zuhause.
In einem vereinigten Europa sollte man doch davon ausgehen können, dass so eine Fahrt von Tours nach Plauen nicht sonderlich viele Probleme aufwirft. Aber: Pustekuchen!
Nachdem mir bekannt wurde, dass in Frankreich die Lokführer am 18.10. streiken würden, hab ich mir ja noch keine Gedanken gemacht, weil am 18. mein Nachtzug Frankreich schon verlassen hätte.
Nichts Böses ahnend , kontrollierte ich also am Dienstag nachmittag vor meiner Abreise meinen e-mail Posteingang, und siehe da: die Bahn schreibt mir in einem nicht weniger schlechten Deutsch, als es manch deutsche HipHopper zu Tage legen, dass sie auf Grund des französischen Streikes leider nicht fahren können und dass ich mein Ticket an den Kundenservice zurück geben soll. Das wars.
Also musste ich den unglaublich steilen Berg zu mir nachhause hoch, um mein Ticket für den TGV zu holen, den ich jetzt nicht benutzen konnte, jedoch umtauschen musste. In der Zwischenzeit fiel mir auf, dass ich noch viel zu wenig Schimpfwörter auf Französisch weiß, um meinem Ärger adäquat Ausdruck zu verleihen. Mein Mitbewohner wollte mir auch nicht weiterhelfen, weil man ja solche Wörter nicht sagen darf. Also griff ich auf mir bekannte Worte zurück. Wenn es denn sein muss, dann schimpf ich eben auf Deutsch und Englisch über die Bahn. Bevor ich wieder in die Stadt fuhr brachte ich noch in Erfahrung, wann ich meine Schwester stören kann, weil ich den Plan fasste, dass es besser sei nach Frankfurt zu fahren, als noch quer durch Deutschland zu cruisen. In der festen Überzeugung, dass ich vor 16.00 in Frankfurt sein sollte, ging ich also zum Bahnhof, zog mir ein kleines Ticket und wartete. In der Zwischenzeit unterhielt ich mit mit einem netten alten Mann über das Wetter, weil er nicht auf mein Schimpfen auf die Bahn eingehen wollte. Als ich dann auch irgendwann an der Reihe war, erwischte ich glücklicherweise einen sehr verständnisvollen, geduldigen Bahnangestellten, wie man ihn sich nur wünschen kann. Er ging auf all meine Sonderwünsche ein und schaute sämtliche Verbindungen nach, die man sich nur vorstellen kann. Nach ungefähr einer Stunde einigten wir uns, dass ich unmenschlich zeitig 6.13 Uhr in Tours losfahren müsse und für nur 125 Euro nach Frankfurt gelangen würde. Um einiges Geld und Zeit erleichtert erledigte ich noch einige Einkäufe, weil die Milchprodukte hier nun wirklich unschlagbar sind. Und da kam mir die Eingebung ... Ich musste zwar 16.00 in Frankfurt sein, aber nicht Mittwoch, sondern Donnerstag. Wie durcheinander kann man denn nun sein? Nach kurzer Überlegung und immer das Damoklesschwert von 6.13 Uhr über mir hängend sehend, entschied ich mich den netten Mann am Bahnhof noch einen Besuch abzustatten und alles wieder umzubuchen.
Der hat auch gleich noch eine Extraschicht für mich eingelegt. Nicht nur, dass er nachdem er seinen Schalter schon schloss mich noch drannahm. Nein, er pfiff auch auf meine Nummer, die ich zog und zog mich allen anderen vor. So stell ich mir das vor. Supi! Also suchten wir eine spätere, billigere Verbindung heraus, die mich nicht mit dem TGV, sondern mit dem Bummelzug nach Paris bringen sollte. Von Paris aus fand er eine Verbindung nach Köln mit dem Thalys für mich, die in der ersten Klasse billiger war, als in der zweiten Klasse. Da sag ich doch nicht Nein! Nur das Ticket von Köln nach Frankfurt konnten wir nicht buchen, da er meine BahnCard nicht mit berechnen konnte.
Abends haben wir noch einen kleinen Abschiedsumtrunk gestartet.
Am nächsten Morgen fuhr ich also zum Bahnhof um zu merken, dass ich nicht noch mal auf mein Ticket schaute und mein Glauben, dass mein Zug in Tours um 8.30 Uhr losfahren würde, sich als Trugschluss herausstellen würde. Mein Zug fuhr eben nicht 8.30 Uhr, sondern 8.13 Uhr. Immerhin auch eine Drei in der Zahl, aber eben nicht an der richtigen Stelle. Ich kam also 8.15 Uhr am Bahnhof an und suchte meinen Zug auf der Anzeigetafel, auf welcher ich ihn nicht fand. Meine Eingebung, auf mein Ticket zu schauen, brachte mich auch nur insofern weiter, als dass ich nun wusste, dass mein Zug vor zwei Minuten abfuhr. Was nun? Auf zum Schalter – umbuchen. Doch TGV. Auf den musste ich noch eine Stunde warten, er kam allerdings eher in Paris an, als mein eigentlicher Bummelzug. 15 Euro Lehrgeld. Demnächst besser vorher noch mal auf das Ticket schauen. Ich hab es kapiert. Aber von da an hat alles supi geklappt. Von Paris hab ich genau nix gesehen, in meinem erste Klasse Zug saßen nur Geschäftsleute um mich, denen mein Rucksack wohl eher befremdlich vorkam. Auch die Zugbegleiterin sah mich eher mit Argwohn an. Aber nicht schlimm. Immerhin gab sie mir anständig mein Menü, mein Erfrischungstuch, meine Mahlzeit und Wein! Das alles im Preis inbegriffen. Besser als im Flugzeug. Das beste war, dass nach jedem Stopp wieder jemand durchkam und einen von Neuem bediente. So kam ich zu noch mehr Wein und lauter süßen Kleinigkeiten. Lecker, lecker.

In Deutschland angekommen ging ich als erstes aus dem Bahnhof raus und fotografierte mich mit dem Kölner Dom im Hintergrund. Wie praktisch einen Hauptbahnhof direkt neben die Hauptattraktion einer Stadt zu bauen.

Als nächstes versuchte ich mein Ticket für den Nachtzug am Bahnhof zurückzugeben. Eine „freundliche“ Empfangsdame machte mich darauf aufmerksam, dass das nur online ginge, da ich das Ticket schließlich auch online kaufte und online und Schalter rein gar nichts miteinander zu tun hatten. Nach meiner Nachfrage nach dem Ticket nach Frankfurt bekam ich einen abfälligen Winker dem Automaten zu und konnte mit Fug und Recht wieder behaupten, dass die Bahn in Deutschland „bordélique“ ist. Im Zug saß eine Frau allein auf zwei Plätzen, nach meiner Frage ob der Platz neben ihr frei sei, nahm sie ihre Tasche widerwillig von meinem zukünftigen Platz und atmete tief durch. Ach wie freundlich Menschen doch sein können. Am Telefon mit ihrem Mann machte sie ihrem Unmut über volle Züge auch deutlich Ausdruck und ich fühlte mich sehr wohl neben ihr. Schräg vor mir saß ein älterer Mann, der sich unbeobachtet fühlte und in einem kleinen Pornoheft blätterte, dass er in einem anderen Hefter versteckt hielt. Und ich hatte niemand neben mir, mit dem ich dieses Ereignis teilen konnte, weil die Frau viel zu böse war um so viel wie ich lachen zu dürfen. Nachdem der ältere Mann sich dann entschied, dass er nun auf Toilette müsse, fasste ich den Entschluss, dass ich so sehr ich auch müsse, ich nicht in diesem Zug auf Toilette gehen würde.
Kaum zu glauben, aber irgendwann kam ich dann auch in Frankfurt an und erwischte auch gleich die erste S-Bahn nach Hattersheim zur Anki (meine Schwester). Dort angekommen, wusste ich, dass sie noch nicht da sein würde und so entschied ich mich zu ihr zu laufen. Immerhin saß ich nunmehr fast 11 Stunden. Wie es so sein muss, verfehlten wir uns. Aber zum Glück gab es ja einen Mr. Bell, der vor langer Zeit das Telefon erfand und irgendwer begnadigte uns weiter und schuf ein Handy.
So viel erst mal für jetzt. Die Zeit Zuhause heb ich mir für das nächste Mal auf. Ihr müsst das ja auch alles lesen.
Aber was ich gleich noch sagen wollte, ich hab mein Zimmer umdekoriert. Jetzt ist es endlich fast richtig gemütlich.





Bin noch nicht ganz fertig, aber immer mit der Ruhe.