So, jetzt wisst ihr ja schon mal, wie ich hier her kam. Gut so, also wisst ihr auch, dass ich noch immer lebe.
Ja, es ist nicht leicht, aber so ein Überlebenswillen ist doch wirklich stärker, als man zu hoffen wagt.
Nein, so schlimm ist es nicht.
Ich kam ja immerhin hier an, hatte auch schon so innerhalb von zwei Stunden mein Zimmer.
Fortschrittlicherweise darf ich sogar jeden Monat wieder in das Gebäude gehen, meine Miete bezahlen. Aber macht ja auch nichts.
Als ich dann endlich meinen Schlüssel hatte, der eher einer Lochkarte für die Arbeit gleicht, dafür aber so groß ist, wie ein Anhänger, den man am Schlüssel für eine Tankstellentoilette bekommt, musste ich meine geschätzte Tonne Gepäck meilenweit tragen. Glücklicherweise gab es aber dann doch ein mitleidiges Pärchen, das mich in seinem kleinen Auto mitnahm.
Im Wohnheim angekommen, hat sich dann auch gleich jemand gefunden, der meinen unglaublich schweren Koffer nach oben trug. Sehr hilfsbereit. Derjenige wohnt auch gleich auf meinem Gang und hat mich auf viel Bier und Schnaps eingeladen.
Dann kams: mein Zimmer. Ach du Scheiße!!! Entschuldigt meine Sprache. Aber: Ach du Scheiße!
Hier ein kleiner Rundgang. Du machst die Türe auf, hörst unglaublich lautes quietschen (das ich gerade eben beseitigt habe), schaust direkt auf ein Waschbecken. Einen Schritt weiter: Die Dusche. Jetzt kann auch die Tür geschlossen werden und man entdeckt: Den Kleiderschrank. Direkt neben dem Kleiderschrank stand mein Bett, welches ich inzwischen an einen angenehmeren Platz verfrachtet habe, weil nach dem Aufwachen in die Dusche auf viele kleine Schimmelfreunde schauen, klingt evtl. lustig, ist es aber keineswegs. Neben der Dusche stand mein Schreibtisch mit Stuhl, ein kleiner Hocker dazu.
In der Erwartung, dass hier sowieso alles superteuer ist, bin ich nach meiner Zimmerbesichtigung das wichtigste, wie eine Decke oder ein Kissen für mein Zimmer einkaufen gegangen, hab meine 1001 Sachen ausgepackt und irgendwann in der festen Überzeugung, dass ich mir am nächsten Tag ein neues Zimmer suchen werde, mehr recht, als schlecht geschlafen.
Der nächste Tag ging nicht sehr viel besser weiter, weil ich am Tag zuvor ja nur das nötigste einkaufte, konnte ich mir keinen Kaffee machen, weil ich keine Milch hatte und Essen hatte ich bis auf eine Banane und Nektarinen auch gar nichts.
Nach dem sogenannten Frühstück erkundete ich den Standort der Bushaltestelle und machte erste Bekanntschaften mit absolut waghalsigen Busfahrern.
In der Stadt angekommen, ging ich ins Rathaus und versuchte mich in die Uni einzuschreiben. Das Mädchen, dass mir dort half, fand meine Unterlagen nicht, also musste ich alles ausfüllen und noch zum internationalen Büro gehen, um meine Unterlagen zu vervollständigen. Als ich das dann alles in meinen Händen hielt, sah ich mich in der glücklichen Lage, dass ich mich nun in die Uni einschreiben konnte. Hmmh, leider hatten die ganzen Sachen am Vormittag so lang gedauert, dass das Sekretariat dafür schon wieder geschlossen war. Glücklicherweise waren aber hilfsbereite Französinnen vor Ort, die mir halfen meine Zeit zu vertreiben. Schon am Nachmittag, kurz vor 3 war ich glücklicher Eigentümer eines Studentenausweises. Was war ich stolz auf mich.
Nachdem ich die glückliche Nachricht übermittelt bekam, dass es in meinem Wohnheim kein Internet und auch keine Telefonboxen, an denen man sich sein persönliches Internet installieren kann gibt, wollte ich wenigstens das W-Lan zum laufen bringen, dass ich mit meinem PC ins Internet kann. Nach einer 20 minutigen Suche nach dem Büro, dass mir das Passwort für das Internet bereit stellen sollte, fand ich mit einer, die mir mittlerweile half heraus, dass wir ins falsche Stockwerk geschickt wurden, wir deswegen kein Büro fürs Internet finden konnten. Also, endlich angekommen, fragten sich die Menschen dort, ob das Uni W-Lan überhaupt auf einem Mac funktionieren würde, weil wir nichts zum Laufen brachten. Es stellte sich dann aber doch heraus, dass es nicht der Mac war, der die Probleme machte, sondern dass ganz einfach das W-Lan überhaupt nicht ging. Es war eine reine Pracht. Das Wohnheim stellte sich somit als das geringste Problem heraus.
09.09.07
Inzwischen habe ich mich doch ganz gut eingelebt und schon viele Menschen kennen gelernt.
Eine Finnin, die hier Medizin studiert und einen französischen Papa hat, dementsprechend zweisprachig aufgewachsen ist, die ganzen Leute auf dem Gang hier und ein Paar Erasmus Studenten. Hier auf dem Gang sind wir bis jetzt: 2 Deutsche, 2 Gabuner, 1 Mauretaner, 2 Franzosen. Es kommen noch mehr, sind aber bis jetzt noch nicht da.
Heute waren wir zu fünft im Schloss Villandry, das hier gleich 15 km von uns entfernt ist. Um die Mönche zu würdigen, hat ein spanischer Arzt, der Nobelpreisträger war, um 1900 das Schloss gekauft, vor dem Abbruch gerettet und wunderschöne Gärten anlegen lassen. Ein Teil ist nur mit Gemüse, dass auf ganz bestimmte Art und Weise gepflanzt wird, ein Teil stellt die 4 Arten der Liebe dar, dann gibt es noch einen Wasser- und einen Kräutergarten.

3 Kommentare:
habe nur die häldte verstanden-lass dir mehr zeit zum schreiben- freue mich auf weitere berichte.E
wäre schön, wenn ich die hätte.
bonjour ma petite niece,
wir bedauern dich für deinen ersten tag inständig,beneiden dich umso mehr für die gärten von villandry,
beaucoip de baisers
tante
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