In einem vereinigten Europa sollte man doch davon ausgehen können, dass so eine Fahrt von Tours nach Plauen nicht sonderlich viele Probleme aufwirft. Aber: Pustekuchen!
Nachdem mir bekannt wurde, dass in Frankreich die Lokführer am 18.10. streiken würden, hab ich mir ja noch keine Gedanken gemacht, weil am 18. mein Nachtzug Frankreich schon verlassen hätte.
Nichts Böses ahnend , kontrollierte ich also am Dienstag nachmittag vor meiner Abreise meinen e-mail Posteingang, und siehe da: die Bahn schreibt mir in einem nicht weniger schlechten Deutsch, als es manch deutsche HipHopper zu Tage legen, dass sie auf Grund des französischen Streikes leider nicht fahren können und dass ich mein Ticket an den Kundenservice zurück geben soll. Das wars.
Also musste ich den unglaublich steilen Berg zu mir nachhause hoch, um mein Ticket für den TGV zu holen, den ich jetzt nicht benutzen konnte, jedoch umtauschen musste. In der Zwischenzeit fiel mir auf, dass ich noch viel zu wenig Schimpfwörter auf Französisch weiß, um meinem Ärger adäquat Ausdruck zu verleihen. Mein Mitbewohner wollte mir auch nicht weiterhelfen, weil man ja solche Wörter nicht sagen darf. Also griff ich auf mir bekannte Worte zurück. Wenn es denn sein muss, dann schimpf ich eben auf Deutsch und Englisch über die Bahn. Bevor ich wieder in die Stadt fuhr brachte ich noch in Erfahrung, wann ich meine Schwester stören kann, weil ich den Plan fasste, dass es besser sei nach Frankfurt zu fahren, als noch quer durch Deutschland zu cruisen. In der festen Überzeugung, dass ich vor 16.00 in Frankfurt sein sollte, ging ich also zum Bahnhof, zog mir ein kleines Ticket und wartete. In der Zwischenzeit unterhielt ich mit mit einem netten alten Mann über das Wetter, weil er nicht auf mein Schimpfen auf die Bahn eingehen wollte. Als ich dann auch irgendwann an der Reihe war, erwischte ich glücklicherweise einen sehr verständnisvollen, geduldigen Bahnangestellten, wie man ihn sich nur wünschen kann. Er ging auf all meine Sonderwünsche ein und schaute sämtliche Verbindungen nach, die man sich nur vorstellen kann. Nach ungefähr einer Stunde einigten wir uns, dass ich unmenschlich zeitig 6.13 Uhr in Tours losfahren müsse und für nur 125 Euro nach Frankfurt gelangen würde. Um einiges Geld und Zeit erleichtert erledigte ich noch einige Einkäufe, weil die Milchprodukte hier nun wirklich unschlagbar sind. Und da kam mir die Eingebung ... Ich musste zwar 16.00 in Frankfurt sein, aber nicht Mittwoch, sondern Donnerstag. Wie durcheinander kann man denn nun sein? Nach kurzer Überlegung und immer das Damoklesschwert von 6.13 Uhr über mir hängend sehend, entschied ich mich den netten Mann am Bahnhof noch einen Besuch abzustatten und alles wieder umzubuchen.
Der hat auch gleich noch eine Extraschicht für mich eingelegt. Nicht nur, dass er nachdem er seinen Schalter schon schloss mich noch drannahm. Nein, er pfiff auch auf meine Nummer, die ich zog und zog mich allen anderen vor. So stell ich mir das vor. Supi! Also suchten wir eine spätere, billigere Verbindung heraus, die mich nicht mit dem TGV, sondern mit dem Bummelzug nach Paris bringen sollte. Von Paris aus fand er eine Verbindung nach Köln mit dem Thalys für mich, die in der ersten Klasse billiger war, als in der zweiten Klasse. Da sag ich doch nicht Nein! Nur das Ticket von Köln nach Frankfurt konnten wir nicht buchen, da er meine BahnCard nicht mit berechnen konnte.
Abends haben wir noch einen kleinen Abschiedsumtrunk gestartet.
Am nächsten Morgen fuhr ich also zum Bahnhof um zu merken, dass ich nicht noch mal auf mein Ticket schaute und mein Glauben, dass mein Zug in Tours um 8.30 Uhr losfahren würde, sich als Trugschluss herausstellen würde. Mein Zug fuhr eben nicht 8.30 Uhr, sondern 8.13 Uhr. Immerhin auch eine Drei in der Zahl, aber eben nicht an der richtigen Stelle. Ich kam also 8.15 Uhr am Bahnhof an und suchte meinen Zug auf der Anzeigetafel, auf welcher ich ihn nicht fand. Meine Eingebung, auf mein Ticket zu schauen, brachte mich auch nur insofern weiter, als dass ich nun wusste, dass mein Zug vor zwei Minuten abfuhr. Was nun? Auf zum Schalter – umbuchen. Doch TGV. Auf den musste ich noch eine Stunde warten, er kam allerdings eher in Paris an, als mein eigentlicher Bummelzug. 15 Euro Lehrgeld. Demnächst besser vorher noch mal auf das Ticket schauen. Ich hab es kapiert. Aber von da an hat alles supi geklappt. Von Paris hab ich genau nix gesehen, in meinem erste Klasse Zug saßen nur Geschäftsleute um mich, denen mein Rucksack wohl eher befremdlich vorkam. Auch die Zugbegleiterin sah mich eher mit Argwohn an. Aber nicht schlimm. Immerhin gab sie mir anständig mein Menü, mein Erfrischungstuch, meine Mahlzeit und Wein! Das alles im Preis inbegriffen. Besser als im Flugzeug. Das beste war, dass nach jedem Stopp wieder jemand durchkam und einen von Neuem bediente. So kam ich zu noch mehr Wein und lauter süßen Kleinigkeiten. Lecker, lecker.
In Deutschland angekommen ging ich als erstes aus dem Bahnhof raus und fotografierte mich mit dem Kölner Dom im Hintergrund. Wie praktisch einen Hauptbahnhof direkt neben die Hauptattraktion einer Stadt zu bauen.
Als nächstes versuchte ich mein Ticket für den Nachtzug am Bahnhof zurückzugeben. Eine „freundliche“ Empfangsdame machte mich darauf aufmerksam, dass das nur online ginge, da ich das Ticket schließlich auch online kaufte und online und Schalter rein gar nichts miteinander zu tun hatten. Nach meiner Nachfrage nach dem Ticket nach Frankfurt bekam ich einen abfälligen Winker dem Automaten zu und konnte mit Fug und Recht wieder behaupten, dass die Bahn in Deutschland „bordélique“ ist. Im Zug saß eine Frau allein auf zwei Plätzen, nach meiner Frage ob der Platz neben ihr frei sei, nahm sie ihre Tasche widerwillig von meinem zukünftigen Platz und atmete tief durch. Ach wie freundlich Menschen doch sein können. Am Telefon mit ihrem Mann machte sie ihrem Unmut über volle Züge auch deutlich Ausdruck und ich fühlte mich sehr wohl neben ihr. Schräg vor mir saß ein älterer Mann, der sich unbeobachtet fühlte und in einem kleinen Pornoheft blätterte, dass er in einem anderen Hefter versteckt hielt. Und ich hatte niemand neben mir, mit dem ich dieses Ereignis teilen konnte, weil die Frau viel zu böse war um so viel wie ich lachen zu dürfen. Nachdem der ältere Mann sich dann entschied, dass er nun auf Toilette müsse, fasste ich den Entschluss, dass ich so sehr ich auch müsse, ich nicht in diesem Zug auf Toilette gehen würde.
Kaum zu glauben, aber irgendwann kam ich dann auch in Frankfurt an und erwischte auch gleich die erste S-Bahn nach Hattersheim zur Anki (meine Schwester). Dort angekommen, wusste ich, dass sie noch nicht da sein würde und so entschied ich mich zu ihr zu laufen. Immerhin saß ich nunmehr fast 11 Stunden. Wie es so sein muss, verfehlten wir uns. Aber zum Glück gab es ja einen Mr. Bell, der vor langer Zeit das Telefon erfand und irgendwer begnadigte uns weiter und schuf ein Handy.
So viel erst mal für jetzt. Die Zeit Zuhause heb ich mir für das nächste Mal auf. Ihr müsst das ja auch alles lesen.
Aber was ich gleich noch sagen wollte, ich hab mein Zimmer umdekoriert. Jetzt ist es endlich fast richtig gemütlich.
Bin noch nicht ganz fertig, aber immer mit der Ruhe.

2 Kommentare:
na meine maus jetzt sieht es doch wirklich gemütlicher bei dir aus. mam
Mensch du bist ja echt der absolute Dekoheld! Ist echt schön geworden.Schönen Sonntag noch.
Liebe Grüße und Schmatz A&B (Schwesterlein)
Kommentar veröffentlichen