Neuigkeiten müssen ja schliesslich unter die Menschen gebracht werden.
Hatte mein Familienwochenende.
War auch alles, was ich mir vorher wünschte. Ein Bett, in dem man nicht ständig Angst haben muss hinauszufallen.
Ein Bad, ganz für mich allein. Sogar mit Toilettenbrille. Das muss man sich erst mal vorstellen, wie viel Glück ein Mensch haben kann. Eine Couch in der Wohnstube, die wohlgemerkt vor einem wohlgeheizten Kamin stand. Ein Fernseher, der sogar deutsches Fernsehen übertragen konnte, wenn man es denn hätte schauen wollen. Und als wäre das alles noch nicht genug, bekam ich sogar zwei ganz liebe Menschen, die sich rührend um mich kümmerten.
Auch wenn ich jetzt die meisten von euch schocken werde, die meisten, weil manche es schon wissen, ich muss jetzt was gestehen.
Ich esse hier in Frankreich wieder Fleisch. Hmmh, stimmt.
Irgendwie geht es hier nicht so wirklich ohne. Zu Frankreich gehört das Essen ja, wie zu keinem anderen Land. Und Frankreich ist anscheinend ganz weit vorn im Fleischessen. Also hab ich mit meinem Gewissen gesprochen und wir machten uns aus, dass es wohl sowohl freundlich als auch sehr weltoffen wäre, wenn ich wenigstens jede Spezialität, die mir vorgesetzt koste.
Das mach ich jetzt also auch. Soll heißen, dass ich in der Mensa nach wie vor davon absehe die Abscheulichkeiten zu essen, die die so mit Fleisch haben, weil es A sowieso keinem schmeckt, wie ich so in den Gesichtern lese und B nicht französisch ist.
So aß ich heute Mittag zum Beispiel Gemüse (wohlgemerkt wieder ohne Gewürz) mit Fisch (den ich glaub schon seit Wochen hier bekomme und Baguette. Die mit einem Klops gefüllte Frühlingsrolle und den mit Rindfleisch gespickten Reis hab ich dann doch lieber außen vor gelassen. Man muss es jetzt ja auch wirklich nicht übertreiben.
Aber dieses Wochenende hab ich dann doch wohl schon ordentlich zugelangt. So eine Völlerei hab ich schon seit Monaten nicht mehr gehabt. Und: ich fand es gut.
Freitag, 12. Oktober fuhr ich also nach Orleans (ja, das mit der Johanna) und wurde am Bahnhof von der Marianne abgeholt. Als wir dann zu ihr kamen, gab es gleich Mittag. Jippie!
Es gab Coq au vin mit Kartoffelauflauf, danach Käse und danach dann selbst gemachten Flan. Sehr französisch! Sehr lecker! Nachmittags legten Francois und ich uns etwas in die Sonne und hielten eine kleine Siesta francaise ab. Danach gingen wir an einem Nebenfluss der Loire, der Loiret, spazieren.
Nachdem wir wieder heim kamen, spielten wir Brettspiele. Auch das erste Mal, dass ich das hier wieder tat. Abends aßen wir dann eher Deutsch zu Abendbrot, weil wir ja wirklich viel zum Mittag hatten. Sozusagen schon mal das volle Verwöhnprogramm. Und dann: auf der Couch sitzen und fernsehen. Mal nicht auf einem harten Stuhl oder im Bett sitzen. Kaum zum aushalten. Plus dann noch schlafen in einem richtigen Bett. Samstag haben wir ganz ruhig angehen lassen und erst mal ein bisschen gefrühstückt. Danach lasen Francois und ich Zeitungen, während Marianne sich ans Mittag kochen machte. Natürlich war ich auch ein guter Gast und fragte immer nach, ob ich helfen könne. Dem war aber nie der Fall. Also las ich auch weiter.
Zum Mittag gab es Kaninchen mit französischer Senfsoße, dann wieder Käse und danach eine selbst gemachte Mousse au chocolat. Wie lecker.
Nachmittags gingen Marianne und ich dann in die Stadt um ein bisschen Orleans zu bestaunen und uns zu fragen, wie viele Schuhe die Franzosen eigentlich brauchen. Jetzt mal ehrlich. So viele Schuhgeschäfte auf einen Haufen gibt es in Deutschland nicht. Aber hier gibt es im allgemeinen meiner Meinung nach sowieso viel mehr Geschäfte, als bei uns. Wie genau die sich jetzt am Leben erhalten weiß ich jetzt auch nicht, aber soll mir ja auch egal sein.
Waren aber auch an historischen Stätten: in der Kathedrale, dem Museum der Jeanne d'Arc und an ihrer Statue.
Erledigten dann noch ein paar kleinere Einkäufe und gingen wieder heim. Da schauten wir wieder fern und aßen lecker zu Abend. Es gab foi gras – Gänseleberpastete – die französische Spezialität schlechthin, danach aßen wir Ravioli, nicht ganz landestypisch, dafür aber lecker und zum Nachtisch gab es eine kleine Zusammenstellung kleiner Küchlein vom Bäcker. Wie man also sehen kann. Essen, Essen, Essen.
Sonntag morgen fuhr ich dann wieder nach Tours, weil ich ja das Fahrradrennen sehen wollte. Musste deswegen gleich mal vier Kilometer nachhause laufen, weil die Busse nicht normal fuhren und ich mir ja auch die Strecke anschauen musste.
Nachmittag war also das Rennen. Ist jetzt nicht so spektakulär, weil die ja innerhalb einer Sekunde alle an einem vorbei sind. Dafür kann man hinterher die Busse der Fahrer belagern. So bekam ich auch Erik Zabel vor die Linse. Das ist doch mal was. Auf jeden Fall. Fand ich gut.





So, das war jetzt mein Wochenende. Jetzt bleibt mir nur noch zu warten, dass endlich Mittwoch ist und ich in den Zug steigen kann und die dann auch alle fahren. Dann ist alles gut.

1 Kommentar:
Vergiß bloß das Rezept für die Mousse au chocolat nicht :-)
Dicken Knutsch Dein Schwesterlein
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