Tours jetzt also.
Wer hätte gedacht, das zwei Menschen gar nicht mal schlecht in einem 80cm breiten Bett schlafen können. Besonders, wenn vorher für jeden mindestens genauso viel Platz vorhanden war. Ja, es ging.
Da man im Wohnheim einer Universität davon ausgehen, dass dort ganz viele kleine Kinder wohnen, hatten wir letzte Woche das unglaubliche Glück, dass die Direktion mit den Putzfrauen durch alle Zimmer ging und schaute, ob wir auch keine Waschmaschinen, eigene Kühlschränke Heizlüfter oder sogar alles zusammen beherbergen. Da hier Besuch genauso wenig wie warme Zimmer erlaubt sind, musste ich zunächst einmal herausfinden, wann mein Zimmer unter die Lupe genommen werden sollte. Dann ging ich zu Chantal, unsere Putzfrau und gute Seele und sagte ihr Bescheid, dass ich vielleicht Besuch in meinem Zimmer habe. Darauf sagte sie mir genau, wann sie vorbei kommen wird und somit konnte ich dafür sorgen, dass ich auf keinen Fall in diesem Moment Besuch habe. Mit solchen schönen Sachen schlage ich mich hier rum.
Das ist aber noch nicht das Ende der « ihr seid kleine Kinder » Fahnenstange.
So wird zum Beispiel immer nachgeschaut, dass auch jeder fein seinen Abwasch, Putzdienst erledigt. Letzte Woche fand eine kleine Party von dem Wohnheim aus statt. Unglaublicherweise durften wir uns mit Vitamin C betrinken. Es gab nämlich Saft. Aber sie waren auch so frei uns Kekse dazu anzubieten. Und da wir ja auch noch junge Hüpfer sind und ausnahmsweise mal länger aufbleiben durften, ging die Fete auch bis 23.00 Uhr. Ja, um elf!!!
Heute hat der Xavier seinen Schlüssel mal wieder in seinem Zimmer eingesperrt. Also musste er in der Loge anrufen und jemand kommen lassen, der ihm aufsperrte. Die nette Dame hat ihm dann auch gleich unmissverständlich klar gemacht, dass dies schon das zweite Mal war und das nächste Mal darf er sich beim Direktor vorstellen. Das Beste daran ist, dass wenn das nächste Mal er des Nächtens seinen Schlüssel verliert, er dann da er Wiederholungstäter ist, mindestens zwei Stunden warten muss.
Ich würde ja gerne mal wissen, was passiert, wenn man zum Direktor muss. Kann mir vorstellen, dass man entweder den Hintern ausgeklopft bekommt oder 100x schreiben muss: « ich werde immer an meinen Schlüssel denken » Ich werde wohl oder übel anfangen müssen meinen Schlüssel auch mal einzusperren, nur um zu sehen, was passiert.
Ja, wenn man sich hier nicht jung fühlt, wo dann?
Mittwoch musste Ulf dann wieder weg.
Kurzentschlossen und jung wie ich bin, fuhr ich einfach noch mal mit nach Paris. Immerhin hatten wir das ganze Wochenende Metrogebühren gespart. Die beliefen sich auf mehr Kosten, als eine Fahrt nach Paris und zurück.
Nachdem ich dann schweren Herzens wieder Abschied nahm, nutzte ich meine Zeit gleich noch mal ein bisschen um in Paris herumzuschlendern. Und schon wieder sah ich ganz neue Plätze. Aber nicht, weil ich an neuen Plätzen war, sondern weil es diesmal hell war. Da war doch auf einmal eine ganz schön große Kirche neben les Halles, die mir vorher noch nie auffiel.
Verantwortungsbewusst wie ich bin, wollte ich mir noch ein Paar Winterschuhe kaufen. Leider glichen diese eher Booten, als Schuhen und so ließ ich davon ab. Meine Vernunft ließ mich dann auch nicht die schönsten Schuhe kaufen, die mir am Besten gefielen. Diese waren nämlich dünner als die eine oder die andere von den Olsen Zwillingen. Also nix aber auch rein gar nix für den Winter. Ach, ich pass gar nicht hier in das Wohnheim, erwachsen wie ich bin.
Auf dem Weg zum Bahnhof gönnte ich mir gleich noch eine Kugel Lebkucheneis, immerhin befand ich mich in Trauer.
Am Bahnhof angekommen machte ich dann gleich die nächste Dummheit. Ich zog meine EC-Karte aus dem Automaten, während ich bezahlte. Das hatte zur Folge, dass die Automaten meine Karte nicht mehr akzeptieren wollten. Dies wiederum führte dazu, dass ich zum Schalter musste. Und wie wir uns erinnern ... richtig: Streik. Also waren 4 von 30 Schaltern geöffnet und an mindestens zweien planten die schlauen Menschen eine Weltreise. Also stand ich fast eine Stunde an um in einer Minute mein Ticket zu kaufen und dann in den vollsten Zug zu steigen, den ich seit meinem Urlaub in der Hohen Tatra in der Quengelbahn erlebte.
Aber das ließ mich auch nicht aus der Ruhe bringen. Immerhin kam ich ja vom Fleck. Kein Problem also.
Hah, heute war ich im Douglas, weil ich nicht mehr gut riechen kann. Ich überlegte mir, dass es wieder Zeit sei für Joop Sport. Also ging ich 1x, 2x, 3x durch und sah es nicht. Komischerweise sah ich gar nix von Joop. Und .... Überraschung: Joop, davon haben die hier noch nie was gehört. Also jetzt schlägts wirklich 13. Joop. Ich weiß, ist ein Deutscher, aber JOOP. Nach dem Schock war ich gleich gar nicht in der Lage mir noch was anderes auszusuchen. Muss wohl morgen mal zurück und auf was französisches wie Chanel oder Gaultier zurück greifen.
Dienstag, 27. November 2007
Samstag, 24. November 2007
Paris oder STREIK, STREIK, STREIK
Wie schon angekündigt, nun die Geschichte (eine wahre, wenn auch unglaubliche) von Paris.
Diese sollte eigentlich mit dem Donnerstag und einer entspannten Zugfahrt und einem Wiedersehen mit Ulla in der Stadt der Liebe beginnen.
Aber wenn ein Satz schon entspannte Zugfahrt enthält, kann man ahnen, dass da was faul ist.
Ganz speziell, da ich mich sozusagen in der Mutter des Streikes befinde.
Also nix mit Donnerstag fahre ich nach Paris.
Es geht Montag los.
Ja, Montag.
Da kam mir nämlich das Wort Generalstreik das erste Mal unter die Ohren. Soll heißen, dass ab mindestens Donnerstag die Bahn macht was sie will. Ungläubig schnappe ich mir meinen Laptop um meinen Freund das Internet zu befragen. Dieser erzählt mir dann, dass nicht Donnerstag, sondern Dienstag Abend 20h00 die magische Streikgrenze ist. Soll heißen, dass kein Zug von Dienstag Abend an mehr garantiert ist. Was tun?
Ich schnappe mir also mein Fahrrad und auf zum Bahnhof. Die können mir nur sagen, dass sie immer abends ab 18h00 wissen, welche Züge am nächsten Tag fahren werden. Kann also sein, dass man abends gesagt bekommt, dass vier am Tag nach Paris fahren oder auch keiner.
Supersicher also alles.
Ich dachte mir, dass ich ganz schlau bin und zunächst erst mal schaue, wann ich loskann und dann zu meiner Freundin nach Paris fahre und von ihr aus dann zu dem Treffpunkt, an den Ulf kommt, fahre. Die Manja erreichte ich dann auch noch Montag Abend und wir befanden beide das es wohl das Beste wäre, wenn ich schon Dienstag zu ihr komme, das wir vor dem Streik bei ihr sind, da sie nicht in Paris wohnt, sondern 25km außerhalb. Gesagt, getan. Ich fuhr nach Paris. Dienstag oder Donnerstag ist ja jetzt eigentlich auch das Gleiche. Und immerhin ich hab endlich mal Manja besucht. Noch vor unserem Auslandsaufenthalt machten wir uns aus, dass wir uns gegenseitig besuchen müssten und hatten es bis dahin nicht geschafft. Traurig so was.
Also: mit Manja in Lognes angekommen werden wir gleich mal freundlich von einem kleinen Regenguss empfangen. Wie freundlich. Aber nicht schlimm. Hauptsache wir sind da.
Mittwoch erfahren wir dann, was Generalstreik bedeutet. Es geht gar nix. Die RER-Stadion bei Manja ist gar nicht erst offen. Die Franzosen, mit denen wir unseren Abend verbrachten waren auch erstaunlich negativ eingestellt und davon überzeugt, dass wir von nun an Wochen in Lognes festsitzen würden. Wir immer fröhlichen und positiven Deutschen gingen dann doch eher mit einer: „Och, das wird schon!“ Einstellung an die ganze Angelegenheit ran. Immerhin haben wir Mittwoch Abend den Franzosen dort unsere Vorstellung von einem Raclette beigebracht, da es hier wohl gar nicht üblich andere Speisen als den Käse mit zu erwärmen. Sie befanden dann aber auch, dass unsere Art zu essen eigentlich ganz lecker sei. Recht haben sie!
Donnerstag dann: der Tag der Entscheidung! Ulf kam 18:10 auf dem Flughafen an und ich hatte vor schon vor ihm im Hotel zu sein und ihn dann an der nächsten Metrohaltestelle abzuholen.
Also sind wir auf 15:00 bei Manja los um in den Nachbarort zu laufen, weil von dort aus ein Bus fahren sollte, der einen zu einem Bahnhof bringt, der tatsächlich funktionierende Züge abfertigt. Auf unserem Weg fiel uns dann auf, dass die RER-Station, die noch am Vormittag geschlossen war jetzt seine Pforten für uns geöffnet hatte. Wir also jubelnd dorthin. Es hat auch nur eine dreiviertel Stunde gedauert, bis der erste Zug aus der gegenüberliegenden Richtung kam. Nebenbei haben wir immer noch die Streikhotline angerufen um zu erfahren, wie viele RER denn so fahren. Diese Ansage variierte zwischen einem von fünf Zügen bis quasi null. Also auch nicht sonderlich aussagekräftig. Als uns dann nach zwei Stunden der nächste Zug aus der Gegenrichtung entgegen kam, zweifelten wir doch an unserer Theorie, dass die Bahnen nicht verloren gehen würden.
Nach fast drei Stunden haben wir schon jegliche Hoffnung verschwinden sehen und gefroren wie verrückt. Die Szene fand nämlich unter dem Gefrierpunkt statt. Als wir dann auch fertig waren wieder zu gehen und einen Freund von Manja, der Nachts noch nach Paris reinfahren wollte zu fragen kam die rettende Nachricht von einem ankommenden Zug. Jipppieee!!! Durchgefroren und Manja unsagbar dankbar, dass sie die ganze Zeit mit mir ausharrte, stieg ich in die S-Bahn, die nicht nur fuhr, sondern auch warm war. Ich sollte also noch vor Ulf ankommen, wenn auch nur 10 Minuten. Wer hätte das gedacht.
Glücklicherweise war meine Umsteigestelle in die Metro auch an einer Endhaltestelle, so dass ich sogar darin noch einen Platz hatte. Als diese dann losfuhr und einige anfingen zu klatschen, konnte ich mir auch eine Vorstellung davon machen, wie lange diese Metro wohl schon stand.
Immerhin sind die Pariser nicht für ihren überschwänglichen Enthusiasmus bekannt.
Von Station zu Station wurde es dann auch immer kuscheliger, so dass ich mich dann endlich an der Station an der auch Ulf aussteigen sollte dafür entschied gleich dort auf ihn zu warten.
Jetzt folgt also diese unglaubliche Wiedersehensszene in der Stadt der Liebe. In der Metrostation. ....
Das bleibt jetzt also geheim.
Gemeinsam suchten wir dann unser Hotel, dass sich tatsächlich in unmittelbarer Nähe zu Sacré Cœur und dem Moulin rouge befand. Nachdem wir unser kleines Zimmerchen bezogen machten wir uns gleich mal zu einem Supermarkt auf und kauften uns einige Leckereien um ein kleines Picknick auf unserem Bett machen zu können. Zumindest am ersten Abend wollten wir uns verantwortungsbewusst verhalten und möglichst viel Geld sparen. Das war auch der Hauptgrund dafür, dass wir die Seilbahn hinauf zu Sacré Cœur nicht nutzten. Naja vielleicht auch, weil wir doch noch gut in der Lage waren zu laufen. Angekommen auf unserem Berg bot uns nicht nur die Sacré Cœur da, sondern auch die Stadt lag zu unseren Füßen. Gut gemacht.

Im Prinzip könnte ich jetzt aufschreiben, was wir alles sahen, aber das wäre doch eine furchtbar lange Geschichte. Also hier die Listenform und danach kleine Episoden.
Donnerstag: Sacré Cœur, Moulin Rouge und Pigalle (die Mausefalle jetzt)
Freitag: Arc de Triomphe,
Champs-Élysées, Grand Palais, Petit Palais, Obelisque,

Tuleriengarten, Louvre,


Palais Royal, Pont Neuf (die älteste Brücke Paris'), Notre Dame, Ile Saint-Louis, das Rathaus, Centre Georges Pompidou,

Les Halles, Eiffelturm




Samstag: Kirche St. Sulpice, Invaliden inclusive dem unglaublich großen Sarg von kleinen Napoleon,

das Armee Museum, Jardin du Luxembourg,

Panthéon,

Sorbonne, eine kleine Bootsfahrt auf der Seine
Sonntag: Der Friedhof von Montparnasse, Place de la Repulbique, Place des Vosges, Place de la Bastille

Einiges also. Das alles haben wir größtenteils per pedes erledigt, weil die Metro bekanntlich nicht das verlässlichste Verkehrsmittel war. So fuhren wir immer zu unserem Ausgangspunkt mit der Metro und dann noch, wenn uns mal so war. Und wer sollte es glauben, so ein Streik hat auch seine guten Seiten. So war die Metro zum Beispiel das ganze Wochenende kostenlos für uns. Auch nicht schlecht.
Um uns bei Laune zu halten, ließen wir es uns nicht nehmen die ganzen empfohlenen Köstlichkeiten aus dem Reiseführer zu kosten. So kamen wir zum Beispiel in den Genuss von Lebkucheneis. Wie lecker. Beinahe hätten wir uns auch eine heiße Schokolade zu kaufen, die eigentlich schon fast Pudding gleich kam. Da diese dann aber fünf Euro kostete, sahen wir vom Kauf ab und leisteten uns von dem gesparten Geld lieber noch zwei kleine Portionen von vorzüglichem Eis. Heiße Schokolade tranken wir trotzdem zu Genüge. Es war nämlich Hundekalt und wir mussten uns ja auch von Zeit zu Zeit aufwärmen. Verständlich oder.
Samstag war ja auch unser dritter Jahrestag. Ja, wir feierten unseren dritten Jahrestag in Paris und nein, ich weiß nicht genau, wie wir den vierten dann topen wollen. Nehmen aber auf jeden Fall großzügige Spenden an.
Um unsere drei Jahre zu feiern gingen wir abends oder besser schon fast nachts um elf jüdisch essen. Sehr lecker.
Wie man so sieht, leisteten wir uns allerlei Leckereien und sparten auch sonst nur selten. So fuhren wir auch mit dem Aufzug auf den Eiffelturm. Deswegen und auch weil wir so spät dort waren, dass die Treppen nicht mehr geöffnet waren. Als wir nach einem langen Spaziergang am Eiffelturm ankamen, schaltete sich auch gerade seine Glitzerbeleuchtung ein und die ganzen Verrückten auf dem Turm klatschten stürmisch Beifall.
Wie kitschig, aber schön. Auch wenn uns die Kälte den gesamten Tag peinigte erlaubte sie uns doch auch ganz weit sehen zu können. Da war einem doch gleich warm ums Herz.
Insgesamt verbrachten wir also ein unglaublich schönes und entspanntes Wochenende in Paris. Der Streik hatte wohl auch zur Folge, dass sich nicht so viele Leute wie sonst in der Stadt befanden. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, dass die Stadt überhaupt nicht hektisch sei.
Sonntag fuhren wir dann zunächst zum Bahnhof um herauszufinden, wann wir nach Tours fahren könnten. Wir entschieden uns dann den letzten TGV am Abend zu nehmen. Dafür konnte man dann aber kein Ticket kaufen, weil das wohl nur direkt vor der Abfahrt ging. Wir schlossen dann also unsere Rucksäcke ein und machten uns auf unseren letzten Tag Erkundungstour durch Paris auf. Eine Stunde bevor der Zug abfuhr sind wir dann los und wollten die Paar Stationen zum Bahnhof fahren. In der Metrostation angekommen sagte uns die Anzeige, dass der nächste Zug wohl in 15 Minuten kommen würde. Da war uns schon klar, dass das alles wohl ziemlich knapp werden würde. Als die Metro dann kam, war die auch sehr sehr gut gefüllt und wir spielten mal wieder Sardinen. In Montparnasse (dem Bahnhof also) rannten wir dann furchtbar schnell um dann doch zu spät zu unserem Zug zu kommen. Soll heißen er stand noch da, wir durften aber nicht mehr einsteigen. Wie fein. Das wars. Noch eine Nacht in Paris. Aber wo? Ich rief also wieder Manja an, die mir dann prompt Internetauskunft gab. So fanden wir nach einigem Hin und Her heraus, dass am anderen Bahnhof noch ein Zug um kurz vor elf fahren würde. Noch mal gerettet. Also quetschten wir uns wieder in die Metro und fuhren zum nächsten Bahnhof. Dort angekommen kauften wir uns Tickets für unseren Zug und noch ein paar Cracker um noch Abendbrot zu essen.

Mit dem Zug sollten wir sogar noch den letzten Nachtbus in Tours erwischen, wenn wir ganz schnell rennen würden.
Diese Hoffnungen zerschlugen sich allerdings, als der Zug kurz vor Tours aufgrund von Sicherheitsproblemen alle fünf Meter 10 Minuten hielt. Der letzte Nachtbus hier in Tours fährt um eins und wir waren dann endlich kurz nach halb zwei in Tours. Naja, immerhin fanden wir noch eine Bar, die uns noch ein Bier verkaufte. Und ich war soweit. Ich trank auch Bier. Bis dahin zumeist ablehnend lief das Bier doch runter wie Öl und ich fragte mich, warum ich nicht schon immer Bier trank.
Das gesamte Wochenende an Laufen gewöhnt, nahmen wir also unsere Beine in die Hände und liefen zu mir. Brauchten auch nur eine Stunde und immerhin regnete es ausnahmsweise mal nicht.
Den Rest des Besuches von Ulf gibt es dann das nächste Mal. Hattet ja immerhin genug zu lesen. Tut mir leid, wenn es zu viel sein sollte.
Diese sollte eigentlich mit dem Donnerstag und einer entspannten Zugfahrt und einem Wiedersehen mit Ulla in der Stadt der Liebe beginnen.
Aber wenn ein Satz schon entspannte Zugfahrt enthält, kann man ahnen, dass da was faul ist.
Ganz speziell, da ich mich sozusagen in der Mutter des Streikes befinde.
Also nix mit Donnerstag fahre ich nach Paris.
Es geht Montag los.
Ja, Montag.
Da kam mir nämlich das Wort Generalstreik das erste Mal unter die Ohren. Soll heißen, dass ab mindestens Donnerstag die Bahn macht was sie will. Ungläubig schnappe ich mir meinen Laptop um meinen Freund das Internet zu befragen. Dieser erzählt mir dann, dass nicht Donnerstag, sondern Dienstag Abend 20h00 die magische Streikgrenze ist. Soll heißen, dass kein Zug von Dienstag Abend an mehr garantiert ist. Was tun?
Ich schnappe mir also mein Fahrrad und auf zum Bahnhof. Die können mir nur sagen, dass sie immer abends ab 18h00 wissen, welche Züge am nächsten Tag fahren werden. Kann also sein, dass man abends gesagt bekommt, dass vier am Tag nach Paris fahren oder auch keiner.
Supersicher also alles.
Ich dachte mir, dass ich ganz schlau bin und zunächst erst mal schaue, wann ich loskann und dann zu meiner Freundin nach Paris fahre und von ihr aus dann zu dem Treffpunkt, an den Ulf kommt, fahre. Die Manja erreichte ich dann auch noch Montag Abend und wir befanden beide das es wohl das Beste wäre, wenn ich schon Dienstag zu ihr komme, das wir vor dem Streik bei ihr sind, da sie nicht in Paris wohnt, sondern 25km außerhalb. Gesagt, getan. Ich fuhr nach Paris. Dienstag oder Donnerstag ist ja jetzt eigentlich auch das Gleiche. Und immerhin ich hab endlich mal Manja besucht. Noch vor unserem Auslandsaufenthalt machten wir uns aus, dass wir uns gegenseitig besuchen müssten und hatten es bis dahin nicht geschafft. Traurig so was.
Also: mit Manja in Lognes angekommen werden wir gleich mal freundlich von einem kleinen Regenguss empfangen. Wie freundlich. Aber nicht schlimm. Hauptsache wir sind da.
Mittwoch erfahren wir dann, was Generalstreik bedeutet. Es geht gar nix. Die RER-Stadion bei Manja ist gar nicht erst offen. Die Franzosen, mit denen wir unseren Abend verbrachten waren auch erstaunlich negativ eingestellt und davon überzeugt, dass wir von nun an Wochen in Lognes festsitzen würden. Wir immer fröhlichen und positiven Deutschen gingen dann doch eher mit einer: „Och, das wird schon!“ Einstellung an die ganze Angelegenheit ran. Immerhin haben wir Mittwoch Abend den Franzosen dort unsere Vorstellung von einem Raclette beigebracht, da es hier wohl gar nicht üblich andere Speisen als den Käse mit zu erwärmen. Sie befanden dann aber auch, dass unsere Art zu essen eigentlich ganz lecker sei. Recht haben sie!
Donnerstag dann: der Tag der Entscheidung! Ulf kam 18:10 auf dem Flughafen an und ich hatte vor schon vor ihm im Hotel zu sein und ihn dann an der nächsten Metrohaltestelle abzuholen.
Also sind wir auf 15:00 bei Manja los um in den Nachbarort zu laufen, weil von dort aus ein Bus fahren sollte, der einen zu einem Bahnhof bringt, der tatsächlich funktionierende Züge abfertigt. Auf unserem Weg fiel uns dann auf, dass die RER-Station, die noch am Vormittag geschlossen war jetzt seine Pforten für uns geöffnet hatte. Wir also jubelnd dorthin. Es hat auch nur eine dreiviertel Stunde gedauert, bis der erste Zug aus der gegenüberliegenden Richtung kam. Nebenbei haben wir immer noch die Streikhotline angerufen um zu erfahren, wie viele RER denn so fahren. Diese Ansage variierte zwischen einem von fünf Zügen bis quasi null. Also auch nicht sonderlich aussagekräftig. Als uns dann nach zwei Stunden der nächste Zug aus der Gegenrichtung entgegen kam, zweifelten wir doch an unserer Theorie, dass die Bahnen nicht verloren gehen würden.
Nach fast drei Stunden haben wir schon jegliche Hoffnung verschwinden sehen und gefroren wie verrückt. Die Szene fand nämlich unter dem Gefrierpunkt statt. Als wir dann auch fertig waren wieder zu gehen und einen Freund von Manja, der Nachts noch nach Paris reinfahren wollte zu fragen kam die rettende Nachricht von einem ankommenden Zug. Jipppieee!!! Durchgefroren und Manja unsagbar dankbar, dass sie die ganze Zeit mit mir ausharrte, stieg ich in die S-Bahn, die nicht nur fuhr, sondern auch warm war. Ich sollte also noch vor Ulf ankommen, wenn auch nur 10 Minuten. Wer hätte das gedacht.
Glücklicherweise war meine Umsteigestelle in die Metro auch an einer Endhaltestelle, so dass ich sogar darin noch einen Platz hatte. Als diese dann losfuhr und einige anfingen zu klatschen, konnte ich mir auch eine Vorstellung davon machen, wie lange diese Metro wohl schon stand.
Immerhin sind die Pariser nicht für ihren überschwänglichen Enthusiasmus bekannt.
Von Station zu Station wurde es dann auch immer kuscheliger, so dass ich mich dann endlich an der Station an der auch Ulf aussteigen sollte dafür entschied gleich dort auf ihn zu warten.
Jetzt folgt also diese unglaubliche Wiedersehensszene in der Stadt der Liebe. In der Metrostation. ....
Das bleibt jetzt also geheim.
Gemeinsam suchten wir dann unser Hotel, dass sich tatsächlich in unmittelbarer Nähe zu Sacré Cœur und dem Moulin rouge befand. Nachdem wir unser kleines Zimmerchen bezogen machten wir uns gleich mal zu einem Supermarkt auf und kauften uns einige Leckereien um ein kleines Picknick auf unserem Bett machen zu können. Zumindest am ersten Abend wollten wir uns verantwortungsbewusst verhalten und möglichst viel Geld sparen. Das war auch der Hauptgrund dafür, dass wir die Seilbahn hinauf zu Sacré Cœur nicht nutzten. Naja vielleicht auch, weil wir doch noch gut in der Lage waren zu laufen. Angekommen auf unserem Berg bot uns nicht nur die Sacré Cœur da, sondern auch die Stadt lag zu unseren Füßen. Gut gemacht.
Im Prinzip könnte ich jetzt aufschreiben, was wir alles sahen, aber das wäre doch eine furchtbar lange Geschichte. Also hier die Listenform und danach kleine Episoden.
Donnerstag: Sacré Cœur, Moulin Rouge und Pigalle (die Mausefalle jetzt)
Freitag: Arc de Triomphe,
Champs-Élysées, Grand Palais, Petit Palais, Obelisque,
Tuleriengarten, Louvre,
Palais Royal, Pont Neuf (die älteste Brücke Paris'), Notre Dame, Ile Saint-Louis, das Rathaus, Centre Georges Pompidou,
Les Halles, Eiffelturm
Samstag: Kirche St. Sulpice, Invaliden inclusive dem unglaublich großen Sarg von kleinen Napoleon,
das Armee Museum, Jardin du Luxembourg,
Panthéon,
Sorbonne, eine kleine Bootsfahrt auf der Seine
Sonntag: Der Friedhof von Montparnasse, Place de la Repulbique, Place des Vosges, Place de la Bastille
Einiges also. Das alles haben wir größtenteils per pedes erledigt, weil die Metro bekanntlich nicht das verlässlichste Verkehrsmittel war. So fuhren wir immer zu unserem Ausgangspunkt mit der Metro und dann noch, wenn uns mal so war. Und wer sollte es glauben, so ein Streik hat auch seine guten Seiten. So war die Metro zum Beispiel das ganze Wochenende kostenlos für uns. Auch nicht schlecht.
Um uns bei Laune zu halten, ließen wir es uns nicht nehmen die ganzen empfohlenen Köstlichkeiten aus dem Reiseführer zu kosten. So kamen wir zum Beispiel in den Genuss von Lebkucheneis. Wie lecker. Beinahe hätten wir uns auch eine heiße Schokolade zu kaufen, die eigentlich schon fast Pudding gleich kam. Da diese dann aber fünf Euro kostete, sahen wir vom Kauf ab und leisteten uns von dem gesparten Geld lieber noch zwei kleine Portionen von vorzüglichem Eis. Heiße Schokolade tranken wir trotzdem zu Genüge. Es war nämlich Hundekalt und wir mussten uns ja auch von Zeit zu Zeit aufwärmen. Verständlich oder.
Samstag war ja auch unser dritter Jahrestag. Ja, wir feierten unseren dritten Jahrestag in Paris und nein, ich weiß nicht genau, wie wir den vierten dann topen wollen. Nehmen aber auf jeden Fall großzügige Spenden an.
Um unsere drei Jahre zu feiern gingen wir abends oder besser schon fast nachts um elf jüdisch essen. Sehr lecker.
Wie man so sieht, leisteten wir uns allerlei Leckereien und sparten auch sonst nur selten. So fuhren wir auch mit dem Aufzug auf den Eiffelturm. Deswegen und auch weil wir so spät dort waren, dass die Treppen nicht mehr geöffnet waren. Als wir nach einem langen Spaziergang am Eiffelturm ankamen, schaltete sich auch gerade seine Glitzerbeleuchtung ein und die ganzen Verrückten auf dem Turm klatschten stürmisch Beifall.
Wie kitschig, aber schön. Auch wenn uns die Kälte den gesamten Tag peinigte erlaubte sie uns doch auch ganz weit sehen zu können. Da war einem doch gleich warm ums Herz.
Insgesamt verbrachten wir also ein unglaublich schönes und entspanntes Wochenende in Paris. Der Streik hatte wohl auch zur Folge, dass sich nicht so viele Leute wie sonst in der Stadt befanden. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, dass die Stadt überhaupt nicht hektisch sei.
Sonntag fuhren wir dann zunächst zum Bahnhof um herauszufinden, wann wir nach Tours fahren könnten. Wir entschieden uns dann den letzten TGV am Abend zu nehmen. Dafür konnte man dann aber kein Ticket kaufen, weil das wohl nur direkt vor der Abfahrt ging. Wir schlossen dann also unsere Rucksäcke ein und machten uns auf unseren letzten Tag Erkundungstour durch Paris auf. Eine Stunde bevor der Zug abfuhr sind wir dann los und wollten die Paar Stationen zum Bahnhof fahren. In der Metrostation angekommen sagte uns die Anzeige, dass der nächste Zug wohl in 15 Minuten kommen würde. Da war uns schon klar, dass das alles wohl ziemlich knapp werden würde. Als die Metro dann kam, war die auch sehr sehr gut gefüllt und wir spielten mal wieder Sardinen. In Montparnasse (dem Bahnhof also) rannten wir dann furchtbar schnell um dann doch zu spät zu unserem Zug zu kommen. Soll heißen er stand noch da, wir durften aber nicht mehr einsteigen. Wie fein. Das wars. Noch eine Nacht in Paris. Aber wo? Ich rief also wieder Manja an, die mir dann prompt Internetauskunft gab. So fanden wir nach einigem Hin und Her heraus, dass am anderen Bahnhof noch ein Zug um kurz vor elf fahren würde. Noch mal gerettet. Also quetschten wir uns wieder in die Metro und fuhren zum nächsten Bahnhof. Dort angekommen kauften wir uns Tickets für unseren Zug und noch ein paar Cracker um noch Abendbrot zu essen.
Mit dem Zug sollten wir sogar noch den letzten Nachtbus in Tours erwischen, wenn wir ganz schnell rennen würden.
Diese Hoffnungen zerschlugen sich allerdings, als der Zug kurz vor Tours aufgrund von Sicherheitsproblemen alle fünf Meter 10 Minuten hielt. Der letzte Nachtbus hier in Tours fährt um eins und wir waren dann endlich kurz nach halb zwei in Tours. Naja, immerhin fanden wir noch eine Bar, die uns noch ein Bier verkaufte. Und ich war soweit. Ich trank auch Bier. Bis dahin zumeist ablehnend lief das Bier doch runter wie Öl und ich fragte mich, warum ich nicht schon immer Bier trank.
Das gesamte Wochenende an Laufen gewöhnt, nahmen wir also unsere Beine in die Hände und liefen zu mir. Brauchten auch nur eine Stunde und immerhin regnete es ausnahmsweise mal nicht.
Den Rest des Besuches von Ulf gibt es dann das nächste Mal. Hattet ja immerhin genug zu lesen. Tut mir leid, wenn es zu viel sein sollte.
Donnerstag, 22. November 2007
bald gibt es Neues
wie ihr vielleicht gemerkt habt, lies ich lang nichts von mir hören.
Das liegt nicht etwa daran, dass das Internet hier streikt, soweit kam es zum Glück noch nicht, aber ich verbrachte das letzte Wochenende mit Ulf in Paris, was bedeutete, dass ich meine virtuellen Aktivitäten einstellte.
Diese werden aber in Kürze wieder aufgenommen und schon noch diese Woche sollte ein neuer unglaublicher Blog von mir folgen. Tut mir leid.
Hier aber schon mal ein kleines Bildchen von Paris - so als kleiner Anzreiz-Hinhalter
Das liegt nicht etwa daran, dass das Internet hier streikt, soweit kam es zum Glück noch nicht, aber ich verbrachte das letzte Wochenende mit Ulf in Paris, was bedeutete, dass ich meine virtuellen Aktivitäten einstellte.
Diese werden aber in Kürze wieder aufgenommen und schon noch diese Woche sollte ein neuer unglaublicher Blog von mir folgen. Tut mir leid.
Hier aber schon mal ein kleines Bildchen von Paris - so als kleiner Anzreiz-Hinhalter
Donnerstag, 8. November 2007
Streiken und so

Noch kein Jahr ist es her, da sah man brennende Schulbänke durch die Straßen von Paris im Fernsehen fliegen und dachte sich, das die französischen Studenten wirklich was auf die Beine stellen.
Das als „Streiknation“ titulierte Land scheint wieder einen Anlass gefunden zu haben weniger zu tun als üblich.
Ja, wir streiken!!! Noch kamen mir keine deutschen Berichte auf einschlägigen Internetseiten entgegengeflattert, soll heißen, dass es diesmal wohl noch ohne fliegende, brennende Stühle und Bänke abgeht.
Eins ist mir aber bis jetzt zumindest klar geworden. Es sind nur die Philosophen, die streiken. Das wars. Der Campus für Technik, auf dem ich schließlich wohne, ist wie immer gut besucht. Hier geht alles ganz routiniert von Statten. Gleiches Bild bei den Informatikern, Wirtschaftlern und Medizinern. Alle fleißig am studieren. Das wollte ich heute übrigens auch wieder probieren, wurde aber letztendlich von zwar nicht brennenden, aber die Tür verbarrikadierenden Bänken aufgehalten. Immerhin kann mir so niemand nachsagen, dass ich es nicht probiert hätte.


Warum streiken wir denn eigentlich?
So viel ich verstanden habe, wollen wir, dass unsere Universität weiterhin den Namen eines großen französischen Schriftstellers trägt. Soll heißen, dass nicht etwa Nike die Uni kaufen kann um es in eine Laufschule umzuarbeiten. Deswegen gehen wir auf die Straße, weil wir sehen, was in Deutschland passierte. So, da haben wir es!!!
Ich bin jetzt nicht mit letztem Eifer dabei, aber nehme das ganze interessiert zur Kenntnis und erfreue mich meiner freien Zeit. Im Prinzip hab ich ja jetzt wieder mal den Rest der Woche frei, was bedeutet, dass ich eigentlich schon die zweite Woche Ferien habe und im Prinzip von Anfang an eine Weltreise hätte planen können.
So schnappte ich mir mein Pferd und ritt in den nächsten Saloon, um mir eine heiße Schokolade zu bestellen, die mit Marshmallows geschmückt war und las dazu ein Buch.
Und das hieß sogar „Le Livre du Voyage“ - also im Endeffekt doch was mit reisen. Immerhin.
So lässt sich doch auch was lernen.
Noch gar nicht so lang her, also ungefähr eine halbe Stunde, da versuchte mein Mitbewohner unseren Gang in Brand zu stecken. Und wer war schuld? Stuttgart!!! Dieser VfB wieder.
Während Xavier sich ein Fussballspiel im Radio anhörte, versuchte er nämlich eine zweite Sache zu tun. Ich weiß, alle wissen schon was kommt. Wenn eine Geschichte schon mit Männern und zwei Sachen anfängt. Das kann nicht gut gehen.
Was versuchte er?
Pizza im Ofen erwärmen. Ich denke es ist jeder mit mir, wenn ich jetzt sage, dass das kein größeres Problem darstellen sollte. Immerhin: Pizza. Schon alles fertig, nur noch warm machen.
Aber:
a) unser Ofen geht bis 300 Grad zu erhitzen
b) wir haben kein Backpapier und nutzen deswegen die Kartons, in denen die Pizzen so geliefert werden
c) das Spiel scheint wohl spannend gewesen zu sein.
Ende vom Lied: ich höre einen Haufen Krach in der Küche, Sekunden später ist sämtlicher Strom im Gang aus, darauf folgend: ein unglaublicher Gestank, der auch in mein Zimmer zieht.
Fuchs, wie ich bin hab ich natürlich mein Fahrradlicht parat und kann mir so den Schaden ansehen.


Plus, aus dem superschönen Sonnenuntergang lernend, hab ich natürlich Fotoapparat dabei. Der arme Xavier. Stand da wie ein Häufchen Elend. Hat wohl nicht seinen besten Tag erwischt. Und Hunger und kein Essen mehr. Da habe ich ihm doch gleich noch meinen Couscous von gestern gestiftet. Immerhin hab ich ja fein in der Mensa gespeist. Da kann ich auch meine für Heute destinierten, nicht gegessenen Essensreste spenden.
Ein Glück war mir nicht mehr nach Bowling spielen. Da hätte ich ja hier was verpasst. Und die Anderen, die jetzt Bowling spielen sind, müssen mich nicht bei einem Spiel ertragen, das mir genau drei Würfe Spass macht und dann ist finito.
Da widme ich mich doch lieber einem guten Buch, was ich jetzt auch wieder tun werde.
Dienstag, 6. November 2007
Ferien rund um Fronleichnam
Nachdem ich vorhin meine „Ferien“ zusammenfassen sollte und doch einige Schwierigkeiten hatte noch alles in eine einigermaßen ordentliche Reihenfolge zu bekommen, wird es Zeit einiges davon niederzuschreiben, um nicht zu vergessen.
So.
Halloween. An Halloween sollte Cedric, mein Mitbewohner, der mir immer ganz viel Französisch beibringt eigentlich ausziehen. Also warteten wir Vormittags alle, die noch da waren und ein bisschen Zeit hatten, auf die Putzfrau, die das Zimmer abnehmen sollte. Da sie aber an so viele Dinge denken muss und sich wohl ihren Termin nicht behalten konnte, erschien dieselbe nicht. Irgendwann drei Stunden nach dem vereinbarten Termin haben wir dann jemand Anderen geholt, der sich um die Zimmerübernahme kümmerte. Da seine Freunde, bei denen er von da an bis zu seiner Abreise übernachten wollte, nicht da waren, habe ich ihn mit auf eine Halloweenparty geschleppt. Glücklicherweise hatte er sich von seinem alten Krankenhaus noch die Kleidung ausgeliehen, die er mir dann weiterlieh. So wurde ich zum Arzt. Er wurde mein Patient.
Perfekte Verkleidung. Problem ist nur, dass es in Krankenhäusern scheinbar wärmer ist, als nachts Ende Oktober in Tours. Irgendwie fror ich doch mehr als sich das ein richtiger Arzt träumen würde.

Die Party war dafür ganz lustig. Immerhin ist hier ja keiner mit Kostümen angereist und es hat ja auch nicht jeder Mitbewohner mit Arztkleidung. Aber für einen Italiener ist es natürlich immer leicht den Don zu spielen. Donnerstag nutzte ich dann endlich mal um mich auszuschlafen. Wer hätte gedacht, dass so ein Körper so viel Schlaf braucht. Da wäre es mir doch eigentlich lieber, wenn mir immer so vier Stunden reichen würden. Aber nein!
Immerhin hatte ich Freitag großes vor. Seit Wochen hatte ich Hubert versprochen, ich würde mit ihm und seinen Freunden in die Disko gehen. Nationalstolz veranlasste sie einen gabunesischen Club zu gründen und Partylaune verführte sie dazu einen gabunesischen Abend zu veranstalten.
Also hab ich mich fein gemacht und bin mit Swantje, unseren Mitbewohnern aus Gabun und deren Freunden in einen Club gewandert. Als wir dann ankamen war kein Mensch da. Aber nicht schlimm, wir hatten ja unsere Freunde Johnny, Jack und Jim und so vertrieben wir uns die Zeit. Nee, war ja nur eine Flasche. Als sich dann auch normale Clubgezeiten einstellten, begab es sich sogar, dass Menschen die Disko füllten. Die Musik war entgegen zu normaler Diskomusik, die in Frankreich doch sehr elektronisch sein soll, sehr angenehm und so fand ich mich von Zeit zu Zeit auch auf der Tanzfläche wieder. Dort machte ich das ein oder andere Mal Gebrauch von meiner Hand, die gar zu aufdringliche Verehrer abwehrte. Früh um vier ging dann das Licht an und alle mussten heim gehen. Wie lustig. Licht an! Mir ist egal wie viele ihr noch seid, Licht an, Licht an, Licht an.
Der Tag danach stellte sich dann als etwas zäh heraus. Da ich lange nichts Neues sah, schnappte ich mir mein Fahrrad und fuhr ein Stück durch die Gegend. Ist auch mal schön ganz allein etwas zu machen und ganz viel nachzudenken.

Cédric kam noch einmal zurück um den Rest seiner Sachen zu holen. Aus einem Nachmittagsbesuch wurde dann irgendwann eine Unterhaltung zwischen ihm und mir bis zum nächsten Morgen um halb Neun. Warum sind es eigentlich immer gerade die, mit denen man sich am Besten versteht, die das Feld räumen müssen? Das ist doch nicht fair.
Ich werd mir wohl einen neuen Lehrer suchen müssen, der sich daran erfreuen kann die ganze Nacht in Wörterbüchern rumzublättern und Abnormalitäten zu finden.
Sonntag begab ich mich dann nach zwei Stunden Schlaf wieder daran mit den anderen Erasmusstudenten zu kochen. Diesmal war der Kreis schon wieder größer und wir aßen zu sechzehnt, sechsnationales Essen. Sehr fein. Also es sind nicht immer irgendwelche Nationalgerichte, sondern einfach nur Essen, was eben zubereitet wird, aber möglicherweise aus diesem Land stammt. Zumindest sind es Hände aus verschiedenen Nationen, die sich an Gerichten probieren, die aus anderen Ländern sind. Aber immer, oder zumeist schmackhaft. Und man kommt in so seltene Genüsse, wie einen Italiener Kaffee mit Vanillesauce trinken zu sehen, weil es an Zucker mangelt. Seinen Fauxpas bezahlte er dann aber auch gleich mit unglaublich viel Verhöhnungen ihm gegenüber.




Heute nutzte ich meine Zeit dafür mal wieder joggen zu gehen. Nachmittag war ich mal wieder für umsonst in der Uni, weil der Kurs wohl wieder nicht stattfand. Aber was will man machen. Dafür hab ich auf dem Weg nach Hause den schönsten Sonnenuntergang seit Langem gesehen.


Fuchs wie ich bin, hatte ich glücklicherweise sogar gleich meinen Fotoapparat parat. Deswegen heißt der wohl so. Wie einfach manche Worte doch gestrickt sind.
Wie ich mir versprochen hatte, hab ich gleich noch hier in der Mensa mit Alex zu Abend gegessen. Es lebe die Mensa in der Stadt Rebellion.
So.
Halloween. An Halloween sollte Cedric, mein Mitbewohner, der mir immer ganz viel Französisch beibringt eigentlich ausziehen. Also warteten wir Vormittags alle, die noch da waren und ein bisschen Zeit hatten, auf die Putzfrau, die das Zimmer abnehmen sollte. Da sie aber an so viele Dinge denken muss und sich wohl ihren Termin nicht behalten konnte, erschien dieselbe nicht. Irgendwann drei Stunden nach dem vereinbarten Termin haben wir dann jemand Anderen geholt, der sich um die Zimmerübernahme kümmerte. Da seine Freunde, bei denen er von da an bis zu seiner Abreise übernachten wollte, nicht da waren, habe ich ihn mit auf eine Halloweenparty geschleppt. Glücklicherweise hatte er sich von seinem alten Krankenhaus noch die Kleidung ausgeliehen, die er mir dann weiterlieh. So wurde ich zum Arzt. Er wurde mein Patient.
Perfekte Verkleidung. Problem ist nur, dass es in Krankenhäusern scheinbar wärmer ist, als nachts Ende Oktober in Tours. Irgendwie fror ich doch mehr als sich das ein richtiger Arzt träumen würde.
Die Party war dafür ganz lustig. Immerhin ist hier ja keiner mit Kostümen angereist und es hat ja auch nicht jeder Mitbewohner mit Arztkleidung. Aber für einen Italiener ist es natürlich immer leicht den Don zu spielen. Donnerstag nutzte ich dann endlich mal um mich auszuschlafen. Wer hätte gedacht, dass so ein Körper so viel Schlaf braucht. Da wäre es mir doch eigentlich lieber, wenn mir immer so vier Stunden reichen würden. Aber nein!
Immerhin hatte ich Freitag großes vor. Seit Wochen hatte ich Hubert versprochen, ich würde mit ihm und seinen Freunden in die Disko gehen. Nationalstolz veranlasste sie einen gabunesischen Club zu gründen und Partylaune verführte sie dazu einen gabunesischen Abend zu veranstalten.
Also hab ich mich fein gemacht und bin mit Swantje, unseren Mitbewohnern aus Gabun und deren Freunden in einen Club gewandert. Als wir dann ankamen war kein Mensch da. Aber nicht schlimm, wir hatten ja unsere Freunde Johnny, Jack und Jim und so vertrieben wir uns die Zeit. Nee, war ja nur eine Flasche. Als sich dann auch normale Clubgezeiten einstellten, begab es sich sogar, dass Menschen die Disko füllten. Die Musik war entgegen zu normaler Diskomusik, die in Frankreich doch sehr elektronisch sein soll, sehr angenehm und so fand ich mich von Zeit zu Zeit auch auf der Tanzfläche wieder. Dort machte ich das ein oder andere Mal Gebrauch von meiner Hand, die gar zu aufdringliche Verehrer abwehrte. Früh um vier ging dann das Licht an und alle mussten heim gehen. Wie lustig. Licht an! Mir ist egal wie viele ihr noch seid, Licht an, Licht an, Licht an.
Der Tag danach stellte sich dann als etwas zäh heraus. Da ich lange nichts Neues sah, schnappte ich mir mein Fahrrad und fuhr ein Stück durch die Gegend. Ist auch mal schön ganz allein etwas zu machen und ganz viel nachzudenken.
Cédric kam noch einmal zurück um den Rest seiner Sachen zu holen. Aus einem Nachmittagsbesuch wurde dann irgendwann eine Unterhaltung zwischen ihm und mir bis zum nächsten Morgen um halb Neun. Warum sind es eigentlich immer gerade die, mit denen man sich am Besten versteht, die das Feld räumen müssen? Das ist doch nicht fair.
Ich werd mir wohl einen neuen Lehrer suchen müssen, der sich daran erfreuen kann die ganze Nacht in Wörterbüchern rumzublättern und Abnormalitäten zu finden.
Sonntag begab ich mich dann nach zwei Stunden Schlaf wieder daran mit den anderen Erasmusstudenten zu kochen. Diesmal war der Kreis schon wieder größer und wir aßen zu sechzehnt, sechsnationales Essen. Sehr fein. Also es sind nicht immer irgendwelche Nationalgerichte, sondern einfach nur Essen, was eben zubereitet wird, aber möglicherweise aus diesem Land stammt. Zumindest sind es Hände aus verschiedenen Nationen, die sich an Gerichten probieren, die aus anderen Ländern sind. Aber immer, oder zumeist schmackhaft. Und man kommt in so seltene Genüsse, wie einen Italiener Kaffee mit Vanillesauce trinken zu sehen, weil es an Zucker mangelt. Seinen Fauxpas bezahlte er dann aber auch gleich mit unglaublich viel Verhöhnungen ihm gegenüber.
Heute nutzte ich meine Zeit dafür mal wieder joggen zu gehen. Nachmittag war ich mal wieder für umsonst in der Uni, weil der Kurs wohl wieder nicht stattfand. Aber was will man machen. Dafür hab ich auf dem Weg nach Hause den schönsten Sonnenuntergang seit Langem gesehen.
Fuchs wie ich bin, hatte ich glücklicherweise sogar gleich meinen Fotoapparat parat. Deswegen heißt der wohl so. Wie einfach manche Worte doch gestrickt sind.
Wie ich mir versprochen hatte, hab ich gleich noch hier in der Mensa mit Alex zu Abend gegessen. Es lebe die Mensa in der Stadt Rebellion.
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