So.
Halloween. An Halloween sollte Cedric, mein Mitbewohner, der mir immer ganz viel Französisch beibringt eigentlich ausziehen. Also warteten wir Vormittags alle, die noch da waren und ein bisschen Zeit hatten, auf die Putzfrau, die das Zimmer abnehmen sollte. Da sie aber an so viele Dinge denken muss und sich wohl ihren Termin nicht behalten konnte, erschien dieselbe nicht. Irgendwann drei Stunden nach dem vereinbarten Termin haben wir dann jemand Anderen geholt, der sich um die Zimmerübernahme kümmerte. Da seine Freunde, bei denen er von da an bis zu seiner Abreise übernachten wollte, nicht da waren, habe ich ihn mit auf eine Halloweenparty geschleppt. Glücklicherweise hatte er sich von seinem alten Krankenhaus noch die Kleidung ausgeliehen, die er mir dann weiterlieh. So wurde ich zum Arzt. Er wurde mein Patient.
Perfekte Verkleidung. Problem ist nur, dass es in Krankenhäusern scheinbar wärmer ist, als nachts Ende Oktober in Tours. Irgendwie fror ich doch mehr als sich das ein richtiger Arzt träumen würde.
Die Party war dafür ganz lustig. Immerhin ist hier ja keiner mit Kostümen angereist und es hat ja auch nicht jeder Mitbewohner mit Arztkleidung. Aber für einen Italiener ist es natürlich immer leicht den Don zu spielen. Donnerstag nutzte ich dann endlich mal um mich auszuschlafen. Wer hätte gedacht, dass so ein Körper so viel Schlaf braucht. Da wäre es mir doch eigentlich lieber, wenn mir immer so vier Stunden reichen würden. Aber nein!
Immerhin hatte ich Freitag großes vor. Seit Wochen hatte ich Hubert versprochen, ich würde mit ihm und seinen Freunden in die Disko gehen. Nationalstolz veranlasste sie einen gabunesischen Club zu gründen und Partylaune verführte sie dazu einen gabunesischen Abend zu veranstalten.
Also hab ich mich fein gemacht und bin mit Swantje, unseren Mitbewohnern aus Gabun und deren Freunden in einen Club gewandert. Als wir dann ankamen war kein Mensch da. Aber nicht schlimm, wir hatten ja unsere Freunde Johnny, Jack und Jim und so vertrieben wir uns die Zeit. Nee, war ja nur eine Flasche. Als sich dann auch normale Clubgezeiten einstellten, begab es sich sogar, dass Menschen die Disko füllten. Die Musik war entgegen zu normaler Diskomusik, die in Frankreich doch sehr elektronisch sein soll, sehr angenehm und so fand ich mich von Zeit zu Zeit auch auf der Tanzfläche wieder. Dort machte ich das ein oder andere Mal Gebrauch von meiner Hand, die gar zu aufdringliche Verehrer abwehrte. Früh um vier ging dann das Licht an und alle mussten heim gehen. Wie lustig. Licht an! Mir ist egal wie viele ihr noch seid, Licht an, Licht an, Licht an.
Der Tag danach stellte sich dann als etwas zäh heraus. Da ich lange nichts Neues sah, schnappte ich mir mein Fahrrad und fuhr ein Stück durch die Gegend. Ist auch mal schön ganz allein etwas zu machen und ganz viel nachzudenken.
Cédric kam noch einmal zurück um den Rest seiner Sachen zu holen. Aus einem Nachmittagsbesuch wurde dann irgendwann eine Unterhaltung zwischen ihm und mir bis zum nächsten Morgen um halb Neun. Warum sind es eigentlich immer gerade die, mit denen man sich am Besten versteht, die das Feld räumen müssen? Das ist doch nicht fair.
Ich werd mir wohl einen neuen Lehrer suchen müssen, der sich daran erfreuen kann die ganze Nacht in Wörterbüchern rumzublättern und Abnormalitäten zu finden.
Sonntag begab ich mich dann nach zwei Stunden Schlaf wieder daran mit den anderen Erasmusstudenten zu kochen. Diesmal war der Kreis schon wieder größer und wir aßen zu sechzehnt, sechsnationales Essen. Sehr fein. Also es sind nicht immer irgendwelche Nationalgerichte, sondern einfach nur Essen, was eben zubereitet wird, aber möglicherweise aus diesem Land stammt. Zumindest sind es Hände aus verschiedenen Nationen, die sich an Gerichten probieren, die aus anderen Ländern sind. Aber immer, oder zumeist schmackhaft. Und man kommt in so seltene Genüsse, wie einen Italiener Kaffee mit Vanillesauce trinken zu sehen, weil es an Zucker mangelt. Seinen Fauxpas bezahlte er dann aber auch gleich mit unglaublich viel Verhöhnungen ihm gegenüber.
Heute nutzte ich meine Zeit dafür mal wieder joggen zu gehen. Nachmittag war ich mal wieder für umsonst in der Uni, weil der Kurs wohl wieder nicht stattfand. Aber was will man machen. Dafür hab ich auf dem Weg nach Hause den schönsten Sonnenuntergang seit Langem gesehen.
Fuchs wie ich bin, hatte ich glücklicherweise sogar gleich meinen Fotoapparat parat. Deswegen heißt der wohl so. Wie einfach manche Worte doch gestrickt sind.
Wie ich mir versprochen hatte, hab ich gleich noch hier in der Mensa mit Alex zu Abend gegessen. Es lebe die Mensa in der Stadt Rebellion.

1 Kommentar:
Fotoapparate zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind wirklich klasse. Bei uns fällt gerade ein Gemisch von Schnee und Regen vom Himmel, so können wir nicht so schöne Untergänge der Sonne beobachten. Viel Spaß weiter Mam
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