Samstag, 24. November 2007

Paris oder STREIK, STREIK, STREIK

Wie schon angekündigt, nun die Geschichte (eine wahre, wenn auch unglaubliche) von Paris.
Diese sollte eigentlich mit dem Donnerstag und einer entspannten Zugfahrt und einem Wiedersehen mit Ulla in der Stadt der Liebe beginnen.
Aber wenn ein Satz schon entspannte Zugfahrt enthält, kann man ahnen, dass da was faul ist.
Ganz speziell, da ich mich sozusagen in der Mutter des Streikes befinde.
Also nix mit Donnerstag fahre ich nach Paris.

Es geht Montag los.
Ja, Montag.
Da kam mir nämlich das Wort Generalstreik das erste Mal unter die Ohren. Soll heißen, dass ab mindestens Donnerstag die Bahn macht was sie will. Ungläubig schnappe ich mir meinen Laptop um meinen Freund das Internet zu befragen. Dieser erzählt mir dann, dass nicht Donnerstag, sondern Dienstag Abend 20h00 die magische Streikgrenze ist. Soll heißen, dass kein Zug von Dienstag Abend an mehr garantiert ist. Was tun?
Ich schnappe mir also mein Fahrrad und auf zum Bahnhof. Die können mir nur sagen, dass sie immer abends ab 18h00 wissen, welche Züge am nächsten Tag fahren werden. Kann also sein, dass man abends gesagt bekommt, dass vier am Tag nach Paris fahren oder auch keiner.
Supersicher also alles.
Ich dachte mir, dass ich ganz schlau bin und zunächst erst mal schaue, wann ich loskann und dann zu meiner Freundin nach Paris fahre und von ihr aus dann zu dem Treffpunkt, an den Ulf kommt, fahre. Die Manja erreichte ich dann auch noch Montag Abend und wir befanden beide das es wohl das Beste wäre, wenn ich schon Dienstag zu ihr komme, das wir vor dem Streik bei ihr sind, da sie nicht in Paris wohnt, sondern 25km außerhalb. Gesagt, getan. Ich fuhr nach Paris. Dienstag oder Donnerstag ist ja jetzt eigentlich auch das Gleiche. Und immerhin ich hab endlich mal Manja besucht. Noch vor unserem Auslandsaufenthalt machten wir uns aus, dass wir uns gegenseitig besuchen müssten und hatten es bis dahin nicht geschafft. Traurig so was.
Also: mit Manja in Lognes angekommen werden wir gleich mal freundlich von einem kleinen Regenguss empfangen. Wie freundlich. Aber nicht schlimm. Hauptsache wir sind da.
Mittwoch erfahren wir dann, was Generalstreik bedeutet. Es geht gar nix. Die RER-Stadion bei Manja ist gar nicht erst offen. Die Franzosen, mit denen wir unseren Abend verbrachten waren auch erstaunlich negativ eingestellt und davon überzeugt, dass wir von nun an Wochen in Lognes festsitzen würden. Wir immer fröhlichen und positiven Deutschen gingen dann doch eher mit einer: „Och, das wird schon!“ Einstellung an die ganze Angelegenheit ran. Immerhin haben wir Mittwoch Abend den Franzosen dort unsere Vorstellung von einem Raclette beigebracht, da es hier wohl gar nicht üblich andere Speisen als den Käse mit zu erwärmen. Sie befanden dann aber auch, dass unsere Art zu essen eigentlich ganz lecker sei. Recht haben sie!
Donnerstag dann: der Tag der Entscheidung! Ulf kam 18:10 auf dem Flughafen an und ich hatte vor schon vor ihm im Hotel zu sein und ihn dann an der nächsten Metrohaltestelle abzuholen.
Also sind wir auf 15:00 bei Manja los um in den Nachbarort zu laufen, weil von dort aus ein Bus fahren sollte, der einen zu einem Bahnhof bringt, der tatsächlich funktionierende Züge abfertigt. Auf unserem Weg fiel uns dann auf, dass die RER-Station, die noch am Vormittag geschlossen war jetzt seine Pforten für uns geöffnet hatte. Wir also jubelnd dorthin. Es hat auch nur eine dreiviertel Stunde gedauert, bis der erste Zug aus der gegenüberliegenden Richtung kam. Nebenbei haben wir immer noch die Streikhotline angerufen um zu erfahren, wie viele RER denn so fahren. Diese Ansage variierte zwischen einem von fünf Zügen bis quasi null. Also auch nicht sonderlich aussagekräftig. Als uns dann nach zwei Stunden der nächste Zug aus der Gegenrichtung entgegen kam, zweifelten wir doch an unserer Theorie, dass die Bahnen nicht verloren gehen würden.
Nach fast drei Stunden haben wir schon jegliche Hoffnung verschwinden sehen und gefroren wie verrückt. Die Szene fand nämlich unter dem Gefrierpunkt statt. Als wir dann auch fertig waren wieder zu gehen und einen Freund von Manja, der Nachts noch nach Paris reinfahren wollte zu fragen kam die rettende Nachricht von einem ankommenden Zug. Jipppieee!!! Durchgefroren und Manja unsagbar dankbar, dass sie die ganze Zeit mit mir ausharrte, stieg ich in die S-Bahn, die nicht nur fuhr, sondern auch warm war. Ich sollte also noch vor Ulf ankommen, wenn auch nur 10 Minuten. Wer hätte das gedacht.
Glücklicherweise war meine Umsteigestelle in die Metro auch an einer Endhaltestelle, so dass ich sogar darin noch einen Platz hatte. Als diese dann losfuhr und einige anfingen zu klatschen, konnte ich mir auch eine Vorstellung davon machen, wie lange diese Metro wohl schon stand.
Immerhin sind die Pariser nicht für ihren überschwänglichen Enthusiasmus bekannt.
Von Station zu Station wurde es dann auch immer kuscheliger, so dass ich mich dann endlich an der Station an der auch Ulf aussteigen sollte dafür entschied gleich dort auf ihn zu warten.
Jetzt folgt also diese unglaubliche Wiedersehensszene in der Stadt der Liebe. In der Metrostation. ....
Das bleibt jetzt also geheim.
Gemeinsam suchten wir dann unser Hotel, dass sich tatsächlich in unmittelbarer Nähe zu Sacré Cœur und dem Moulin rouge befand. Nachdem wir unser kleines Zimmerchen bezogen machten wir uns gleich mal zu einem Supermarkt auf und kauften uns einige Leckereien um ein kleines Picknick auf unserem Bett machen zu können. Zumindest am ersten Abend wollten wir uns verantwortungsbewusst verhalten und möglichst viel Geld sparen. Das war auch der Hauptgrund dafür, dass wir die Seilbahn hinauf zu Sacré Cœur nicht nutzten. Naja vielleicht auch, weil wir doch noch gut in der Lage waren zu laufen. Angekommen auf unserem Berg bot uns nicht nur die Sacré Cœur da, sondern auch die Stadt lag zu unseren Füßen. Gut gemacht.

Im Prinzip könnte ich jetzt aufschreiben, was wir alles sahen, aber das wäre doch eine furchtbar lange Geschichte. Also hier die Listenform und danach kleine Episoden.
Donnerstag: Sacré Cœur, Moulin Rouge und Pigalle (die Mausefalle jetzt)
Freitag: Arc de Triomphe,

Champs-Élysées, Grand Palais, Petit Palais, Obelisque,

Tuleriengarten, Louvre,


Palais Royal, Pont Neuf (die älteste Brücke Paris'), Notre Dame, Ile Saint-Louis, das Rathaus, Centre Georges Pompidou,

Les Halles, Eiffelturm




Samstag: Kirche St. Sulpice, Invaliden inclusive dem unglaublich großen Sarg von kleinen Napoleon,

das Armee Museum, Jardin du Luxembourg,

Panthéon,

Sorbonne, eine kleine Bootsfahrt auf der Seine
Sonntag: Der Friedhof von Montparnasse, Place de la Repulbique, Place des Vosges, Place de la Bastille

Einiges also. Das alles haben wir größtenteils per pedes erledigt, weil die Metro bekanntlich nicht das verlässlichste Verkehrsmittel war. So fuhren wir immer zu unserem Ausgangspunkt mit der Metro und dann noch, wenn uns mal so war. Und wer sollte es glauben, so ein Streik hat auch seine guten Seiten. So war die Metro zum Beispiel das ganze Wochenende kostenlos für uns. Auch nicht schlecht.
Um uns bei Laune zu halten, ließen wir es uns nicht nehmen die ganzen empfohlenen Köstlichkeiten aus dem Reiseführer zu kosten. So kamen wir zum Beispiel in den Genuss von Lebkucheneis. Wie lecker. Beinahe hätten wir uns auch eine heiße Schokolade zu kaufen, die eigentlich schon fast Pudding gleich kam. Da diese dann aber fünf Euro kostete, sahen wir vom Kauf ab und leisteten uns von dem gesparten Geld lieber noch zwei kleine Portionen von vorzüglichem Eis. Heiße Schokolade tranken wir trotzdem zu Genüge. Es war nämlich Hundekalt und wir mussten uns ja auch von Zeit zu Zeit aufwärmen. Verständlich oder.
Samstag war ja auch unser dritter Jahrestag. Ja, wir feierten unseren dritten Jahrestag in Paris und nein, ich weiß nicht genau, wie wir den vierten dann topen wollen. Nehmen aber auf jeden Fall großzügige Spenden an.
Um unsere drei Jahre zu feiern gingen wir abends oder besser schon fast nachts um elf jüdisch essen. Sehr lecker.
Wie man so sieht, leisteten wir uns allerlei Leckereien und sparten auch sonst nur selten. So fuhren wir auch mit dem Aufzug auf den Eiffelturm. Deswegen und auch weil wir so spät dort waren, dass die Treppen nicht mehr geöffnet waren. Als wir nach einem langen Spaziergang am Eiffelturm ankamen, schaltete sich auch gerade seine Glitzerbeleuchtung ein und die ganzen Verrückten auf dem Turm klatschten stürmisch Beifall.

Wie kitschig, aber schön. Auch wenn uns die Kälte den gesamten Tag peinigte erlaubte sie uns doch auch ganz weit sehen zu können. Da war einem doch gleich warm ums Herz.
Insgesamt verbrachten wir also ein unglaublich schönes und entspanntes Wochenende in Paris. Der Streik hatte wohl auch zur Folge, dass sich nicht so viele Leute wie sonst in der Stadt befanden. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, dass die Stadt überhaupt nicht hektisch sei.
Sonntag fuhren wir dann zunächst zum Bahnhof um herauszufinden, wann wir nach Tours fahren könnten. Wir entschieden uns dann den letzten TGV am Abend zu nehmen. Dafür konnte man dann aber kein Ticket kaufen, weil das wohl nur direkt vor der Abfahrt ging. Wir schlossen dann also unsere Rucksäcke ein und machten uns auf unseren letzten Tag Erkundungstour durch Paris auf. Eine Stunde bevor der Zug abfuhr sind wir dann los und wollten die Paar Stationen zum Bahnhof fahren. In der Metrostation angekommen sagte uns die Anzeige, dass der nächste Zug wohl in 15 Minuten kommen würde. Da war uns schon klar, dass das alles wohl ziemlich knapp werden würde. Als die Metro dann kam, war die auch sehr sehr gut gefüllt und wir spielten mal wieder Sardinen. In Montparnasse (dem Bahnhof also) rannten wir dann furchtbar schnell um dann doch zu spät zu unserem Zug zu kommen. Soll heißen er stand noch da, wir durften aber nicht mehr einsteigen. Wie fein. Das wars. Noch eine Nacht in Paris. Aber wo? Ich rief also wieder Manja an, die mir dann prompt Internetauskunft gab. So fanden wir nach einigem Hin und Her heraus, dass am anderen Bahnhof noch ein Zug um kurz vor elf fahren würde. Noch mal gerettet. Also quetschten wir uns wieder in die Metro und fuhren zum nächsten Bahnhof. Dort angekommen kauften wir uns Tickets für unseren Zug und noch ein paar Cracker um noch Abendbrot zu essen.

Mit dem Zug sollten wir sogar noch den letzten Nachtbus in Tours erwischen, wenn wir ganz schnell rennen würden.
Diese Hoffnungen zerschlugen sich allerdings, als der Zug kurz vor Tours aufgrund von Sicherheitsproblemen alle fünf Meter 10 Minuten hielt. Der letzte Nachtbus hier in Tours fährt um eins und wir waren dann endlich kurz nach halb zwei in Tours. Naja, immerhin fanden wir noch eine Bar, die uns noch ein Bier verkaufte. Und ich war soweit. Ich trank auch Bier. Bis dahin zumeist ablehnend lief das Bier doch runter wie Öl und ich fragte mich, warum ich nicht schon immer Bier trank.
Das gesamte Wochenende an Laufen gewöhnt, nahmen wir also unsere Beine in die Hände und liefen zu mir. Brauchten auch nur eine Stunde und immerhin regnete es ausnahmsweise mal nicht.
Den Rest des Besuches von Ulf gibt es dann das nächste Mal. Hattet ja immerhin genug zu lesen. Tut mir leid, wenn es zu viel sein sollte.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

wie romantisch!! freue mich über eure erlebnisse.So nun eine schöne vorweihnachtszeit- in frankreich. mam

Anonym hat gesagt…

danke für den schönen Reisebericht
regine und kurt