Die Tage sind ja schon relativ kurz, obwohl sie hier etwas länger gehen, da wir uns doch deutlich weiter im Westen befinden, was bedeutet, dass die Sonne später untergeht. Das bedeutet wiederum, dass wir länger das Tageslicht genießen können. Und da wir als Studenten nicht zeitiger als nötig aus dem Bett bequemen, macht es uns wenig aus, dass es später hell wird. Im Gegenteil, wir können länger die unsere Träume schützende Dunkelheit genießen. Aber ich schweife ab. Eigentlich will ich ja nur sagen, dass es doch ganz stark auf Weihnachten zugeht.
Vor einigen Wochen hat man in der Stadt schon damit begonnen die Straßen mit Lichterketten zu dekorieren. Anfangs dachte ich mir noch, dass die hier wohl unglaublich zeitig anfangen werden die Beleuchtung anzuschalten und dass ich schon Mitte November das Gefühl haben werde, dass morgen Weihnachten ist. Aber die fingen so zeitig an, weil sie irgendwo hier in er Nähe wohl einen Hangar mit Beleuchtung voll gestellt haben. Soll heißen, dass ich mir fast sicher bin, dass Tours gut ein Drittel der Lichterketten der Welt besitzt.
Des Weiteren scheint man in Frankreich den ökonomischen Wert von Weihnachtsmärkten erkannt zu haben. Das gehört nämlich nicht zu den traditionellen Weihnachtseinrichtungen hier. Aber seit einigen Jahren hat sich auch dieser Brauch eingebürgert.
Freitag war es dann so weit.
Der Weihnachtsmarkt wurde eröffnet. Da durften wir natürlich nicht fehlen.
Den ganzen Tag sich auf den Glühwein freuend, machten wir uns nun in voller Vorfreude auf Leckereien und unglaublich viel Vin chaud auf in die Innenstadt.
Da sah ich ihn dann. Den Tannenbaum von Tours. Ich war sprachlos.
Selten sah ich weniger schönes. Aber ist ja alles Geschmacksache.
Also nix wie auf zum ersten Glühweinstand um den Baum runterzuspülen.
Da wir ganz viele Glückskinder sind, bot uns auch die erste Bude denselben an. Also nix wie kaufen, nehmen, trinken ... iiiiiiiiihhhhhhhhh! Selten trank ich weniger süßes!
Aber noch war ja nicht des Tages Abend. Also weiter.
Aber wo waren die Weihnachtssachen? Ketten kann ich hier doch überall kaufen. Genauso wie komische Figuren, Lampen und so weiter. Kurz: ein ganz normaler Krempelmarkt auf dem es absolut nichts weihnachtliches gab.
Bis auf einen so ähnlich wie Lebkuchenstand und den Weihnachtsmann mit einem Gnom wusste ich nicht, was in aller Welt das mit einem Weihnachtsmarkt gemein haben sollte.
Zu unser aller Unglück gab es dann auch noch nicht mal kulinarische Schweinereien. Soll heißen, dass wir uns mit nem Crepe abgespeist haben und wieder auf den Rückweg machten.
Und dann: alle Epileptiker Augen zu!
Die Beleuchtung wurde angeschalten. Ich glaube in Deutschland könnte man einige kleine elektrische Schwankungen gemerkt haben, weil die französischen Atomkraftwerke nun nicht mehr nach Deutschland exportieren konnten, sondern alles für Tours brauchten.
Von nun an leuchtet unsere Stadt in allen möglichen Farben. Hauptsächlich aber in einem Blau mit blinkenden Lämpchen. Mir fehlen die Worte. Ich kann nur Bilder sprechen lassen.

5 Kommentare:
Erinnert etwas an die Eifelturmbeleuchtung. Waren denn viele kreischende Engländer am Start?
nur weinende Deutsche.
der eifelturm war schon etwas beeindruckender... bomm gesagt er hat
ach ja und die tageslänge variiert nicht mit der westlichen oder östlichen länge, sondern mit der nördlichen/südlichen breite. oder liegt der Hase im erdrotationspfeffer?
bomm nochmal gesagt er hat
du hast natürlich recht mein lieber geographiebomm, meinte mit länger aber nicht die gesamtanzahl der stunden, da die tatsächlich auf der breite beruht, sondern, die Zeit des Sonnenuntergangs. Da die Sonne nämlich deutlich "näher" bei dir aufgeht, bedeutet das, dass du sie zwar eher siehst,morgen zum Beispiel von 7:45, aber eher auch wieder los bist (Morgen um 16:00). Das Zauberwort heißt Zeitverschiebung. Im Prinzip befinden wir uns sozusagen auf dem Nullmeridian, was eigentlich bedeuten würde, dass wir Englandzeit hätten, aber nicht haben und deswegen die Sonne uns ihr Antlitz erst ab 08:27 zeigt und sich um 16:55 schlafen legt. Das wollte ich ausdrücken. Das mit der Breite wusste ich auch.
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