Mittwoch, 31. Oktober 2007

Zuhause
Zuhause, schon bei dem Wort werde ich nostalgisch, lehne meinen Kopf zur Seite und bekomme ein komisches Gefühl im Magen.
Zuhause – Geborgenheit, Liebe, Verständnis, sich auskennen, Familie. Zum Glück ist es nicht so, dass ich ins Ausland muss, um zu realisieren, dass es das ist, was ich brauche. Ich wusste es vorher. Glücklicherweise kann ich mich ganz gut von solchen Gefühlen ablenken. Sonst würde ich wohl vor Sehnsucht und Heimweh eingehen. Aber so ist es ja nicht. Dennoch weiß ich, was ich habe. Jedenfalls verbrachte ich vier wunderbare Tage in Deutschland. Petrus erbarmte sich sogar meiner und schenkte mir Schnee. Nachdem ich hörte, dass er nicht so großzügig mit Tours ist, war ich schon etwas traurig, aber immerhin kann ich sagen, dass ich dieses Jahr schon Schnee sah. Superschön.
Im Gegensatz zur Fahrt nach Deutschland, verlief meine Rückkehr ohne jegliche Zwischenfälle. Die hätte ich wohl auch nicht ertragen.
Es fiel mir nämlich tausend mal schwerer nach Frankreich zurückzukehren, als im September. Aber das ist wohl normal.
Am ersten Tag hier lief ich rum wie Falschgeld und jedes Mal, wenn mich jemand auf meine Reise ansprach, kamen mir die Tränen. Aber wie gesagt konnte ich mich ganz gut ablenken und schon nach ein paar Tagen wurde alles besser. Ich hab mich in Dekorationsaufgaben gestürzt. So hab ich jetzt ein Zimmer, in dem ich mich wohl fühle und das ist doch schon mal ein guter Anfang.
Was habe ich sonst noch so gemacht?
Sonntag hatte ich einen Fresstag. Vormittags trafen wir (Italiener, Spanier und Deutsche) uns um einkaufen zu gehen, kochten dann alle zusammen in einer Küche und aßen bis nachmittags.





Als wir damit fertig waren und uns kaum noch bewegen konnten, nahem wir unsere Beine in die Hand und machten uns auf in die Stadt.

Ich fuhr von dort aus direkt wieder heim, weil wir bei uns noch eine andere Fete geplant hatten. Wir hatten nämlich den Abschied einer unserer Mitbewohner zu feiern. Das endete in einem großen Wodka-Ahoi Gelage. Wichtige Sachen, wie Brausepulver mit Schnaps müssen ja raus in die Welt. Und dann noch dazu Waldmeistergeschmack. Das kennen hier nämlich genauso wenig Leute, wie Brausepulver an sich. Als wir unsere Flasche dann endlich geleert hatten, sämtliches Pulver verschossen war, ging es weiter mit Rum und Whiskey. So jung kamen wir ja nie wieder zusammen. Also: war es das was wir taten, erzählen, trinken. Sehr witzig.



Diese Woche ist so etwas ähnliches wie Ferienwoche. Morgen ist Frohenleichnahm, der Grund warum wir Donnerstags keine Uni haben. Dieser Feiertag ist der gleiche Grund, warum wir Freitag keine Uni haben – Brückentag. Ja, und den Rest der Woche habe ich auch keine Uni gehabt, weil es eben einfach so war. Montag war ich von um eins ab in der Uni, um zu merken, dass mein Kurs halb zwei ausfällt. Dafür habe ich dann auf meinen Kurs um fünf gleich in der Stadt gewartet, nur um herauszufinden, dass auch dieser nicht stattfindet. Also, nix wie heim.
Gestern gingen wir mit Cedric das letzte Mal für ihn in die Mensa gegangen. Wir haben hier bei den Wohnheimen gleich eine Mensa, die wirklich um Welten besser ist, als in der Stadt. Darum werd ich nicht mehr in der Stadt gehen. Ich rebelliere. Irgendjemand muss ja schließlich mal ein Zeichen setzen. So kann das doch nicht weitergehen. Also wirklich. Hier bekommt man: a) größere Portionen, b) besseren Service, c) besseres Essen für d) den gleichen Preis.
Nach dem Essen sind wir dann noch zu dritt mit dem Bus in die Stadt gefahren. Dieser ist auf halber Strecke irgendwo in der Pampa stecken geblieben. Abends fahren nämlich nur noch zwei Busse, die die ganze Stadt abklappern. Also saßen wir so ne halbe Stunde fest. War aber auch nicht weiter schlimm, weil uns ein anderer Bus abholte.
Plus auf der Heimfahrt war die gleiche Fahrerin am Steuer, die ich davon überzeugen konnte, dass ich nun nicht mehr bezahlen brauch, weil ich ja schließlich vorher auf sie warten musste. Das sowas auch mal klappt, hätte ich nicht gedacht.
Irgendwann heute morgen um fünf Uhr fand ich mich dann auch mal in meinem Bett wieder, dass ich dann aber schon auf zehn wieder verließ, weil ich ja nix verpassen will. Dementsprechend gut sehe ich im Moment wahrscheinlich aus. Aber auch nicht so schlimm, weil schlafen kann ich ja immer noch.

Samstag, 27. Oktober 2007

Fahrt nach Deutschland

So, war ich also letzte Woche zuhause.
In einem vereinigten Europa sollte man doch davon ausgehen können, dass so eine Fahrt von Tours nach Plauen nicht sonderlich viele Probleme aufwirft. Aber: Pustekuchen!
Nachdem mir bekannt wurde, dass in Frankreich die Lokführer am 18.10. streiken würden, hab ich mir ja noch keine Gedanken gemacht, weil am 18. mein Nachtzug Frankreich schon verlassen hätte.
Nichts Böses ahnend , kontrollierte ich also am Dienstag nachmittag vor meiner Abreise meinen e-mail Posteingang, und siehe da: die Bahn schreibt mir in einem nicht weniger schlechten Deutsch, als es manch deutsche HipHopper zu Tage legen, dass sie auf Grund des französischen Streikes leider nicht fahren können und dass ich mein Ticket an den Kundenservice zurück geben soll. Das wars.
Also musste ich den unglaublich steilen Berg zu mir nachhause hoch, um mein Ticket für den TGV zu holen, den ich jetzt nicht benutzen konnte, jedoch umtauschen musste. In der Zwischenzeit fiel mir auf, dass ich noch viel zu wenig Schimpfwörter auf Französisch weiß, um meinem Ärger adäquat Ausdruck zu verleihen. Mein Mitbewohner wollte mir auch nicht weiterhelfen, weil man ja solche Wörter nicht sagen darf. Also griff ich auf mir bekannte Worte zurück. Wenn es denn sein muss, dann schimpf ich eben auf Deutsch und Englisch über die Bahn. Bevor ich wieder in die Stadt fuhr brachte ich noch in Erfahrung, wann ich meine Schwester stören kann, weil ich den Plan fasste, dass es besser sei nach Frankfurt zu fahren, als noch quer durch Deutschland zu cruisen. In der festen Überzeugung, dass ich vor 16.00 in Frankfurt sein sollte, ging ich also zum Bahnhof, zog mir ein kleines Ticket und wartete. In der Zwischenzeit unterhielt ich mit mit einem netten alten Mann über das Wetter, weil er nicht auf mein Schimpfen auf die Bahn eingehen wollte. Als ich dann auch irgendwann an der Reihe war, erwischte ich glücklicherweise einen sehr verständnisvollen, geduldigen Bahnangestellten, wie man ihn sich nur wünschen kann. Er ging auf all meine Sonderwünsche ein und schaute sämtliche Verbindungen nach, die man sich nur vorstellen kann. Nach ungefähr einer Stunde einigten wir uns, dass ich unmenschlich zeitig 6.13 Uhr in Tours losfahren müsse und für nur 125 Euro nach Frankfurt gelangen würde. Um einiges Geld und Zeit erleichtert erledigte ich noch einige Einkäufe, weil die Milchprodukte hier nun wirklich unschlagbar sind. Und da kam mir die Eingebung ... Ich musste zwar 16.00 in Frankfurt sein, aber nicht Mittwoch, sondern Donnerstag. Wie durcheinander kann man denn nun sein? Nach kurzer Überlegung und immer das Damoklesschwert von 6.13 Uhr über mir hängend sehend, entschied ich mich den netten Mann am Bahnhof noch einen Besuch abzustatten und alles wieder umzubuchen.
Der hat auch gleich noch eine Extraschicht für mich eingelegt. Nicht nur, dass er nachdem er seinen Schalter schon schloss mich noch drannahm. Nein, er pfiff auch auf meine Nummer, die ich zog und zog mich allen anderen vor. So stell ich mir das vor. Supi! Also suchten wir eine spätere, billigere Verbindung heraus, die mich nicht mit dem TGV, sondern mit dem Bummelzug nach Paris bringen sollte. Von Paris aus fand er eine Verbindung nach Köln mit dem Thalys für mich, die in der ersten Klasse billiger war, als in der zweiten Klasse. Da sag ich doch nicht Nein! Nur das Ticket von Köln nach Frankfurt konnten wir nicht buchen, da er meine BahnCard nicht mit berechnen konnte.
Abends haben wir noch einen kleinen Abschiedsumtrunk gestartet.
Am nächsten Morgen fuhr ich also zum Bahnhof um zu merken, dass ich nicht noch mal auf mein Ticket schaute und mein Glauben, dass mein Zug in Tours um 8.30 Uhr losfahren würde, sich als Trugschluss herausstellen würde. Mein Zug fuhr eben nicht 8.30 Uhr, sondern 8.13 Uhr. Immerhin auch eine Drei in der Zahl, aber eben nicht an der richtigen Stelle. Ich kam also 8.15 Uhr am Bahnhof an und suchte meinen Zug auf der Anzeigetafel, auf welcher ich ihn nicht fand. Meine Eingebung, auf mein Ticket zu schauen, brachte mich auch nur insofern weiter, als dass ich nun wusste, dass mein Zug vor zwei Minuten abfuhr. Was nun? Auf zum Schalter – umbuchen. Doch TGV. Auf den musste ich noch eine Stunde warten, er kam allerdings eher in Paris an, als mein eigentlicher Bummelzug. 15 Euro Lehrgeld. Demnächst besser vorher noch mal auf das Ticket schauen. Ich hab es kapiert. Aber von da an hat alles supi geklappt. Von Paris hab ich genau nix gesehen, in meinem erste Klasse Zug saßen nur Geschäftsleute um mich, denen mein Rucksack wohl eher befremdlich vorkam. Auch die Zugbegleiterin sah mich eher mit Argwohn an. Aber nicht schlimm. Immerhin gab sie mir anständig mein Menü, mein Erfrischungstuch, meine Mahlzeit und Wein! Das alles im Preis inbegriffen. Besser als im Flugzeug. Das beste war, dass nach jedem Stopp wieder jemand durchkam und einen von Neuem bediente. So kam ich zu noch mehr Wein und lauter süßen Kleinigkeiten. Lecker, lecker.

In Deutschland angekommen ging ich als erstes aus dem Bahnhof raus und fotografierte mich mit dem Kölner Dom im Hintergrund. Wie praktisch einen Hauptbahnhof direkt neben die Hauptattraktion einer Stadt zu bauen.

Als nächstes versuchte ich mein Ticket für den Nachtzug am Bahnhof zurückzugeben. Eine „freundliche“ Empfangsdame machte mich darauf aufmerksam, dass das nur online ginge, da ich das Ticket schließlich auch online kaufte und online und Schalter rein gar nichts miteinander zu tun hatten. Nach meiner Nachfrage nach dem Ticket nach Frankfurt bekam ich einen abfälligen Winker dem Automaten zu und konnte mit Fug und Recht wieder behaupten, dass die Bahn in Deutschland „bordélique“ ist. Im Zug saß eine Frau allein auf zwei Plätzen, nach meiner Frage ob der Platz neben ihr frei sei, nahm sie ihre Tasche widerwillig von meinem zukünftigen Platz und atmete tief durch. Ach wie freundlich Menschen doch sein können. Am Telefon mit ihrem Mann machte sie ihrem Unmut über volle Züge auch deutlich Ausdruck und ich fühlte mich sehr wohl neben ihr. Schräg vor mir saß ein älterer Mann, der sich unbeobachtet fühlte und in einem kleinen Pornoheft blätterte, dass er in einem anderen Hefter versteckt hielt. Und ich hatte niemand neben mir, mit dem ich dieses Ereignis teilen konnte, weil die Frau viel zu böse war um so viel wie ich lachen zu dürfen. Nachdem der ältere Mann sich dann entschied, dass er nun auf Toilette müsse, fasste ich den Entschluss, dass ich so sehr ich auch müsse, ich nicht in diesem Zug auf Toilette gehen würde.
Kaum zu glauben, aber irgendwann kam ich dann auch in Frankfurt an und erwischte auch gleich die erste S-Bahn nach Hattersheim zur Anki (meine Schwester). Dort angekommen, wusste ich, dass sie noch nicht da sein würde und so entschied ich mich zu ihr zu laufen. Immerhin saß ich nunmehr fast 11 Stunden. Wie es so sein muss, verfehlten wir uns. Aber zum Glück gab es ja einen Mr. Bell, der vor langer Zeit das Telefon erfand und irgendwer begnadigte uns weiter und schuf ein Handy.
So viel erst mal für jetzt. Die Zeit Zuhause heb ich mir für das nächste Mal auf. Ihr müsst das ja auch alles lesen.
Aber was ich gleich noch sagen wollte, ich hab mein Zimmer umdekoriert. Jetzt ist es endlich fast richtig gemütlich.





Bin noch nicht ganz fertig, aber immer mit der Ruhe.

Dienstag, 16. Oktober 2007

wie gewollt

So, ich bin es mal wieder.
Neuigkeiten müssen ja schliesslich unter die Menschen gebracht werden.
Hatte mein Familienwochenende.
War auch alles, was ich mir vorher wünschte. Ein Bett, in dem man nicht ständig Angst haben muss hinauszufallen.

Ein Bad, ganz für mich allein. Sogar mit Toilettenbrille. Das muss man sich erst mal vorstellen, wie viel Glück ein Mensch haben kann. Eine Couch in der Wohnstube, die wohlgemerkt vor einem wohlgeheizten Kamin stand. Ein Fernseher, der sogar deutsches Fernsehen übertragen konnte, wenn man es denn hätte schauen wollen. Und als wäre das alles noch nicht genug, bekam ich sogar zwei ganz liebe Menschen, die sich rührend um mich kümmerten.
Auch wenn ich jetzt die meisten von euch schocken werde, die meisten, weil manche es schon wissen, ich muss jetzt was gestehen.
Ich esse hier in Frankreich wieder Fleisch. Hmmh, stimmt.
Irgendwie geht es hier nicht so wirklich ohne. Zu Frankreich gehört das Essen ja, wie zu keinem anderen Land. Und Frankreich ist anscheinend ganz weit vorn im Fleischessen. Also hab ich mit meinem Gewissen gesprochen und wir machten uns aus, dass es wohl sowohl freundlich als auch sehr weltoffen wäre, wenn ich wenigstens jede Spezialität, die mir vorgesetzt koste.
Das mach ich jetzt also auch. Soll heißen, dass ich in der Mensa nach wie vor davon absehe die Abscheulichkeiten zu essen, die die so mit Fleisch haben, weil es A sowieso keinem schmeckt, wie ich so in den Gesichtern lese und B nicht französisch ist.
So aß ich heute Mittag zum Beispiel Gemüse (wohlgemerkt wieder ohne Gewürz) mit Fisch (den ich glaub schon seit Wochen hier bekomme und Baguette. Die mit einem Klops gefüllte Frühlingsrolle und den mit Rindfleisch gespickten Reis hab ich dann doch lieber außen vor gelassen. Man muss es jetzt ja auch wirklich nicht übertreiben.
Aber dieses Wochenende hab ich dann doch wohl schon ordentlich zugelangt. So eine Völlerei hab ich schon seit Monaten nicht mehr gehabt. Und: ich fand es gut.
Freitag, 12. Oktober fuhr ich also nach Orleans (ja, das mit der Johanna) und wurde am Bahnhof von der Marianne abgeholt. Als wir dann zu ihr kamen, gab es gleich Mittag. Jippie!
Es gab Coq au vin mit Kartoffelauflauf, danach Käse und danach dann selbst gemachten Flan. Sehr französisch! Sehr lecker! Nachmittags legten Francois und ich uns etwas in die Sonne und hielten eine kleine Siesta francaise ab. Danach gingen wir an einem Nebenfluss der Loire, der Loiret, spazieren.
Nachdem wir wieder heim kamen, spielten wir Brettspiele. Auch das erste Mal, dass ich das hier wieder tat. Abends aßen wir dann eher Deutsch zu Abendbrot, weil wir ja wirklich viel zum Mittag hatten. Sozusagen schon mal das volle Verwöhnprogramm. Und dann: auf der Couch sitzen und fernsehen. Mal nicht auf einem harten Stuhl oder im Bett sitzen. Kaum zum aushalten. Plus dann noch schlafen in einem richtigen Bett.
Samstag haben wir ganz ruhig angehen lassen und erst mal ein bisschen gefrühstückt. Danach lasen Francois und ich Zeitungen, während Marianne sich ans Mittag kochen machte. Natürlich war ich auch ein guter Gast und fragte immer nach, ob ich helfen könne. Dem war aber nie der Fall. Also las ich auch weiter.
Zum Mittag gab es Kaninchen mit französischer Senfsoße, dann wieder Käse und danach eine selbst gemachte Mousse au chocolat. Wie lecker.
Nachmittags gingen Marianne und ich dann in die Stadt um ein bisschen Orleans zu bestaunen und uns zu fragen, wie viele Schuhe die Franzosen eigentlich brauchen. Jetzt mal ehrlich. So viele Schuhgeschäfte auf einen Haufen gibt es in Deutschland nicht. Aber hier gibt es im allgemeinen meiner Meinung nach sowieso viel mehr Geschäfte, als bei uns. Wie genau die sich jetzt am Leben erhalten weiß ich jetzt auch nicht, aber soll mir ja auch egal sein.
Waren aber auch an historischen Stätten: in der Kathedrale, dem Museum der Jeanne d'Arc und an ihrer Statue.

Erledigten dann noch ein paar kleinere Einkäufe und gingen wieder heim. Da schauten wir wieder fern und aßen lecker zu Abend. Es gab foi gras – Gänseleberpastete – die französische Spezialität schlechthin, danach aßen wir Ravioli, nicht ganz landestypisch, dafür aber lecker und zum Nachtisch gab es eine kleine Zusammenstellung kleiner Küchlein vom Bäcker. Wie man also sehen kann. Essen, Essen, Essen.
Sonntag morgen fuhr ich dann wieder nach Tours, weil ich ja das Fahrradrennen sehen wollte. Musste deswegen gleich mal vier Kilometer nachhause laufen, weil die Busse nicht normal fuhren und ich mir ja auch die Strecke anschauen musste.
Nachmittag war also das Rennen. Ist jetzt nicht so spektakulär, weil die ja innerhalb einer Sekunde alle an einem vorbei sind. Dafür kann man hinterher die Busse der Fahrer belagern. So bekam ich auch Erik Zabel vor die Linse. Das ist doch mal was. Auf jeden Fall. Fand ich gut.





So, das war jetzt mein Wochenende. Jetzt bleibt mir nur noch zu warten, dass endlich Mittwoch ist und ich in den Zug steigen kann und die dann auch alle fahren. Dann ist alles gut.

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Familie

Nicht nur, dass es nächstes Wochenende endlich wieder Familie gibt, nein es ist schon morgen so weit. Morgen früh fahre ich zur Marianne nach Orlèans. Ich freue mich schon wahnsinnig, weil ich, obwohl ich hier immer viel zu tun habe und auch stets versuche Menschen um mich herum zu versammeln, es doch sehr vermisse Familie um mich herum zu haben. Mich einfach mal auf ein Sofa zu setzen und dem Fernseher zu lauschen oder vertraute Menschen um mich herum zu haben. Bin wohl doch mehr ein Familienmensch. Ausserdem hege ich die Hoffnung, dass ich morgen mal so ein richtig feines Mal vorgesetzt bekomme. Das Mensaessen hab ich nämlich schon kräftig satt. Gestern gab es Linsen mit Broccoli und Fisch, heute gab es Bohnen mit Möhrchen und Meeresfrüchte in einem Ragoutblätterteig. Und alles wahnsinnig wenig gewürzt. Kein Wunder das die Mensa so klein ist und das die Studenten von hier lieber ihr Mittag zu Hause verbringen.
Diese Woche, genauer gesagt Dienstag habe ich noch ien anderes Kunststück vollbracht. Ich war auf einem Konzert. Bin mit Alex hingefahren, als wir dort waren fing es an zu regnen, ich merkte dass ich meine Karte vergass. Musste ich also im Regen wieder heim fahren und meine Karte holen. Auf dem Weg zum Konzert zurück bin ich wieder fast hingeflogen, weil es noch mehr regnete. Und dann: Wir schafften es auf ein Konzert in Frankreich zu gehen, einer deutschen Band. Was der Band keinen Abtrieb geben soll, weil die nämlich sehr sehr unglaublich spitze waren. Haben beim "Zugabe" schreien sogar die Franzosen im Saal davon überzeugt, dass man laut auf deutsch schreinen kann. Nach dem Konzert haben wir uns noch kurz mit ein paar Leuten der Band unterhalten. Der Alex ist noch ein Stück dort geblieben und ich machte mich wieder auf den Weg durch den Regen. So war das mit dem Konzert der MardiGrasBand.
Ach ja: ich hab morgen Familie!!!!!!!!!!!
Nächste Woche zumindest schon mal in Frankreich Glück, weil ich Mittwoch hier los fahre und die Bahn am Donnerstag streikt. Jetzt hoffe ich nur noch auf die Kooperation der DeutschenBahn und dann ist der Hinweg zumindest schon mal gerettet. Was will man mehr?

Dienstag, 9. Oktober 2007

Wochenende

Ja, es war mal wieder so weit. Eine Woche war vergangen, das Ende der ihrigen stellte sich ein. Ich nutzte meine Zeit wie ich finde auch mehr oder weniger sinnvoll, wie man das an einem Wochenende eben so macht. Freitag Abend waren wir bei Freunden in der Stadt in einem anderen Wohnheim und haben uns dort über Gott in Frankreich unterhalten. So oder ähnlich ging glaube der Spruch. Die meisten sind danach noch in die Diskothek gegangen, ich zog es aber doch eher vor nach Hause zu fahren und mein verkrustetes Kinn nicht unter tausend Make-Up beschmierten Gesichtern auffallen zu lassen. Hab mich dann wie so oft in die Küche zu Cédric und Taleb gesetzt und mich mit ihnen bis ca. früh um vier unterhalten. Samstag stand ich trotz kurzen Schlafes schon zeitig auf, um auch mal etwas für die Uni zu tun und um meine Wäsche zu waschen. Das war sehr wichtig. Kleidung ist nämlich in einem Schrank selbst in Frankreich nicht unendlich. Schade, aber wahr. Nachmittag hatte ich dann genug von meinen neun Quadratmetern und fragte Cédric, ob er eine kleine Radtour mitmachen will. Er war auch gleich dabei und so sind wir die Chér flussabwärts gefahren. Sind da wieder an Villandry vorbeigekommen, aber diesmal nicht rein. Hatten uns überlegt, dass es wohl das Beste wäre, wenn wir einfach mal noch bis zur Loire fahren, dann auf der anderen Seite der Loire zurück. So fuhren wir bis nach Langeais und passierten dort üdie erste Brücke, die uns wieder über die Loire ließ. Leider gab es auf der Seite der Loire keinen Radweg, weswegen wir wieder umkehrten und die 25km, die wir hin sind, auch wieder zurück fuhren. Obwohl die gleiche Strecke, war es doch erstaunlich, wie anders alles von der anderen Seite aussah. Haben dann noch in einem kleinen 3-Häuser-Dorf Halt gemacht, weil eine Karte uns auswies, dass dort eine Sehenswürigkeit existieren würde. Leider fanden wir bis auf einen Ziegenkäseladen gar nichts. Also wieder weiter zurück. So schrubbten wir in vier Stunden 50km ab und waren noch kurz in der Stadt. Fand ich ganz ordentlich. Nicht Tour-de-France-esk, aber ordentlich. À propos Tour de France. Am Sonntag endet hier in der Stadt ein berühmter Radrenn-Sprint-Klassiker. Ich werde natürlich an der Strecke stehen und die ganzen Größen des Radsports begrüßen. Also wer Tours mal im Fernsehen sehen möchte, Eurosport überträgt Sonntag den 14. Oktober das Rennen ab 15.15Uhr. Vielleicht werdet ihr mich an der Strecke stehen sehen. Hihi
aber soviel dazu.

Sonntag waren wir in Amboise, was ungefähr 25km flussaufwärts gelegen ist. Sind ganz gemütlich mit dem Auto von Swantje dort hingefahren, weil wir mal nicht so viele Menschen waren und somit auch mal in ein Auto zusammen passten.


Zunächst haben wir uns das Schloss angesehen, das unter Napoleon leider zerstört wurde, aber immerhin sind noch einige Reste übrig. In einer kleinen Kapelle dort befindet sich vermutlich das Grab von Leonardo da Vinci, der seine letzten drei Jahre in Amboise verbrachte.

Stichwort Leonardo da Vinci: nachdem wir das Schloss sahen, gingen Swantje und ich noch in die Altersresidenz vom Leo und ließen seinen Geist auf uns wirken.
War wirklich ganz schön gemacht dort. Zunächst konnte man sein Haus besichtigen und im Keller waren dann einige seiner Erfindungen ausgestellt.
Armer Leo. War seiner Zeit doch viel zu weit voraus. Viele seiner genialen Einfälle konnten einfach noch nicht realisiert werden, weil die nötige Technik nicht vorhanden war. Das muss doch mal frustrierend gewesen sein. An das Haus angeschlossen befand sich noch ein großer Garten, in dem die Erfindungen dann in groß und funktionierend ausgestellt waren. Sehr interessant. Hat mir wirklich sehr gut gefallen.

So haben wir uns Amboise angeschaut.
Ein wirklich sehr schönes, kleines, lebenswertes Städtchen.

Freitag, 5. Oktober 2007

plümps

Will ich nur mal wieder die Neuigkeiten hier berichten.
Es gibt doch einiges Neues. Zunächst: ich habe mir ein Fahrrad zugelegt.
Nachdem meine Buskarte bis genau zum letzten Tag des Monats gehalten hat und man noch nicht mal einen Tag hatte seine Karte in der Stadt für den neuen Monat freizuschalten, war es wirklich Zeit. Immerhin kostet die Monatskarte 27 Euro und die einzelne Fahrt 1,20€. Da hab ich mir kurzerhand eine Karte der Stadt angeschaut, mich im Internet darüber informiert, wo sich der nächste Decathlon (eine wirklich unglaublich große Sportwarenkette) befindet und gewartet, bis ich Zeit habe. Dienstag war es dann so weit. Vormittags hatte ich Uni und zwischendurch ward mir massig Zeit zum Fahrradkauf gegeben. Ich setzte mich also kurzerhand in einen Bus, der mich ungefähr in meine Richtung brachte und stieg an der Endhaltestelle aus. Intuitiv lief ich auch richtig, leider war der Laden aber so weit weg, dass mich zwischendurch der Mut verließ, überhaupt irgendwann einmal etwas zu finden. Also drehte ich wieder um, um jemanden zu finden, der mir helfen konnte (befand mich so ziemlich am Ärmel der Welt in den Weiten eines gigantiesken Gewerbegebiets). Meine Hilfe schickte mich dann auf meinen Weg zurück, schnaufte zweimal und verriet mir, dass das ganze unglaublich weit weg sei. So mindestens zwei Kilometer. Ich konnte ihn aber davon überzeugen, dass ich schon ganz schön groß bin und wohl auch so weit laufen könnte. Also machte ich mich auf Schusters Rappen wieder auf um nun endlich den Laden zu finden. Kurzentschlossen wie ich so bin, hab ich dann auch gleich ein Fahrrad in meine Tasche gepackt und konnte mich ab dann stolzer Besitzer eines Fahrrades schimpfen.

Eines der großen Erfindungen der Menschheit. Leider fing es schon einigermaßen an zu regnen, als ich das Geschäft verließ. Aber Abenteurer ich, hatte natürlich Regenjacke und sogar Regenhose dabei. Da soll noch mal jemand behaupten, ich würde mich nicht vorbereiten. Pustekuchen. Ja, wie gesagt, keinen Stadtplan in der Hand, ohne Pfadfinderausbildung musste ich mich auf den Sonnenstand verlassen, der mich des Regens willen auch verließ. Nützt ja nichts, ich fuhr einfach meiner Nase nach. Stellte sich auch als goldrichtig heraus. Ich fand heraus, dass der Bus der normal eine halbe Stunde bis in das Gewerbegebiet braucht wohl einen unglaublichen Umweg fährt, wie das Busse nun einmal tun. Innerhalb von sieben Minuten wäre ich zuhause gewesen. Konjunktiv? Ja, WÄRE. Mir kam dann wohl noch ein kleiner Unfall dazwischen, bei dem ich Bekanntschaft mit französischem Asphalt machte. Und nichts für Ungut, aber der französische Asphalt ist hart.
Ich hatte ursprünglich versucht einer Pfütze zu entweichen, die einem See glich. Das wollte ich schlauerweise tun, indem ich auf den erhöhten Gehweg fuhr. Da kam ich auch an. Nur ohne Fahrrad. Ich blieb nämlich an der Kante hängen und entschied mich lieber auf den Gehweg, als auf die Nationalstraße zu fallen. Ich fing mich also zunächst mit Knien, dann mit Händen und schließlich mit Kinn ab.

Nur knapp der Ohnmacht entkommend stieg ich tapfer wieder auf mein neues Fahrrad, dass glücklicherweise heil geblieben war und fuhr nach kurzer Sammlungsphase weiter. Zum Glück war ich nicht allzu weit von zuhause entfernt. Dort angekommen klopfte ich zugleich bei meinem Mitbewohner, der gerade sein Medizinstudium abgeschlossen hatte. Dieser lachte zunächst herzlich und kümmerte sich dann um mich.
Ja, das ist meine Sturzgeschichte.
Bin aber schon wieder fleißig am fahren. Will ja keine Angst vor meinem Fahrrad entwickeln.
Was ist sonst noch so geschehen? Letzten Samstag waren wir im Kunstmuseum der Stadt. Da fand ich heraus, dass ich wohl eher eine Vorliebe für eigenartige Parkettkunst, alte Bücher und alte Möbel entwickelt habe, als für Bilder.
Denn vorzugsweise hielt ich mich lange an Bücherregalen auf. Nicht, dass mich Bilder gar nicht interessieren würden, aber mein Geschmack ist wohl speziell. Es gab zwei Bilder, die ich sehr interessant fand. Eins war das Bildnis eines Kindes, dass original aussah, wie die kleine rothaarige Tochter von Boris Becker. Hab die anderen gefragt, ob nur ich den Eindruck habe, aber sie befanden alle das gleiche. Ein anderes Bild war riesig groß, schlicht und mit Kreide gemalt. Es hieß: die Vergessenen und darauf war eine Mama mit zwei Kindern leidend im Park abgebildet. Leider hatte sich nur jemand überlegt, dass es eventuell sehr schön wäre, wenn man um dieses so schlichte Bild einen unglaublich pompösen Rahmen spannt. Wirkte leider nicht so vorteilhaft auf das Bild. Ja, das war mein Ausflug ins Museum der schönen Künste.

Dann haben wir diese Woche auch noch den Tag der deutschen Einheit zu feiern gehabt. Nachdem wir zunächst in der Uni waren, haben meine deutsche Mitbewohnerin und ich dann ein deutsches Menü gezaubert.

Es gab Kartoffel-Zucchini- Suppe, weil es für Kartoffelsuppe kein Suppengemüse gab und was ist eine Kartoffelsuppe schon ohne Sellerie und die ganzen Feinheiten. Als Hauptspeise gab es Gulasch mit Reis und den krönenden Schluss bildete Apfelmus.


Wir haben uns gut satt gegessen und alle davon überzeugt, dass wir anscheinend doch nicht nur Sauerkraut essen. Ist doch auch schon mal was. Obwohl ich ja sehr gerne mal wieder Sauerkraut essen würde. Aber dazu habe ich ja schon bald Zeit. Also: Sauerkraut, dunkles Brot, das länger als einen Tag gut ist. Das ist doch mal was. Ich hab mir jetzt auch mal Knäckebrot gekauft. Baguette ist echt lecker aber ich hab immer keine Zeit mir früh welches zu kaufen und das vom Vortag ist nicht zu genießen. Leider. Im Prinzip würde ich ja auch die ganze Zeit Baguette essen, geht aber wirklich nicht.
So, soviel erst mal zum Essen, Fahrrad.