Donnerstag, 20. Dezember 2007

tschuldigung

Die Vorfreude auf meinen Aufenthalt in Deutschland lässt mich wohl so wichtige Sachen wie meinen Blog vernachlässigen. Vielleicht schaffe ich es ja heute Nachmittag noch einen kleinen Vorweihnachtsblog zu schreiben.
Hab zwar noch einiges vor, aber man kann ja nie wissen.
Falls nicht wünsche ich allen fleissigen Lesern meines Blogs, die ja wie gesagt zur Zeit nicht so viel zu tun haben, ein wunderschönes Weihnachtsfest und falls wir uns nicht sehen natürlich auch nen guten Rutsch!
Liebe Grüsse noch aus Frankreich

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Koordination

So, nur noch 9 mal schlafen, dann geht es wieder nach Deutschland. Es wird aber auch langsam mal wieder Zeit. Ich brauch glaub ich wirklich Urlaub. Jeden Tag was anderes. Ich versuche mich so gut wie möglich bei Laune zu halten, aber besonders einfach wird es mir doch nicht immer gemacht.
Montag Abend ging ich voller Hoffnung das erste Mal seit nun doch schon 6 Wochen wieder in die Uni. Erfreulicherweise war das Zimmer zur Abwechslung auch mal geöffnet und es befanden sich auch Studenten darin. Was ein Wunder. Nachdem die Dozentin erschien verkündete sich uns die Nachricht, dass die Wahlfächer jetzt nun abgesetzt wurden und jeder seinen Schein einfach so erhält. Jeder? Nein, natürlich nicht. Ausländer dürfen einen Aufsatz schreiben. Immerhin können wir normalerweise diese Scheine bei uns benutzen. Ich aber nicht. Zum einen habe ich zur Zeit ein Urlaubssemester in Chemnitz, was bedeutet, dass ich mir nichts anrechnen kann, zum anderen würde mir auch keiner in Deutschland so einen Kinderkurs anrechnen. Also stritt ich mich kurz mit der Dozentin rum, die dann an meinen Koordinator verwies, mit welchem sie sich auseinander setzen will. Clever wie Fuchs, wie ich so bin, wollte ich dann Dienstag gleich noch mit meinem Koordinator sprechen, um die Situation so erklären zu können, dass ich alles Verständnis der Welt auf meiner Seite haben werde. Clever wie ich immer noch bin, wartete ich in der Uni auf die Sprechstunde der guten Dame von halb eins bis um drei im Internet surfend. Da fand ich so feine Sachen heraus, wie, dass es ab Morgen wieder einen Streik der Bahn geben wird.
Letztendlich kam ich an das Zimmer der guten Frau und: sie befindet sich irgendwo in der Pampa der Mongolei. Und das bis Mitte Januar. Warum sollte so einen Posten auch jemand bekommen, der seine Zeit in der Universität verbringt? Das wäre ja zu einfach.
Naja, ich hab mich jetzt erst mal mit der Sekretärin kurz geschlossen, die sich um die Situation kümmern will. Immerhin war sie auf meiner Seite.
Ansonsten kann ich auch erfreuliches berichten.
Ich wurde mit ganz vielen feinen Päckchen hier verwöhnt. Das ist doch Honig auf die geschundenen Seele.
So wurden mir feine Kekse und Weihnachtsdekoration zu teil.

Lieb, wie ich nun einmal bin, teile ich auch fein auf meinem Gang und mit den anderen Streikgequälten. So veranstalteten wir letzte Woche zum Beispiel ein kleines Kaffeekränzchen. Hab aber nicht alle meine guten Plätzchen freigegeben, sondern auch noch Lebkuchen bei Lidl dazu gekauft. Glücklicherweise hat sich diese Kette zu einer reinen Weltmarke entwickelt, was bedeutet, dass man hier zumindest Lebkuchen kaufen kann. Lecker.
A propos lecker. Ich werde heute mal wieder eine leckere heiße Schokolade mit Marshmallows drauf trinken. Yeah!!!

Mittwoch, 5. Dezember 2007

streike sich wer kann

Wenn man Franzosen fragt, was für sie jetzt typisch französisch sei, wird wahrscheinlich eins der ersten Bemerkungen irgendetwas mit « la greve » sein. Das heißt der Streik und ich muss sagen: er hat recht.
Seit gut fünf Wochen wird unsere Fakultät bestreikt. Jede Woche ein Ende in Sicht, aber das wiederum auch nie wirklich.
Donnerstag letzte Woche beschloss der Präsident der Universität, wie man das hier so schön nennt, dass die Abstimmungen undemokratisch seien, und er jetzt demokratischer Weise mal festlegt, dass Freitag das Gebäude ganz abgeriegelt wird und Montag dann der normale Unibetrieb wieder startet.
So demokratisch, so gut.
Es bürgerte sich nämlich ein, dass keine Studenten mehr in der Stadt sind. Für den Präsidenten hieß das wohl, dass alle schon ihre Weihnachtsvorbereitungen treffen und ihre Freizeit genießen. Menschen, die versuchen sich mehr in die Studenten hier herein zu versetzen machen sich allerdings eher Sorgen um Resignation einer Jugend, als um Feten, die vorbereitet werden.
Also kurzum, keinen Professoren bescheid gesagt, die dann Freitag, so hab ich mir sagen lassen vor verschlossener Tür standen und erst mal das ganze Stühle- und Bänkechaos wieder aufgeräumt.
Besonnen, wie die Präsidenten dieser Nation sind, wollte er dann die Tore Montag Morgen öffnen. Zu dieser Uhrzeit hatten sich aber bereits schon zweihundert Streikende eingefunden, die eine erneute Blockierung der Fakultät erreichen wollten. Also kurzum einen Bus voller Bereitschaftspolizei und noch ungefähr 50 normale Polizisten gerufen und mal sehen, wie man die kleinen Studenten weichgeprügelt bekommt.
Nebenbei verschafften sich in den frühen Morgenstunden wohl auch noch 20 Studenten Zugang zur Bibliothek, in der sie sich einschlossen.
Kurzum, das Gebäude wurde wieder evakuiert, abgeriegelt und blieb auch Dienstag geschlossen.
Heute, Mittwoch sollte alles wieder losgehen. Ging es auch, bis ungefähr um neun oder so. Alles offen. Problem: menschliche Sperren. Das heißt, das man zwei Eingänge der Universität nutzen kann, man aber nur bis zur ersten Treppe gelangt und dann vor einer menschlichen Mauer steht. Des weiteren kann man auch nur mit Studentenausweis eintreten, das sichern Securities ab. Da ich um 10.30 Uhr normal wieder Uni gehabt hätte, hab ich mich auch pflichtbewusst mit meinem Fahrrad aufgemacht. Schon als ich in die Straße einfuhr, war die Straße von Bereitschaftspolizeiwagen gesäumt. Bereitschaftspolizei, die sehen aus wie Rambos in ihren Uniformen und haben Hand am Knüppel. Wartend, dass einer über die Stränge schlägt, freuen sie sich auf die nächste Schlägerei.

Ich warf einen kurzen Blick in das Gebäude, kam bis zur ersten Treppe, drehte wieder um, fuhr zum Bahnhof, kaufte mir mein Zugticket um Weihnachten nach Paris zu kommen, kaufte mir noch zwei Zeitungen um zumindest die Sprache weiter zu lernen und machte mich wieder auf zu mir.
A propos Zugticket. Das kaufte ich mir in der Hoffnung, dass es mal keinen Streik geben wird. Das ist nämlich auch noch nicht sicher. Es wurde schon gemunkelt, dass es gut möglich sein kann, dass um Weihnachten mal wieder gestreikt wird. Aber ich dachte mir, Ticket haben kann ja nie schaden. Umtauschen funktioniert ja sehr gut und somit ist das ja noch kein Problem. Ich bleibe erst einmal tiefenentspannt und harre der Dinge die da kommen werden. Was anderes kann man hier ja irgendwie auch nicht tun.

Montag, 3. Dezember 2007

ho ho ho

Es ist mal wieder diese Zeit des Jahres.
Die Tage sind ja schon relativ kurz, obwohl sie hier etwas länger gehen, da wir uns doch deutlich weiter im Westen befinden, was bedeutet, dass die Sonne später untergeht. Das bedeutet wiederum, dass wir länger das Tageslicht genießen können. Und da wir als Studenten nicht zeitiger als nötig aus dem Bett bequemen, macht es uns wenig aus, dass es später hell wird. Im Gegenteil, wir können länger die unsere Träume schützende Dunkelheit genießen. Aber ich schweife ab. Eigentlich will ich ja nur sagen, dass es doch ganz stark auf Weihnachten zugeht.
Vor einigen Wochen hat man in der Stadt schon damit begonnen die Straßen mit Lichterketten zu dekorieren. Anfangs dachte ich mir noch, dass die hier wohl unglaublich zeitig anfangen werden die Beleuchtung anzuschalten und dass ich schon Mitte November das Gefühl haben werde, dass morgen Weihnachten ist. Aber die fingen so zeitig an, weil sie irgendwo hier in er Nähe wohl einen Hangar mit Beleuchtung voll gestellt haben. Soll heißen, dass ich mir fast sicher bin, dass Tours gut ein Drittel der Lichterketten der Welt besitzt.
Des Weiteren scheint man in Frankreich den ökonomischen Wert von Weihnachtsmärkten erkannt zu haben. Das gehört nämlich nicht zu den traditionellen Weihnachtseinrichtungen hier. Aber seit einigen Jahren hat sich auch dieser Brauch eingebürgert.
Freitag war es dann so weit.
Der Weihnachtsmarkt wurde eröffnet. Da durften wir natürlich nicht fehlen.

Den ganzen Tag sich auf den Glühwein freuend, machten wir uns nun in voller Vorfreude auf Leckereien und unglaublich viel Vin chaud auf in die Innenstadt.
Da sah ich ihn dann. Den Tannenbaum von Tours. Ich war sprachlos.
Selten sah ich weniger schönes. Aber ist ja alles Geschmacksache.
Also nix wie auf zum ersten Glühweinstand um den Baum runterzuspülen.
Da wir ganz viele Glückskinder sind, bot uns auch die erste Bude denselben an. Also nix wie kaufen, nehmen, trinken ... iiiiiiiiihhhhhhhhh! Selten trank ich weniger süßes!
Aber noch war ja nicht des Tages Abend. Also weiter.
Aber wo waren die Weihnachtssachen? Ketten kann ich hier doch überall kaufen. Genauso wie komische Figuren, Lampen und so weiter. Kurz: ein ganz normaler Krempelmarkt auf dem es absolut nichts weihnachtliches gab.
Bis auf einen so ähnlich wie Lebkuchenstand und den Weihnachtsmann mit einem Gnom wusste ich nicht, was in aller Welt das mit einem Weihnachtsmarkt gemein haben sollte.
Zu unser aller Unglück gab es dann auch noch nicht mal kulinarische Schweinereien. Soll heißen, dass wir uns mit nem Crepe abgespeist haben und wieder auf den Rückweg machten.
Und dann: alle Epileptiker Augen zu!


Die Beleuchtung wurde angeschalten. Ich glaube in Deutschland könnte man einige kleine elektrische Schwankungen gemerkt haben, weil die französischen Atomkraftwerke nun nicht mehr nach Deutschland exportieren konnten, sondern alles für Tours brauchten.
Von nun an leuchtet unsere Stadt in allen möglichen Farben. Hauptsächlich aber in einem Blau mit blinkenden Lämpchen. Mir fehlen die Worte. Ich kann nur Bilder sprechen lassen.