Montag, 24. November 2008

Chemnitzer Verbundklassifikation

Ich muss sagen, ich gehöre einer ganz seltenen Spezies an. Ich kann mich unglaublich gut ablenken. Heute musste ich ein Referat in Französisch halten. Ohne großartig angeben zu wollen, aber ich bin der französischen Sprache mittlerweile so gut mächtig, dass ich von meinem eigenen Thema gelangweilt war. Dies führte dazu, dass mich trotz relativ ambitionierten Vorstellungen von Vorbereitung, bei jedem Blick in meine Quellen das Gefühl von Unterforderung überkam.
Nachdem ich sämtliche Ablenkungsregister (bis auf das des Aufräumens) gezogen hatte, kam mir die ultimative Idee. Ich könnte unsere Bücher sortieren.
Gedacht, getan. Ich bin stolz zu behaupten, dass unsere Bücher nun nach zehn Kategorien und nach Autoren geordnet sind. Das führt dazu, dass Bill Bryson sich in mehreren Kategorien wiederfinden würde und die immerhin drei Ausgaben von Conrads „Herz der Finsternis“ nicht mehr zusammen stehen.
„Herz der Finsternis“ ... der Auftakt des wahrscheinlich erfolglosesten Literaturzirkels aller Zeiten, obwohl, immerhin wir entschieden uns für ein Buch, kauften es (Lesereihe der Süddeutschen Zeitung zum Dank) und drei von vier Mitgliedern des Zirkels lasen das Werk auch. Wenn ich darüber nachdenke, dann gab es wohl doch noch sehr viel erfolglosere Literaturzirkel. Aber was hilft es über verstreute Erbsen zu weinen.
Quintessenz: unsere Bücher stehen für mindestens zwei Tage da, wo sie hin sollen; mir fielen mindestens zwei Werke auf, die fehlen, weil ausgeliehen und: furchtbar langweilige Referate über Kinderthemen kann man auch am Abend vorher vorbereiten, da es wohl niemandem auffiel.

Freitag, 7. November 2008

Kühlschrankpoesie

Zu meinem Geburtstag bekam ich ein super Literaturgeschenk.
Kühlschrankmagneten mit ganz vielen Wörtern drauf, so dass man in 4 Sprachen kleine Nachrichten oder Gedichte schreiben kann.
Hier also eine kleine Kostprobe der poetischen Ambitionen, die seit neuem im Hause Kürschner/Schaarschmidt herrschen:

NICHT EIN FLÜGEL SEI TOT
TAUSEND HIMMEL MÖGEN FLIEGEN
VERLASS DIE NACHT IM GLÜCK
SCHWÖRE GANZ AUF'S LICHT
DER SOMMER LEBT IN IHM
STERBEN MAG WENIG SEELE VERLANGEN
SPÜR STILL DEIN LEID VERLIEREN
SCHENK MIR MEHR ZEIT

Gleich darunter steht noch:

WENN KUSS GEHEIMNIS

DU BIST Süß

GEDULD SCHMECKT ROT

Ja, so viel Kunst herrscht bei uns.

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Der heilige Gral

Auf gefühlten 1000 Seiten war Robert Langdon im Sakrileg unterwegs auf der Suche nach dem heiligsten alles heiligen. Nicht nur Dan Brown, sondern auch zahllose Ritter machten sich auf die Suche nach dem heiligen Gral. Und was soll ich sagen.
Mir wurde er gestern einfach so ausgeliehen.
Ja, ich bin über das Wochenende im Besitz des heiligen Grals.
Ich meine, ich habe mir ihn ja auch redlich verdient, nachdem ich schon im Louvre danach suchte.

Ich zitiere:
„Das ghd Keramik Styling-Eisen ist der heilige Gral unter den Stylingtools. Sein einzigartiger eingebauter Mikroprozessor leitet die Hitze nicht nur schnell weiter, sondern speichert sie auch effektiver. ...“

Nicht Maria Magdalena, also die Theorie des „sang real“ wird bestätigt, sondern Frisierkunst vom Feinsten. Das heilige Eisen kann man sogar kaufen. Für nur 144€. Das ist mir allerdings etwas unheilig. Deswegen ist er nur ausgeliehen.
Wollen wir hoffen, dass die Prieuré de Sion bis Montag nicht dahinter steigt.

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Kabelsalat

Gerade kam mir die hervorragende Idee, dass ich die Fotos, die ich am Wochenende schoss, doch einmal auf meinen Computer laden könnte. Kamera direkt neben mir, fehlte es nur noch an Einem. Ein Kabel zur Synchronisation. Da fing es an mein Problem. USB auf Mini-Firewire oder was auch immer. Davon sollte mindestens Eins im Haushalt sein, viel wahrscheinlicher aber an die Zehn. Also ging sie los die Suche. Ziel: ein weißes Kabel, ca. einen Meter lang. Gleich neben meinem Schreibtisch: eine Kabelkiste. Weiße Kabel: zuhauf. Ich griff nach einem: und ... Ich hatte einen kompakten Kabelknäuel in der Hand. Das Gleiche wiederholte sich an den anderen Plätzen, die zur Aufbewahrung von solchen Strippen eingerichtet wurden.


Ganz schlimm. Dabei: Ladegeräte von Mobiltelefonen, die schon seit Jahren nicht mehr zum Einsatz kamen, Kabel von Geräten, die es gar nicht mehr gibt und so weiter.
Vielleicht wäre es einfacher, wenn man von jeder Sorte immer nur ein Exemplar aufhebt und die Anderen weit weg schafft. Aber was ist, wenn ich doch mal zwei der eben genannten im gleichen Moment benötige?
Schwierig.

Montag, 22. September 2008

Pässe und so

In der Bundesrepublik Deutschland ist es normalerweise so, dass man Bundesdokumente nach Ablauf der Mindeshaltbarkeit wieder zurück geben muss. Das hat zur Folge, dass wir die doch viel zu großen aber durch Fotohologramme geschwängerten Persos bei Erhalt einer neueren Auflage, wieder abgeben müssen. Weg mit dem Foto, über das man sich seit Jahren schämt, weil man verkatert oder in schlechtester Laune beim Fototermin erschien.
Es gibt aber auch Ausnahmen. In einer Gesellschaft, die wohl, wie ich diese Woche erschrocken feststellte, keine kollektive Hinterlassenschaft haben wird, wird Nostalgie nämlich groß geschrieben. Dass man die unzähligen Stunden an Flughäfen zum Beispiel nicht vergisst, kann man seinen Pass mit den schönen Erinnerungsvisa nämlich behalten. Es wird zwar eine kleine unscheinbare Ecke herausgeschnitten, aber im Großen und Ganzen bleibt einem das gute Stück erhalten. Dieser im Prinzip glückliche Umstand kann aber auch zum Verhängnis werden.
Um Gespött und Gelächter zu vermeiden, werde ich keine Namen nennen.
Man sollte es tunlichst vermeiden seinen abgelaufenen Pass neben den neuen Pass zu legen. Es kann in solchen Fällen nämlich dazu kommen, das man nicht den zum reisen notwendigen, neuen Pass, sondern den mit Stempeln gefüllten, sonst jedoch unbrauchbaren Pass einsteckt. Passiert nie im Leben, denkt jeder. Aber das stimmt nur bedingt. Es passiert. Wenn, dann hoffentlich nur einmal pro Person, aber es passiert.
Auch ich kenne eine Person, der Genanntes zustieß. Besser noch, die besagte Person kopierte den abgelaufenen Pass sogar, für den Fall, dass dieser verloren geht. Leider wurde die Kopie auch nicht noch einmal angeschaut. Dieser Umstand hatte zur Folge, dass wir uns auf den Weg quer durch die Republik, auf nach Frankfurt machten um den richtigen Pass und damit einen noch einigermaßen zeitnahen Flug für die nicht genannte Person zu sichern. Nicht, dass es uns gestört hätte, aber Benzin ist ja auch nicht mehr eins der Billigen und so eine Tankfüllung kostet heute doch fast schon 100€. Ja, EINHUNDERT EURO. Man mag gar nicht darüber nachdenken, aber in Finanzkrisen-, Ölknappheits-, Hurrikan-, Kriegszeiten ist Benzin „billig“ wie nie. Vom psychischen Stress eines Menschen, der für seinen Urlaub den richtigen Pass vergisst, mal ganz abgesehen. Aber immerhin brachte uns das eine Nacht zu Gast bei meiner Schwester plus Schwager in Spe, plus Kennenlernen der Eltern des Schwagers in Spe, plus einen kleinen Ausflug in die schöne junge Bachstadt Arnstadt ein.
Also, an alle, die das hier lesen: schaut vor eurer Reise noch mal in den Pass! Oder bewahrt eure abgelaufenen Pässe nicht neben den Aktuellen auf! Ich hab übrigens auch erst neulich meinen alten Pass entdeckt. Ich muss schon sagen. Was in aller Welt hab ich mir nur damals bei der Frisur gedacht? Wegschmeißen werde ich ihn auch nach diesem kleinen Zwischenfall nicht, da auch ich ein gefühlsduseliger Aufbewahrmessie bin.

Montag, 21. Juli 2008

countdown minus 6

Der Countdown läuft. Die letzte Woche ist angebrochen. Ab jetzt ist sozusagen jeder Wochentag der vorerst letzte in Frankreich.
Wow. Elf Monate. Und die Zeit rennt unaufhaltsam. Schade. Aber auch schön.
Bin mir noch nicht sicher, wie gerne ich hier weg gehe. Das gute Wetter, das sich hier seit einiger Zeit doch relativ stabil eingestellt hat, macht es mir auch nicht leichter.
Aber alles hat nun mal ein Ende. Wie man von allen ach so schönen Faschingsfeiern bis zum Erbrechen mitgeteilt bekommt.
Auf zurück nach Deutschland. Zusammenfassung werde ich später liefern.
Letzte Woche erlebte ich noch eine halbe Stunde Nationalfeiertagsfeuerwerk. Ganz schön schön. Auch wenn ich allein war, konnte ich das Ganze nur genießen.
Jetzt bin ich dabei nach und nach die ganzen organisatorischen Dinge zu erledigen. Heute habe ich mich endlich von meinem Status als Student an der Uni hier verabschiedet, Mittwoch gebe ich das Zimmer ab, in dem ich eigentlich den ganzen Juli hätte wohnen sollen, Freitag löse ich mein französisches Konto auf. Freitag ist auch mein letzter Arbeitstag. Die zwei Monate Arbeit sind nun also auch wieder vorbei. Mit meinen Kolleginnen verstand ich mich sehr gut, manchmal waren die Aufgaben wohl nicht so ganz auf meine Fähigkeiten zugeschnitten, aber im Großen und Ganzen, fühlte ich mich auch dort relativ wohl.
Am Samstag fahre ich mit Ulla eine weitere Etappe der Tour de France anschauen und am Sonntag werden wir vielleicht das Finale auf der Champs Elysée sehen können. Da wissen wir aber noch nicht so recht, weil dieses Abenteuer mit dem Auto und Gepäck im Auto in Paris verbunden wäre. Das muss wohl überlegt werden. Aber mal sehen.
Ich werde jetzt erst mal meine letzte Woche genießen.

Samstag, 12. Juli 2008

Le Tour de France

Wie wir vielleicht alle schon gemerkt haben, läuft zur Zeit die Tour de France hier in Frankreich. Naja, sonst würde sie auch nicht so heißen. Ich ließ es mir natürlich nicht nehmen auch mal ein Auge live auf diese vollgepumpten Vollblutathleten zu werfen.
Hier das Resultat:

Montag, 7. Juli 2008

die unerträgliche Leichtigkeit des Alleinseins

Heute ist der Tag. Welcher Tag? Der Tag, nach dem ich allein hier sein werde. Als ich meine Praktikumsstelle im April annahm, war ich mir relativ sicher, dass ich zwei Monate hier in Grandmont ohne meine Freunde aus aller Welt teilen müsse. Immerhin hatten die meisten ihre Abreise für Ende Mai veranschlagt. Wie so mancher vielleicht weiß, ich bin nicht allzu gut darin allein zu sein. Warum, weiß ich auch nicht, aber ich weiß einfach nichts mit mir anzufangen. Zumindest nichts konstruktives. Also nutze ich so ziemlich jede freie Minute, um sie zu teilen. Aber zurück zu meinen zwei Monaten allein. Aus selbigen wurde nun eine Woche. Ja, eine Woche. Heute fährt Jegor nach Paris um dort vor Ort sein Glück auf Jobsuche zu versuchen. Jan ist diese Woche für einen Monat zurück nach Hause gefahren, von dem er nicht so recht weiß, wo das eigentlich ist. Er kommt aber wieder. Im August, um hier bei der Apfelernte anwesend zu sein und zu arbeiten.
So hatte die Arbeitssuchmisere der Anderen für mich etwas Gutes. Ich war nicht allein.
Im Moment freue ich mich aber auf meine Woche mit mir. Manchmal kommt es mir so vor, als sei ich seit September nicht mehr allein gewesen. Also werde ich die Woche für mich nutzen. Naja auch nicht die gesamte Zeit. Mittwoch fahre ich zu Lise, meiner Ex-Mitbewohnerin. Die Tour de France wird durch ihren Wohnort rollen und ich werde Live dabei sein. Jippie. Dafür habe ich auch schon einen freien Tag beantragt, der mir auf Grund des absolut plausiblen Grundes auch sofort genehmigt wurde.
Ach, ganz vergessen. Ich bin umgezogen. Von der einen Seite des Parks auf die Andere. Sehr komisch. Anstatt auf jeder Seite ein Gebäude offen zu lassen, müssen alle in die Gebäude, die wir noch zu Beginn des Jahres als Phantomgebäude betitulierten. Also packte ich meine Sachen das letzte Wochenende und verließ mein in der Zwischenzeit so liebgewordenes Zimmer am Montag. Und weil das so viel Spaß machte, half ich gleich noch drei anderen bei Gleichigem, so dass ich Montag Vormittag an vier Zimmerübergaben beteiligt war.
Jetzt habe ich also ein neues Zimmer in einem Gang, in dem alle nur einen Monat wohnen bleiben. Das scheint das Ganze etwas schwierig zu machen, da die Meisten nicht zu sehen sind und wohl für einen Monat nicht wirklich den Elan für Bekanntschaft machen finden. Also ist es fast schon gespenstig ruhig hier, was nicht immer wirklich schön ist. Aber naja. Immerhin, ab heute Nachmittag werde ich noch das Zimmer von Jegor haben. 15 m² oder mehr nur für mich allein, sogar mit eigener Toilette. Was ein Luxus. Das bedeutet, dass ich wohl im Laufe der Woche damit anfangen werde mein Zeug hier, dass bis jetzt nur zur Hälfte ausgepackt und verteilt ist, wieder einpacken werde und in mein Studio ziehen werde. Wenn ich allein oder mit Internet sein will, kann ich da hin, ansonsten wenn ich mir ganz sehr Mühe gebe, werde ich in meinem Gang an jeder Tür klopfen und fragen, ob jemand Zeit für mich hat. Klingt mir alles nach einem nicht allzu schlechten Plan.

Donnerstag, 26. Juni 2008

sich umziehen

So, jetzt ist es also so weit. Nachdem ich im September hier her kam und nun schon bis Juli durchgehalten habe, bleibt mir nur noch ein Monat in meiner Wahlheimat. Im Moment würde ich selbige lieber gegen jedes kleine Nest in Deutschland eintauschen.
Da kommen wir nun schon mal wieder super weit im Fußball und ich bin in Frankreich gefangen. Ja, gefangen. Ich hab noch nie so wenig Begeisterung für einen Sport erlebt. Unglaublich. Ich verstehe ja, dass die das Vorrundenaus Frankreichs nicht zur Europameisterschaftseuphorie beitrug, aber trotzdem. Ich verlange ja nicht viel, nur eine kleine Leinwand irgendwo in der Stadt, vor der man sich treffen kann und überteuertes Bier trinken kann. Aber nein, ich sitze in einem kleinen Raum, schaue mir nebenbei Spanien und Russland an und wünsche mir jedes Mal wieder, dass auch nur die Hälfte der Menschen im Voraus eine Dusche nimmt.

Gestern war ich aus Versehen in der Stadt. Zu meiner Überraschung, hatten die Schlussverkäufe angefangen. Schlussverkauf in Frankreich bedeutet wohl gleichzeitig, dass die Menschen ihren Volltrottelhebel umlegen. Von jetzt auf gleich steigt das Unfallrisiko in den Himmel, mit Tüten bepackte Menschen, die alles kaufen, das angeblich runtergesetzt ist, wissen vor lauter Kaufrausch nicht mehr, in welches Geschäft sie als nächstes gehen sollen und entscheiden sich intelligenterweise für einen kleinen Zickzacklauf auf der Hauptverkehrsstraße. Ich konnte mich also nur in meinem Schützengraben verstecken und auf das Ende der Ladenöffnungszeit warten. Das kommt hier glücklicherweise immer eher, als man denkt.

Ach ja, dann hab ich gestern auch noch das Deutschlandspiel gesehen. Mensch, Mensch, Mensch. Eine Deutsche, die von einem Tschechen in einem Raum von Türkei-fans sich behaupten muss. Und ich vertrag doch nicht so viel Geschrei.

Wer das Spiel sah, dem wird auch in Deutschland aufgefallen sein, dass es kein Fernsehbild aufgrund eines Gewitters im Satellit, oder so ähnlich, gab. Anstatt zu versuchen wenigstens noch einen Ton zu übertragen oder ähnliches, haben die Franzosen es vorgezogen eine kleine Reportage über das Aus der Franzosen bei der EM zu zeigen. Das war wohl das erste Mal, dass ich so etwas wie Abneigung gegen ein Frankreich empfand, dass von Technik nicht den leisesten Schimmer hat. Hmmh, der Kreis scheint sich langsam zu schließen.
Selbst wenn man ein Jahr wartet, ist das mit der Technik in einer angeblichen Industrienation immer noch auf dem gleichen mittelalterlichen Stand.
Aber noch geht es. Ab Montag werde ich wohl in einem Gebäude wohnen, das nur sehr spärlich über Funkempfang verfügt.
Ja, ich ziehe um.
Und wohin? Ins andere Ende des Parks. In ein Gebäude, über welches ich mich vor noch nicht allzu langer Zeit immer lustig machte, weil der Teil des Parks von uns für eine kleine Geisterstadt erklärt wurde. Ich werde also zum Gespenst. Angst. Dritte Etage. Weiter unten ging nicht. Die dritte Etage ist für die vorbehalten, die nur einen Monat dort wohnen werden. Wie schlau. Jeder, der nur kurz wohnt, darf hoch hinaus. Auf das auch möglichst viele Treppenstufen in möglichst kurzer Zeit benutzt werden.
Aber alles nicht so schlimm. Besser als unter der Brücke.
Dieses Wochenende werde ich also versuchen meine kleine Sammlung von unnötigen Dingen an einen anderen Ort zu transportieren. Das wird fetzig. Glücklicherweise sind noch ein paar Leute da, die mir helfen können. Und unsere Umzugs-Einkaufs-Wagen sind auch nicht allzu weit weg.
Alles wird gut!

Donnerstag, 19. Juni 2008

Nie mehr Krieg

Nun ist es also so weit. Ich will und kann behaupten Frankreich gesehen zu haben.
Nicht wirklich. Aber immerhin. Ich war in der Nord-Westlichsten Ecke dieses Landes. Wenn wir hinzukommend noch in Betracht ziehen, dass ich schon einige Male die Süd-Östlichste Ecke sah, dann kann ich mit Fug und Recht behaupten, Frankreich erforscht zu haben.
Hmmh, vielleicht ist das nicht wirklich möglich. Davon ausgehend, dass ich es noch nicht einmal schaffte mein Eigenes Land wirklich zu kennen, darf ich selbiges wohl auch nicht vom fast doppelt so großen Frankreich behaupten. Und überhaupt. Kann man ein Land überhaupt kennen. Wenn man es vielleicht einmal geschafft hat einen großen Teil davon zu sehen, hat sich das meiste in der ersten Ecke schon wieder so verändert, dass man von vorne anfangen kann. Da muss man nur mal den Malermeister vom „Blauen Wunder“ befragen. Der kann wahrscheinlich auch ein Lied davon singen.
Aber zurück zur Nord-westlichen Ecke Frankreichs. Letztes Wochenende war ich mit Steffi in Brest. Das an sich ist noch nicht besonders toll. Brest an sich ist nämlich so ziemlich hässlich. Und woran liegt es? Ja, genau. Der Zweite Weltkrieg. Um die Besatzung aus Frankreich rauszubomben, wurde die Stadt bis auf das unkenntlichste von den Alliierten zerstört. Demzufolge blieb nur noch ein verschwindend geringer Teil einer damals blühenden Stadt übrig. Dementsprechend kurz reichte uns auch jeweils ein Aufenthalt in der Stadt und wir entschieden uns, tagsüber immer zu fliehen. Unsere erste Flucht sollte per Boot erfolgen. Gleich nebenan im Atlantik sollen sich nämlich atemberaubend schöne Inseln befinden. Ganz von unserer Bootstourmission eingenommen, ging es ab zum Hafen, um sich mit Infomaterial einzudecken. Am nächsten Morgen standen wir auch entsprechend zeitig auf, um unsere Kreuzfahrt zu reservieren.
Leider waren wir nicht die einzigen, die auf diese hervorragende Idee kamen, was leider bedeutete, dass wir uns schon Wochen vorher um eine Reservierung hätten kümmern müssen. Das wiederum hätte bedeutet, dass wir schon Wochen vorher in Brest hätten sein müssen, um auf unsere Bootstour zu warten, was angesichts der schwer zu entdeckenden Schönheit der Stadt nicht einfach gewesen wäre, oder wir hätten es vorher wissen müssen, also in letzter Zeit schon mal in Brest sein müssen, was wiederum genau aus dem vorhergehenden Grund genauso wenig möglich ist.
Kurz und gut, da wir schon mal wach waren und die Sonne in ihrer vollen Pracht nur für uns schien, gingen wir kurzerhand, nicht ohne vorher noch bei dem ein oder anderen Bäcker für ein lecker Croissant anzuhalten, zum Bahnhof.
Dort angekommen, gingen wir zum erstbesten Busfahrer und fragten auf feine Touristenmanier, wo er denn hinfahren würde, wenn er jetzt nicht sein Arbeitsgerät steuern müsste und an einen Platz in die Nähe wöllte, der wunder wunderschön sei. Also gab er uns einen Tipp. Das gleiche wiederholten wir dann noch am Bahnschalter und so wählten wir unser Ziel. Le Conquet. Das sollte es nun sein. Unser ultimatives Frankreich Ziel. Der unschlagbarste Ort Frankreichs. Unser Mekka. Während wir auf den Bus warteten, zogen typisch bretonische Wolken auf, die uns nicht so ganz typische Sonne stahlen. Nichts desto trotz, ging es trotzdem los. Wir also auf zum Arsch von Frankreich.
Im Bus klammerten die Wolken sich schon immer mehr aneinander. Als wir ankamen, fanden wir ein wunderschönes, kleines Örtchen vor uns, das wirklich all das ist, was man sich so in der Bretagne vorstellen kann. Rauhe Küste, Boote, die bei Ebbe auf dem Trockenen liegen,

Fischer, die an ihren trocken gelegten Booten basteln und so weiter. Steffi und ich machten uns in alter Bergsteigermanier in Flip-Flops auf eine kleine Felseninsel zu umrunden. Schuldig! Ich hab die Dr.Vibram®-Regel missachtet. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es Vibram® Flip-Flops gibt. Wäre ne Idee, aber nicht klauen!
Unser Picknick genossen wir dann seelenruhig im feinen Nieselregen an einem kleinen Strand.
Die Inseltour beendeten wir dann mit einem kleinen Blick auf die noch stehen gebliebenen Schützenbunkerreste. Schon traurig, was Menschen so in die unberührte Landschaft gebaut haben, um alles abzuknallen, was an der Küste ankommt.

Nach einer Weile verwandelte sich der feine Nieselregen in ein waschechtes Sauwetter, so dass wir es vorzogen in ein wunderschönes kleines Café zu gehen, in dem uns eine suuuper freundliche Dame mit bretonischen Spezialitäten vewöhnte. Lecker Gebäck.
Den Abend nutzten wir dann um uns im Bett ein Picknick mit Käse und Wein zu gönnen und endlich mal wieder zu schlafen.
Sonntag weckte uns zum wiederholten Male die Sonne, die uns diesmal allerdings nicht mehr verlassen sollte. Auf dem Weg zum Bus, der uns an einen Strand außerhalb der Stadt bringen sollte, kamen wir am Wochenmarkt vorbei, auf dem wir uns nach eingehender Beratung für feine Sachen entschieden. Immerhin mussten wir mal wieder ein Picknick machen.
Den Sonntag verbrachten wir also am Strand in der Sonne.

Ja, es war sogar so warm, dass wir beide im Atlantik baden gingen. Ich gebe zu, es war schon verdammt kalt, aber immerhin hatten wir vorher auch den großen Mund, da mussten nun also auch Beweise her.

Unser Zimmer konnten wir in der Zwischenzeit behalten, da die Hotelbesitzerin nämlich viel Interesse an ihren Zigaretten zu Tage legte, aber weniger an der Zimmerreinigung. Und die Putzfrau kam auch erst Montag. Also durften wir auch an unserem Abreisetag unser Zimmer so lange behalten, wie wir das wollten.
Auf der Heimfahrt musste ich mich dann über Telefonliveticker von den Spielständen der deutschen Nationalmannschaft, die hier übrigens „Mannschaft“ heißt, am Laufenden halten. Hat aber gut geklappt, auch wenn ich trotzdem das vermeintlich beste Spiel unserer „Mannschaft“ nicht sehen konnte.

Diese Woche war dann wieder mal Arbeit angesagt.
Gestern, am 18. Juni, feierten wir den Jahrestag des Appells von Charles de Gaulles. Er rief seine Franzosen von London aus, zum Kampf auf.
Da stand ich nun, neben den ganzen Kriegsveteranen ...
Ja, und als die Zeremonie dann vorbei war und sich alle auf den Weg machten, einen kleinen Feierwein zu trinken, da half ich beim Aufräumen.
Das beinhaltete auch, dass ich nach den Feierlichkeiten mit dafür zuständig war, die französische Flagge wieder einzuholen.
Ich muss sagen ... das ist schon was.

Montag, 9. Juni 2008

wie ein echter Franzose


Das wichtigste zuerst. Ich sah gestern Maroon 5. In Tours, live und gratis. Ja, man soll es kaum glauben, aber es gibt noch echte Freizügigkeit unter Menschen. In diesem Falle wohl von Picard. Diese Pastisherstellungsfirma ließ es sich einiges kosten, dass man ihr überaus ekelhaftes Getränk weiter konsumiert. Aber da müssen sie schon mit jemandem anderen ankommen, als Maroon 5.

Aber immerhin. Wir nehmen ja, was uns so geboten wird.
Ich schreib einfach mal rückblickend, da fällt mir dann vielleicht wieder mehr der vergangenen schon wieder zwei Wochen ein.
Ich weiß, ich bin etwas nachlässig in letzter Zeit.
Gut, das Konzert war sozusagen auf der Hauptverkehrskreuzung von Tours und legte den Verkehr lahm, machte uns aber nix, weil immerhin konnten wir ja mit dem Radl anreisen. Schon auf den ersten zehn Metern steigerten Jan, Steffi und ich das Durchschnittsalter und senkten den Buntheitsgrad der Kleidung merklich. Deswegen entschlossen wir uns zunächst dafür uns am Loireufer zu installieren und dann nur den Hauptact auch zu sehen, nicht nur zu hören. Also: Weinflasche auf und auf einer Bank mit Musik im Ohr das Leben genießen.
Das machten wir dann doch länger als gedacht, was bedeutete, dass wir zwar Maroon 5 auch live sahen, aber nicht mehr als zwei Lieder, den Rest nahmen wir dann nur akustisch wahr. Aber war ja gratis, also nicht schlimm.
Letzte Woche war meine Familie bei mir.



Somit hatte ich eine Woche Zeit mein Wissen um die Schlösser an der Loire zu teilen und natürlich auch um mein Wissen was Nahrung angeht unglaublich zu erweitern. Mir wurde bei unseren täglichen Restaurant-Besuchen immer wieder klar, dass ich eindeutig zu wenig Ahnung von den ganzen Feinheiten der französischen Küche habe. So ließen meine Speisekartenübersetzungen doch zumeist zu wünschen übrig. Ist aber auch nicht weiter schlimm, wir haben immer fein gespeist.
Ich ... ich kann sagen: „Ich war in Frankreich!“ Ich aß Frosch! Ja, Frosch. Im Prinzip ist das hier ganz schön aus der Mode gekommen und wird nicht wirklich mehr gegessen. Als ich die kleinen Hüpfer auf der Speisekarte sah, musste ich zuschlagen. Immerhin: „Na, wo warst du denn so lange?“ - „In Frankreich.“ - „Ach, Froschschenkel!“ - „Ja, aber ist auch nur ein kleiner Fisch, der viel Arbeit macht und nach nicht allzu viel schmeckt!“
Wir sahen in einer Woche 12 Schlösser, drei Abteien und noch ein paar Orte oder Städtchen. Ja, wir ließen uns nicht lumpen. Ist schon erstaunlich, wo man alles so hinkommt, wenn man ein Auto hat. Da sind auch drei Schlösser am Tag drin. Naja, und wir sind auch nicht wie sonst bei unseren Schlossexkursionen hier erst Nachmittags losgefahren.
Donnerstag und Freitag zuvor war ich mit Domenico in Paris. Wie sollte es auch anderes sein, aufgrund eines Streiks fuhren um die Mittagszeit keine Züge. Also standen wir unglaublich zeitig auf, weil wir nicht wussten, ab wann die Busfahrer in Tours streiken würden. Im Prinzip wollten wir dann gleich in die Mutter aller Schlösser. Versailles. Nachdem wir hier jetzt schon gefühlte hundert sahen, muss man sich ja noch irgendwie steigern. Und das geht wohl nur noch mit Versailles.
Also wir zum RER. Ein freundlicher Mitarbeiter dieser feinen Bahn informierte uns aber darüber, dass Versailles aufgrund des Streikes der Bahn an diesem Tag seine königlichen Pforten geschlossen halten würde und sich nur die royale Eminenz im Spiegelsaal betrachten könne.
Also entschlossen wir uns dafür, unseren Versaillesbesuch zwangsweise auf den folgenden Tag zu verschieben. Da kennen wir nix, da sind wir flexibel. Also auf zum Louvre, um uns im Touristenbüro eine Unterkunft zu suchen.

Da war aber der Strom ausgefallen, was bedeutete, dass alles geschlossen war. Und wie man sich es ganz leicht vorstellen kann, gibt es in Paris nur ein Touristenbüro. Also riefen wir in der Jugendherberge an, von der wir wussten, dass die Anderen schon darin hausten. Die hatten erstaunlicherweise auch ein Zimmer für uns frei. Das letzte. Also nix wie hin, um die Rucksäcke loszuwerden und in Paris spazieren zu können. Wir waren uns glücklicherweise darüber einig, dass wir keine der bekannten Touristenattraktion sehen wollten. Immerhin sollten wir es ja am Tag darauf mit Versailles aufnehmen.
Das letzte Zimmer stellte sich auch als das solches dar. Unglaublich, was man sich in Paris so als Herberge erlauben kann und wie viel Geld man dafür noch verlangen kann.


Dome und ich, wir waren uns einig, dass wir im Prinzip noch nie schlimmeres sahen. Und wir sprechen hier über einen Italiener. Hihi.
So profitierten wir also von unserem Tagesticket in Paris und fuhren wer weiß wie weit mit der Metro. Sogar bis zum Stade de France.
Mir kann sozusagen niemand mehr was vormachen. Ich aß Froschschenkel und ich war am Stade de France.

Freitag war es dann so weit. Wir fuhren nach Versailles. Und es war geöffnet.
Jippie.
Der Hof von Versailles bestand aus geschätzten zwei Milliarden Menschen. Fein säuberlich in zwei Schlangen geteilt. Eine, um Eintrittskarten zu kaufen, die andere um ins Schloss zu gelangen.

Füchse wie wir eben sind, lasen wir vorab, dass man das nicht machen muss. Wir entschieden uns lieber dafür jemanden zu fragen, der sich auskannte. Derjenige empfahl uns dann unser Ticket in einer kleinen Bar nebenan zu kaufen und dann zunächst den Garten zu besuchen. Das taten wir dann auch. Wir promenierten und promenierten und fanden kein Ende. Unglaublich, wie groß man doch so einen Garten gestalten kann. Als wir dann in der Domäne von Marie Antoinette ankamen, waren wir völlig hin und weg. Super niedlich. Nuumi – auf estnisch. Danach machten wir uns auf den Rückweg um endlich in die Gedankenwelt vom Sonnenkönig einzudringen. Wieder im Vorhof angekommen, hatte sich die ganze Meute in den Garten verzogen und wir traten so ziemlich ohne lange zu warten in die Residenz ein. Ob es an unseren schon ziemlich ausgelatschten Füßen oder am Schloss an sich lag, kann ich nicht genau sagen, aber soo toll war es jetzt auch nicht. Bis auf den Spiegelsaal.



Der war schon was. Obwohl sie wohl an Menschen sparen, die selbige immer putzen.
Diese Woche fing ich mit meinem Praktikum im Rathaus einer Gemeinde nebenan an. Bis jetzt noch nichts spannendes. Aber ich muss immerhin weder Kaffee kochen, noch kopieren. Kaffee kommt aus dem Automaten. Hah!
Um meine erste Arbeitswoche in Frankreich zu feiern, bin ich gerade mit Steffi auf dem Weg nach Brest. Vorgestern sahen wir uns die Wetterkarte von Frankreich an und entschieden uns für die Bretagne. Also auf zum so genannten „Arsch von Frankreich“

Mittwoch, 21. Mai 2008

Flüssigkeiten

So, schon wieder hab ich einen Haufen Tage aufzuholen. Das Semester ist aber nun mal schon vorbei, was bedeutet, dass wir uns unheimlich viel umeinander kümmern müssen, weil wir uns ja auch nicht mehr lange einander haben werden.
Aber glücklicherweise gewöhnte ich mir an, meine Aktivitäten zumindest in groben Zügen festzuhalten, weil ich ja von mir weiß, dass es mit Erinnerung an spezielle Sachen nicht allzu weit her ist.
Letzten Sonntag ließen wir uns etwas phänomenales einfallen. Wir trafen uns zu vier Mädchen und feierten Muttertag mit einem kleinen, feinen Brunch. Wir setzten uns auf die Terrasse von Steffi und beglückwünschten uns gegenseitig im Voraus zu unseren einmal irgendwann Kindern. Eine eher seltene Gelegenheit sich mal einfach so zu unterhalten. Sehr entspannend.
Meine Antibiotika hinderten mich immer noch daran das ganze auch mit einem kleinen Gläschen zu beprosten, aber auch nicht schlimm.
Mittwoch darauf, fuhr ich mit Steffi früh Morgens nach Orleans, weil wir uns die Stadt und Basketball mit Jegor, anschauen wollten.
In Orleans angekommen und nach ungefähr vier Stunden, in denen wir uns die Stadt näher ansahen, befanden wir dann, dass es nicht wirklich nötig ist nach Orleans zu fahren.

Im Prinzip scheint der Stadt ihr Name zu genügen. „Wir heißen Orleans, wir haben Jeanne d'Arc, das reicht.“ Wir hatten Glück, weil wir von viel Sonne verwöhnt worden. Die Kathedrale ist fein, aber so richtig überzeugt waren wir nie.
Mit dem Basketball konnten wir uns dann schon sehr viel eher identifizieren. Jegor war Schiedsrichter des ersten Matches. Jegor, ein Este, ist im Besonderen für seine vielen Rekorde im Unfug machen, berühmt. So richtig ernst wird er also nicht genommen. Ihn dann im Gegenzug auf dem Feld zu sehen, wenn er mit wilden Gesten anzeigt, was wer wann getan hat und wie er bestraft werden sollte ist doch wirklich ziemlich beeindruckend. Steffi und ich kamen überein, dass jeder von uns ein Match von ihm hätte sehen sollen, einfach um zu sehen, dass er auch so tun kann, als wäre er ernst.
Nach dem Match, dass Jegor bepfiff, schauten wir uns auch noch das darauf folgende Match der Profis an. Was hier wirklich fehlt: Cheerleader. Die sind doch so witzig. In Frankreich gibt es sie allerdings nicht. Schade eigentlich.
Das Spiel mussten wir leider schon vorzeitig verlassen, weil wir unseren Zug erreichen mussten. Also raus: strömender Regen. Nicht fein. Also: Beine in die Hand ... und los. Klatschnass in den Zug, und ab.

Nach fünf Minuten hielt der Zug und fuhr dann für eine dreiviertel Stunde nicht mehr, weil ein Blitz in die Leitung einschlug. Die musste erst wieder in Gang gebracht werden. Da hätten wir auch das Spiel fertig sehen können. Aber irgendwann kamen auch wir in Tours wieder an. Glücklicherweise. Fahrrad geschnappt und heim. Alex war ja immerhin zu Besuch aus Deutschland. Mit der leisen Hoffnung ihn vielleicht noch sehen zu können, fuhr ich bei ihm vorbei. Und: es war noch Licht in seinem Zimmer. Dank meiner unglaublichen Fähigkeit mit zwei Fingern, die sich in meinem Mund befinden, extrem laut pfeifen zu können, rief ich ihn. Keine Antwort. Also nix wie hin und aus dem Bett geklingelt. Nicht er, sondern Jens, sein mitgereister Freund öffnete mir. Alex wollte nicht mehr mit mir reden, er schlief schon tief und fest. Also hinterließ ich ihm eine kleine Nachricht auf seinem Arm und ging heim.
Tags darauf war Alex von den Toten wieder auferstanden und wir fuhren zusammen in die Stadt, um uns einen feinen Kaffee leisten zu können. Lecker. Den Rest des Tages verbrachten wir am Ufer der Loire, aßen Baguette mit Camenbert und tranken eine kleine Flasche Rosé.
Im Prinzip also der Inbegriff des Stereotyps, den wir so von Franzosen haben. Da braucht es wohl erst einen Haufen Ausländer um das ganze zu verwirklichen.

Sonntag:
Wie wir ja wissen, bin ich in Frankreich. Woran denken wir, wenn wir Frankreich hören? Baguette? Ja. Woran noch? Käse? Ja. Aber was denken wir wirklich? Wein!
Wein!
Sonntag nahmen Domenico und ich an der so ziemlich unglaublichsten französischen Erfindung teil, die wir so kennen.
Wir fuhren in die Stadt, auf eine Weinmesse. Ja, eine Weinmesse. Dazu kauft man sich an einem Eingang ein Glas für drei Euro. Dann kann man nach Herzenslust eins der ungefähr hundert Stände mit Weinhändlern der Region ansteuern. Dort lässt sich dann Wein verkosten. Man braucht also nur mitzuteilen, was man so möchte und schwups: Wein im Glas. So kamen wir nachdem wir so manchen Abend Wein für 4 Euro der 5 Liter Kanister, trinken mussten, zu der Ehre Wein zu kosten, der im Fünf Liter Kanister fast 100 Euro kosten würde. Nach ungefähr zwei Stunden, die wir auf der Messe verbrachten, waren wir dann zu aufstrebenden Sommeliers herangewachsen und schlossen mit den Ausstellern die Tore der Messe. Eine klasse Erfindung. Leider vergaßen wir auch uns anständig mit Nahrung zu versorgen, und die Spucknäpfe zu benutzen. Deswegen waren neben einem leichten Hungergefühl in der Magengegend auch eine kleine, sich drehende Welt, die Folge. Aber die war es wert.



Gestern war ich mit Domenico in La Rochelle. Wir fuhren Morgens mit Jenny, die auch in die Richtung wollte los und verbrachten den ganzen Tag in der „weißen Stadt am Atlantik“. Baden waren wir nicht, aber am Strand von La Rochelle. Zu dieser Zeit machte uns aber leider noch die Ebbe zu schaffen. Aber wie es eben so ist, so richtig kann man das mit der Ebbe und der Flut nicht beeinflussen. Wir verfolgten den Touristenguide und schauten uns so das Städtchen an. Sehr niedlich. Als wir dann unser Programm vervollständigt hatten, ließen wir uns auf einer kleinen Bank nieder und schauten uns das rege Treiben der Menschen um uns herum an.
Abends setzten wir uns dann in den Zug und machten uns wieder auf den Weg nach Tours. Dort holte uns Jegor vom Bahnhof ab. Endlich mal jemand, der am Bahnhof ankommt und nicht immer nur die ganzen Menschen, die weg fahren.

Samstag, 10. Mai 2008

Auf Drogen

Montag morgen wachte ich auf und was sahen meine noch trüben Augen?
Dicke, fette Wolken.
Ich erinnerte mich dunkel daran, dass in Deutschland statistisch gesehen das Wetter am Wochenende am Schlechtesten sei, so glaube ich mich zumindest zu erinnern.
Die Uhren laufen zwar hier in Frankreich nicht anders, aber über die Zeit philosophierte ich ja auch schon zuvor, aber zumindest das Wetter scheint nicht die Wochenenden in Frankreich vermießen zu wollen. Ich schätze jetzt einfach mal ins blaue, dass ein nicht unerheblicher Teil meiner im Land des Käses und des Weins verbrachten Wochenenden, mit schönem Wetter gesegnet waren. Ist nur zu überlegen, warum das in Deutschland nicht geht. Immerhin herrscht hier manchmal die ganze Woche über dunkler Regenhimmel aber spätestens Freitag ist alles wieder gut. Ich geh einfach mal davon aus, dass die Atomkraftwerke schuld sind. So!
So weit, so gut. Also Montag war nicht schön. Machte ja nichts, immerhin räkelte ich mich sowohl Samstag, als auch Sonntag mit Steffi in der Sonne, da hat die gestresste Haut auch mal wieder eine kleine Pause verdient. Gut wars, heute ließ sich die gute, liebe Sonne sich nämlich nicht wieder lange bitten und auf gings, zum See. Problem ist nur, dass man in dem See nicht baden darf. Also sitzt man hier direkt vor wahrscheinlich sehr erfrischendem Wasser und darf nicht reinhüpfen.
Ach ja, lustig: Jegor war heute mit und er fragte sich, ob er in Estland je schon so spät so sehr in der Sonne schwitzte. Der Arme, muss sich immer Witze von uns anhören und in der Woche ungefähr fünf mal die Frage beantworten, ob es in Estland überhaupt Sonne gibt und dann fragt er sich so was. Da sind doch alle Vorstellungen bestätigt.
Ach ja: Mama, keine Angst: natürlich habe ich Sonnencreme benutzt. Hab ich mir schon beim Erscheinen der ersten Strahlen der Guten gekauft. Bin ich doch ein gutes Kind.

Vielleicht habe ich schon weitgehend in diversen Telefongesprächen meinem neuerlichen Zustand Ausdruck verliehen, aber es soll doch jeder wissen, dass ich armes Mädchen krank bin.
Letzte Woche war es nur etwas Halsweh. Groß und erwachsen, wie ich eben so bin, achtete ich insofern darauf, dass ich einmal eine ekelhafte Suppe aß und ansonsten ziemlich viele Bonbons lutschte.
Donnerstag war ich dann im Schwimmbad, weil hier ungefähr wieder mal gefühlte 100°C herrschten. Steffi hatte mich schon vorgewarnt, dass sie immer so eine Stunde schwimmen würde. Da wollte ich mich natürlich auch nicht lumpen lassen und schwamm fleißig mit. Hab auch fast ne Stunde durchgehalten und wurde nur ungefähr 50x innerhalb dieser Stunde von Steffi überholt.
Danach, heim; Haare waschen und wieder los. Mussten ja mal wieder grillen. Lecker.
Am nächsten Morgen wachte ich dann so gegen drei auf, weil mir mein Kopf verdächtig schmerzte. Ich dachte mir, dass es diesmal nicht am den Getränken des Vortages liegen könne. Mir meiner Selbst aber nicht so sicher, versuchte ich einfach weiter zu schlafen. Ging auch ein bisschen. Hab ich mich wieder fein übers Ohr gehauen.
Am Morgen war es dann aber leider immer noch nicht besser. Nach einem kurzen, fast schon weinerlichen Anruf bei der Mama, die sich bei so was ja immer noch am Besten auskennen muss, war mir dann klar, dass ich entweder festgewachsenes Wasser oder Entzündung im Ohr habe. Ich versuchte mich zunächst ein bisschen selbst mit Schmerztabletten zu heilen, wirkte aber leider auch nicht.
Aber zunächst musste ich in die Stadt, mich mit einer Freundin zu einer Besprechung treffen. Haben ja schließlich ein Projekt für die Uni zusammen zu schreiben.
Nachdem ich dann jeden Ton ungefähr drei Mal in meinem Ohr schallen hören habe und meine Schmerzen auch nicht von mir lassen wollten, frug ich den Barbesitzer, wie das denn so an Feiertagen sei, mit Apotheken und Ärzten.
Ach ja, es war Feiertag. Wir feierten den 1945 lang ersehnten Waffenstillstand.
Komischerweise standen ab diesem Tag die Waffen still, die Geschäfte sind aber nicht still. Im Prinzip war der Großteil der Geschäfte an diesem Feiertag geöffnet. Am Tag der Arbeit, den wir, wie so ziemlich die halbe Welt auch, feierten, fuhr noch nicht mal ein Bus. Naja, aber egal. Die Geschäfte waren also, im Gegensatz zu den Apotheken und den Ärzten, geöffnet. An normalen Tagen, kann man hier einfach zum Uniarzt gehen, der einen dann kostenlos behandelt.
Aber zurück zum Barbesitzer:
Er schnappte sich gleich ein Telefon und wollte im Prinzip bei der Polizei anrufen, um Informationen zu erhalten. Das war doch nicht so, was ich wollte. Glücklicherweise fand er in den „Gelben Seiten“ in diesem Moment die Nummer des Notfallarztes. Also rief er da an und frug nach, was wir schönes machen könnten. Fast hätte er mir den Weg zum Arzt nicht zugetraut und wollte, dass dieser zum Café kommt. Das konnte ich aber glücklicherweise noch abwenden.
Da stelle sich mal einer vor, dass der Stadtdienst zum Feiertag mitten auf den berühmtesten Platz in Tours kommt, nur weil „ich“ Ohrenschmerzen habe. Nee, im Prinzip kann ich mir im Moment fast keine peinlichere Situation vorstellen. Ich bekam einen Termin für eine Stunde später und machte mich schon mal auf den Weg. Unterwegs unternahm ich noch einen letzten Versuch mich eigenständig mit Eis zu kurieren. Das klappte aber auch nicht so, wie ich mir das dachte. Dafür schmeckte es aber gut. Immerhin.
Beim Arzt angekommen, war ich zu früh, was die Anmeldedame nicht so lustig fand. Ich wollte aber nicht länger im Wind rumspringen und war ja auch auf eine lange Wartezeit vorbereitet.
Die dauerte dann ungefähr zehn Schritte. Der Arzt nahm mich gleich dran, weil er wohl gerade von seiner Mittagspause wieder kam und noch niemand weiter da war. Ein Blick ins Ohr, und: eine schöne Mittelohrentzündung „une belle otite“. Ich habe ihm gedankt, dass er der Meinung war, dass sie schön sei. Er wollte 52 Euro von mir. Kreditkarte wollte sein Gerät nicht. Schlecht. Meine EC-Karte wollte es auch nicht, weil diese auf irgendeine Art und Weise von den hiesigen Banken freigeschaltet werden muss für medizinische Dienste. Verstanden hab ich es nicht. Also fuhr mein Fahrrad mich zur nächsten Bank und ich besorgte mir das Geld, dass ich dann dem fleißigen, am Feiertag arbeitenden Arzt überreichte. Er erklärte mir dann auch noch, wo sich eine der vier in Tours geöffneten Apotheken befand und ich schwang mich wieder auf mein Fahrrad um so schnell wie möglich an meine Drogen zu kommen. Weil hingegen aller Erwartungen, die Diagnose noch keine Heilung bedeutete. Leider. Geöffnet waren im Übrigen nur die Apotheken, die sich in den Hypermarchés befanden. Und die befinden sich allesamt außerhalb der Stadt.
Ich kaufte dann also noch mal für gut 25 Euro Drogen ein. Was genau das alles so ist: .... weiß ich auch nicht. Hauptsache es hilft nicht wahr.
Das Antibiotikum darf ich nur während der Mahlzeiten einnehmen. Das nahm ich heute Morgen gleich mal zum Anlass mir ein feines halbes Baguette zum Frühstück zu gönnen. Man muss ja auch was davon haben, dass man so gut wie nix auf einem Ohr hört, nicht wahr?
So, ich geh jetzt Tabletten essen.
Schüss!

Montag, 28. April 2008

Sommersonnenwochenende

So, jetzt ist es also raus. Ich werde hier in Tours die ERASMUS-Tür schließen.
Ich fand letzten Freitag ein Praktikum, welches mich bis Ende Juli an Tours bindet. Bis dahin werde ich alle meine Freunde noch zum Bahnhof begleiten können und Einem nach dem Anderen, zum Abschied winken und für jeden ein Paar Tränen vergießen.
Glücklicherweise wird mir das Schicksal, die Einzige ohne Abschiedskommando zu sein, erspart. Ich werde abgeholt. Jippie! Das bedeutet nicht nur, dass ich nicht in den Zug steigen muss, mit furchtbar vielen großen Koffern, die ich wohl möglich noch quer durch Paris chauffieren muss, nein: ich kann mir auch nach Herzenslust lustige Dinge zulegen, muss nicht immer drei Mal nachdenken, wie ich das dann Heim bekomme. Plus: ich kann mein Fahrrad mitnehmen. Das Gute wird Straßen sehen können, die einem nicht alle zwei Wochen die Innereien aufschneiden. Das wird sich bestimmt auch freuen.

Dieses Wochenende hatten wir seit Langem endlich mal wieder super Wetter. Das nutzten wir auch gleich ausgiebig.
Samstag verbrachte ich zwar zunächst weitgehend mit zwei Freundinnen aus der Uni, weil wir noch eine Arbeit fertig stellen mussten, danach war dann aber Freizeit angesagt. Es ging auf ein Jazzkonzert in einem Park, dass aus Anlass der grünen Woche oder so ähnlich, auch noch kostenlos war. Also ließen wir uns auf dem Rasen nieder, legten uns gemütlich in die Sonne und lauschten der Musik. Das ganze taten wir dann auch ohne Sonne, allerdings sitzend und nicht liegend. Nebenbei genossen wir noch ein paar Schlücke guten Wein. Kurz: wir ließen es uns so richtig gut gehen.
Sonntag weckte mich auch die Sonne, die mein Zimmer, obwohl es so ziemlich dem Norden zugewendet ist, unglaublich aufheizte. Also ging ich los und kaufte noch ein paar Zutaten für ein Tiramisu ein, das ich versprochen hatte, zu zu bereiten. Also fügte ich wie ein Weltmeister unglaublich fettige Zutaten zueinander und als ich dann damit fertig war, mich bereit machte ein bisschen in die Sonne zu gehen, zogen dicke Wolken auf. Immerhin, ich war schon mit Sonnencreme beschmiert, die ich mir gleich zulegte, nachdem ich Samstag Abend die ersten roten Sonnenopfer sah. Also schnappte ich mir nichts desto trotz meine Decke und legte mich zusammen mit Jan, den ich auf meinem Weg traf, unter die Wolken. Nach einer viertel Stunde vertrieben uns dann aber die ersten Regentropfen.
Abends waren wir bei Steffi eingeladen, die für 9 Leute feines Essen und eine Bowle gezaubert hatte. Dort machten wir uns es zunächst auf der Terrasse gemütlich und leerten die Bowle und dann die eine oder andere Flasche Wein.
Einer absolut eigenartigen Großfamilie ähnelnd, bestimmten wir auch gleich die Familienverhältnisse:

Maman et Papi


Die Gebrüder


Die Geschwister


Die Kinder


Die Familie


Mal davon abgesehen, dass Papi der Jüngste, die Zwillinge folgendermaßen aussehen: Einer blond, blauäugig; der Andere: schwarzhaarig, braunäugig; das letzte Mädchen wohl leicht daneben ging, sind wir doch ein witziger Haufen.

Pünktlich zum Wochenanfang wurde das Wetter wieder was schlechter. Aber wer braucht schon Gutes Wetter unter der Woche?

Donnerstag, 24. April 2008

WUCHER!!!!

So, jetzt sitze ich also mal wieder in meinem Lieblingscafé und warte auf meinen Moka.
Eigentlich ist es warm und ich könnte auch 'nen Milchshake trinken. Leider sah ich gestern, was sich in dem eben genannten tatsächlich befindet. Das folgende erklärt zwar, warum das ganze ziemlich lecker schmeckt, hilft aber absolut nicht bei dem Versuch einer ausgeglichenen Ernährung. Also: folgendes – in einem Vanilleshake: Vanilleeis: lecker und zu unterstützen, Sahne – hmmh, Vanillesauce – das unterstützt den feinen Vanillegeschmack und: ein halber Eimer Crème Fraiche.
Genau das haben meine Augen alles entdeckt und somit kann ich mir nur noch in absoluten Ausnahmefällen erlauben, mir einen solchen zu bestellen. Schade, aber nur vernünftig.
Jetzt wird es eben ein Kaffee, mit ganz viel Crème Fraiche oben drauf. Aber da weiß ich ja nicht wirklich, ob es ein solcher ist. Also ist alles gut.
Hab ich eigentlich schon erzählt, dass ich mir letztens ein Eis hier leistete. Ja, nicht nur eins, bei McDonalds, das im Übrigen auch ganz schön lecker ist, weil man sich zu 'nem normalen McFlurry zum Beispiel noch ne leckere Schokoladensauce reinrühren lassen kann.
Aber da bin ich ja schon wieder vom Thema abgekommen. Also, ich war letztens am Place Plumerau vorbei gekommen, auf dem sich in einer Ecke eine Eisdiele befindet. Schon von Weitem sieht das ganz schön lecker aus. Letztes Jahr schreckte mich allerdings noch jedes Mal, wenn es mir nach Eis war, der unglaubliche Preis einer Eiskugel, von 2,30€ ab. Ich mein, das sind zwei Euro dreißig – für eine Eiskugel. Als sich mein Kopf dann an die übertriebenen Preise hier in Frankreich gewöhnt hatte und ich bereit war, mir nun endlich dort ein Eis zu kaufen, war diese Eisdiele für den Winter geschlossen. Also ergriff ich letztens beim Einfall der ersten Sonnenstrahlen, die Gelegenheit der Neuerlichen Wiedereröffnung und kaufte mir eine Kugel Zimteis für 2,30€. Als ich beim Bezahlen dieser einen Kugel Eis auch noch aus Versehen nur einen Euro dreißig hinlegte, sagte mir die Frau doch aus einer natürlichen Selbstverständlichkeit heraus, dass es aber 2,30€ seien. Die hat sich noch nicht mal geschämt. Ich muss ja neidlos zugestehen, dass das Eis wirklich lecker war und dass ich auch gerne noch eine Kugel mit gesalzenem Karamell bestellt hätte, aber nicht nur, dass die Preise unverschämt hoch sind, nein, die Kugeln sind auch unverschämt klein. Was soll ich dazu sagen. Kann, nein, darf ich so was unterstützen? Ich bin mir nicht sicher.
Da trink ich doch lieber meinen 2,80€ Kaffee.

Freitag, 18. April 2008

meine Plattensammlung

Wir haben zur Zeit ja Ferien, wie ich vielleicht schon mal erwähnte.
Ferien hier sind sehr eigenartig.
Wenn ich aus dem Fenster schaue, dann sehe ich ungefähr 10 Autos. Von jenen, weiß ich schon, dass mindestens zwei davon Leuten gehören, die nicht da sind.
Soll also alles in Allem heißen, dass es hier extrem ruhig ist.
Auch die ganzen Erasmus-Studenten machten sich auf den Weg die Weiten Europas zu erforschen oder eben das Land, in dem wir uns befinden.
Ich habe mich zusammen mit meinem Leidensgenossen Jan dazu entschlossen, die Frühlingszeit in Tours zu genießen.
Der Frühling äußert sich leider Gottes aber in anhaltendem Dauerregen unterbrochen von eintägigen Schönwetterperioden.
Ist schon komisch.
In den Ferien im Februar blieben so ungefähr vier Leute hier, die sich so langweilten, dass sie sich schworen dies nun nicht noch einmal tun zu wollen.
Dabei wäre, wenn wir uns alle dann kollegial wie wir sind, dazu entschlossen hätten, es in Tours auszuhalten und aus den ach so langweiligen Ferien, eine Megasause zu machen, doch so viel lustiger geworden. Schade eigentlich.
Die Tage hier fangen zumeist ganz vielversprechend mit Sonnenstrahlen, die einen zumeist schon gegen sieben oder so wecken, an. Schaue ich jetzt aus dem Fenster, dann kann ich die fallenden Regentropfen ausmachen.

Gestern war so ziemlich der schlimmste aller Tage.
Obwohl wir vorgestern unsere Sonnentanks auf einem Ausflug aufluden, konnte die Sonne in unseren Seelen den nicht-enden-wollenden-Dauerregen nicht kompensieren und so landeten wir zu viert in einem Café, in das wir eigentlich nicht gehen wollten, aber dann mussten, weil unser Lieblingscafé ausnahmsweise geschlossen war und einer hatte eine größere Depression, als der andere. So saßen wir dann da, mit gesenkten Köpfen und bedauerten uns gegenseitig.
Ich weiß, das muss sehr pathetisch klingen, aber manchmal übermannt es einen einfach.

Als ich dann wieder in Richtung Grandmont fuhr, machte sich ein drohender Platten auf meinem Hinterrad bemerkbar. Drohend ist wohl noch untertrieben. Bin seit letztem Wochenende unterwegs, um mein Hinterrad zu verarzten.
Es ist doch sehr beachtlich, dass ich geschätzter Weise seit meinem vierten Lebensjahr Fahrrad fahren kann (korrigiert mich, falls nötig – weil ich eben schon so lange Fahrrad fahren kann, so dass ich mich beim besten Willen nicht wirklich daran erinnern kann, seit wann ich Fahrrad fahren kann. Ich weiß nur noch, dass ich es in Siebenhitz auf dem Garagenberg von den Schöleys gelernt habe, aber das tut ja auch nichts weiter zur Sache.)
... Auf jeden Fall: seitdem ich mich an meine Fahrradkarriere erinnern kann, fällt mir nicht ein, wann ich mal einen Platten hatte. Hier ist es mir seit Oktober schon Sage und Schreibe 5x passiert! Ich will ja nicht bestreiten, dass ich hier wohl mehr Fahrrad fahre, als ich das in Deutschland tat, aber die Pannensteigerung ist doch schon enorm!
Nun ja, also hatte ich mal wieder einen Platten letztes Wochenende. Zur Überprüfung, ob nicht einfach jemand meine Luft abgelassen hatte, pumpte ich den Schlauch noch mal auf. Da hörte ich aber sogleich ganz deutlich mir Luft entgegen kommen. Das Loch befand sich erneut an einer Stelle, die mir ein Flicken unmöglich machte. Also: neuer Schlauch. Als ich diesen anbringen wollte, kamen mir Speichen entgegen geflogen. Wow! Was jetzt?
Ich schnappte mir meinen Reifen, ging damit zum Geschäft und wollte wissen, ob sie mir das bauen könnten. Leider bekam ich auf diese Anfrage eine Absage, da nicht nur die Speichen sich verabschiedeten, sondern auch die Nabe wackelte und eine Acht im Reifen war. So wollten die mich nicht wirklich mehr fahren lassen. Also kaufte ich ein neues Hinterrad und Schlauch, ging heim, wollte das Ganze installieren UND: die hatten mir einen zu kleinen Reifen verkauft. Anstatt eines 28“, bekam ich ein 26“ Rad. Also schnappte ich mir diesmal Mantel, Rad und Schlauch und machte mich wieder zum Geschäft auf. Die tauschten mir das ganze aus und zogen mir noch meinen Mantel mit drauf, nachdem ich freundlich fragte, ob sie das nicht auch noch für mich machen wollten. Wollten sie.
Also ging ich wieder heim, montierte mein Rad und schob es gestern aus der Garage.
Und:
beim Herausschieben, zog ich mir doch glatt einen Metallsplitter in den neuen Schlauch. Zack: Platten! Es ist aber auch zum verrückt werden. Da ich aber keine Lust hatte jetzt gleich wieder einen großen Aufstand zu veranstalten und auch keine Zeit dazu hatte, holte ich mir meine Luftpumpe und pumpte den Reifen ganz einfach ein weiteres Mal auf. Bis in die Stadt würde der Gute schon durchhalten. Das tat er dann auch. Ich musste ihn dann nachmittags nur noch 2x aufpumpen, um wieder heim zu kommen. Auf dem Heimweg unterstützte mich ein alles durchnässender Nieselvorhang, der sich über mich legte, in meiner Moral. Also flickte ich den Reifen gestern völlig entnervt und hoffe, dass das jetzt mindestens einen Tag hält. Ich verlange ja gar nicht viel. Als nächstes muss wohl ein unzerstörbarer Radmantel her, aber ich gebe dem Meinigen noch eine Chance sich zu etablieren. So langsam bin ich ja an meine schmutzigen Finger und den prüfenden Blick auf mein Hinterrad gewöhnt. Wer will das schon missen?!

Samstag, 12. April 2008

Ostergeburtstagsschloss

Na gut, na gut,
ich verstehe es ja, es gibt wieder mal neues.
Bilder wird es wohl erst später ein paar geben, das Internet hier ist gerade nicht so schnell, dass ich es ihm auch noch Bilder antun könnte.
Tut mir leid, dass ich in letzter Zeit wieder mal nicht schrieb.
Aber ich habe gute Erklärungen. Zunächst war ich eine Woche in Deutschland um mit meiner Familie Ostern und dann noch den Geburtstag meiner Mama zu feiern.
Danach kam der Ulf mit mir nach Tours und da entschied ich mich lieber dafür meine Zeit mit ihm, als mit meinem Computer zu verbringen.
Ich hoffe das ist verständlich. Und wenn nicht, naja, dann ist es auch zu spät.
Man man man, ich brach hier in Tours am 20. März bei ungefähr 10°C abends um neun auf.
Ich verbrachte zunächst eine Nacht am Flughafen in Orly, da ich meinen Hinflug so zeitig buchte, dass es keinen Zug gab, der zeitig genug in Paris angekommen wäre, mit dem ich rechtzeitig am Flughafen gewesen wäre. Zunächst hatte ich ja keine großartige Lust eine Nacht einfach so zu verbringen, aber was wollte ich schon machen?

Hab gerade noch einen kleinen Bericht gefunden, den ich dort schrieb, am Flughafen jetzt:

Wow, jetzt hab ich also auch schon die erste Nacht meines Lebens komplett am Flughafen verbracht. Wie aufregend. Und so gar nicht wie in « Terminal », obwohl ich mich daran nicht mehr so genau erinnern kann. Ich bin jetzt ja durch die Sicherheitskontrolle durch und weiss nicht, ob man hier einfach so wieder raus kommt.
Bin also Donnerstags mit dem TGV von Tours nach Paris gefahren, stieg noch ein bisschen um, fand mich umgehend am Flughafen von Orly wieder. Da waren die Bürgersteige hoch- und die Rollläden runtergelassen. War aber nicht schlimm, ich kannte mich ja schon ein bisschen aus und steuerte siegessicher auf mir als extrem bequem und geräumig bekannte, sesselähnliche Sitzgelegenheiten zu. Da war dann auch noch ein Plätzchen (so ungefähr eine 2,5m lange mit schaumstoffbezogene Zuckerwatte) für mich frei. Ich schnappte mir meinen Computer, machte es mir bequem und legte meinen versehentlich mitgenommenen Lieblingsfilm, Garden State ein. Nach 5 Minuten Film sehen, fiel mir ein, dass ich die Audiokommentare noch gar nicht gesehen habe. Also, nix wie von Neuem eingeschoben, sich Zach Braff und Natalie Portman zum Film angehört. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich als bescheuert problemlos durchging. Aber wer kann denn an sich halten, wenn Zach Braff « Star Wars » nicht von « Star Trek » unterscheiden kann? Und das in Anwesenheit von Prinzessin Padme! Oder wer kann Natalie Portman nicht lieben, wenn sie sich über ihre furchtbar komischen Ohren Gedanken macht? Ich habe jedenfalls gut gelacht.
So auf eins machte ich mich dann auch mal daran eine Mütze voll Schlaf zu nehmen. Zu meiner Überraschung hat das auch ganz schön gut geklappt. Fuchs ich, hatte ich Ohropax bei. Das einzige, das mir fehlte, war eine schöne Decke. Warum muss es einem Nachts eigentlich immer kalt werden? Ich meine, reicht es denn im Prinzip nicht, dass alles andere in der Nacht kalt wird? Muss denn da ein Körper unbedingt mitziehen?
So gegen vier Uhr wachte ich dann wieder auf, nachdem ich es sogar schaffte zu träumen.
Unbestohlen, machte ich mich zur Toilette auf, wo ich mir erst mal die Zähne putzte. Wie gesagt, ich bin gut ausgestattet.
Danach gleich mal durch die Sicherheitskontrolle. Das hier so groß ausgeschriebene WiFi, was soviel heißt wie: Wer Internet in Frankreich will, den machen wir zum Idiot. Sozusagen kommt hier Internet am Flughafen mit einem lebenslangen Abo von Kühlschränken.
Also widme ich mich meinen Gedanken, die ob der Zeit wohl noch nicht allzu geordnet sind. Immerhin, nur noch ein bisschen mehr als ne Stunde und ich sitz im Flugzeug gen Berlin.

Naja, dann flog ich heim. Keine besonderen Besonderheiten. Zuhause ließ ich es mir mit meinen Lieben gut gehen. Immerhin war ja schon fast Ostern.
Das verbrachten wir im Übrigen im Schnee. Das taten wir nämlich ziemlich gut. Also, sozusagen Ostersonntag Schnee, soweit das Auge schaut. Das bedeutet, dass wir bei uns sowohl weiße Weihnachten, als auch weiße Ostern hatten. Da sage jemand noch mal was über globale Erwärmung.
Um die kümmerten wir uns dann auch umgehend: mit einem Osterfeuer
Ostersonntag fuhr ich dann mit Ulf zu ihm um ein so genanntes Osterfeuer zu entzünden.

Ich hörte im Voraus schon viel über das berühmte Osterfeuer. Nun war ich zum ersten Mal auch dabei. Da der übliche Feuerentfacher nicht anwesend war, übernahm ich diese Aufgabe. Denn unser Brennspiritus war nicht wirklich ausreichend vorhanden. Aus diesem Grund schnitzte ich kleine Holzspäne und erfachte ein feines Feuerchen, das uns vor dem fallenden Schnee schützte.

In der Woche darauf sollte dann also noch der Geburtstag meiner Mama gefeiert werden.
Leider hatte mir im Voraus mein löchriges Hirn mal wieder einen Streich gespielt. Ich war die ganze Zeit der Meinung, dass die Feier meiner Mama Freitags stattfindet. Unser Flug (Ulf flog mit mir wieder zurück nach Frankreich) war für den Sonntag gebucht, das bedeutete, dass ich der Meinung war, dass wir noch einen Tag zum Ausruhen haben. Ja, da verdachte ich mich. Ich hab zwar bedacht, dass wir die Feier nicht genau zum Geburtstag feiern, sondern einen Tag später, aber ich bedachte nie, dass der Geburtstag an sich Freitags ist, nicht Donnerstag. Also kurz, die Fete fand Samstag statt, der Flug ging Sonntag früh um 10.00 Uhr. Klingt nicht so schlimm, der Zug, um nach Berlin zu gelangen, fuhr aber schon 05.15 Uhr ab. Geht auch immer noch, es war auch noch Zeitumstellung.
Also: durchmachen! Ulf war nicht so sehr von meiner geistigen Umnachtung begeistert.
Wir schlugen uns aber ziemlich wacker. Feierten fein mit bis früh kurz nach vier und gingen dann heim, um uns umzuziehen und ich checkte mich schnell noch ins Flugzeug ein, was ich vorher vergessen hatte.
Wir stiegen in den Zug und versuchten uns darin ein bisschen auszuruhen. Zwar liegt so ein Zug auf Schienen, wenn die Schienen aber noch aus dem vorvorigen Jahrhundert stammen, dann wackelt die ganze Angelegenheit doch mehr als einem lieb sein kann. Und das nach so einer Nacht. Zu deren Glück hatten die nur eine Toilette und keine Brechtüten im Zug. Ich hätte sie glatt fast benutzen können.
In Berlin Schönefeld angekommen, hatten wir noch 15 Minuten bis zum Ende vom Check-in für Ulf. Also machten wir uns auf schnellen Sohlen auf zum Terminal. Als wir da ankamen, war gar nicht so viel los, wie sonst. Unser Flug wurde just in dem Moment, als wir uns anstellten an einen Schalter für sich ausgerufen. (Normalerweise werden alle Flüge an allen Schaltern abgefertigt, was zu unglaublichen Wartezeiten führen kann)
Also waren wir da auch gleich dran, konnten eigentlich schon fast bis zum Flugzeug durchlaufen.
Im Flugzeug besetzte ich uns dann Plätze neben den Notausgängen, die uns unglaublich viel Beinfreiheit erlaubten. Das war sehr gut. Leider waren wir wie immer nicht allein im Flugzeug. Es hat sich noch eine Klasse von 17-jährigen Berlinern auf den Weg nach Paris gemacht. Zu unserer Belustigung vertrieben diese sich ihre Zeit mit Stadt, Name, Land. Deren Meinung nach, sind wir auf dem Flug auch so ziemlich fast 10x umgekommen. Des weiteren sieht Paris von oben aus, wie Berlin und da wir den Eiffelturm auf dem Anflug nicht sahen, hätten wir gar nicht erst aussteigen dürfen.
Naja, aber wir schafften es ja. Fuhren dann schnurstracks nach Tours, das uns mit einem feinen Regen und Busumleitungen empfing. Aber wir kamen an. 12 Stunden brauchten wir. Fertig wie Sportmützen ging nicht mehr allzu viel. Noch ein Baguette geholt, und noch ein bisschen erzählt und schon ab in die Heia.
Montag musste ich dann Ulf erst mal allein lassen. (Achtung Opa!) Ich ging früh um 9.00Uhr in die Uni, um dann 19.00 Uhr fertig zu sein. Der arme Ulf las an dem Tag ein ganzes Buch und amüsierte sich so gut es eben auf 9m2 geht. Nach einem kleinen Spatziergang im Park, schauten wir dann noch einen Film, von dem ich auch die ersten 10 Minuten mitbekam, bis ich einschlief.
Dienstag war dann besser, weil ich diesmal schon 17.00Uhr fertig war. Wir machten es in meinem Lieblingscafé gemütlich und erkundeten dann noch ein bisschen Tours. Eigentlich wollten wir später noch ins Kino gehen, in dem alle Filme im Originalton gezeigt werden, verpassten dann aber den Anfang des Filmes, weil wir noch beim Libanesen essen gingen. Da ich Freitags frei habe, konnten wir endlich was zu zweit unternehmen. Das Wetter von Tours zeigte sich von seiner besten Seite und wir machten es uns im Park am Fluss gemütlich. Abends gingen wir dann mit Alessandro (einem Italiener) und Sophie (seine Freundin) Galette und Crêpe essen. Sehr sehr lecker.
Samstag verabschiedeten wir dann Krizia, die sich zurück nach Süditalien in die Sonne verzog. Danach fuhren Ulf und ich mit dem Fahrrad nach Amboise. Leider war es unglaublich kalt. Also kauften wir uns zuvor noch jeder einen Pullover für 5 Euro. Die stellten sich auch als sehr brauchbar heraus. Wer kann denn auch ahnen, dass von einem auf den anderen Tag ein Temperaturunterschied von ungefähr 50°C herrscht? Kein Mensch! Wir schauten uns dann Clos-Lucé, das Zuhause von Leonardo da Vinci, an. Aufmerksame Leser werden merken, dass ich schon mal dort war, machte aber nix. Ich fand es schon damals so supi, dass ich noch viele Male dahin könnte. Dort angekommen, trafen wir auch prompt eine Freundin von mir.




Nachdem wir uns das alles dann angesehen haben, wollten wir uns noch einen chinesischen Turm in der Nähe ansehen, den ich bisher noch nicht sah. Da aber, einmal dort angekommen, extrem schlechtes Wetter drohte und der Eintrittspreis weit unsere Preisgrenze, eines im Wald versteckten Phallussymbols, überschritt, entschieden wir uns dafür lieber den Heimweg aufzusuchen. Diesmal wollten wir nicht an der Loire, sondern am Cher, langfahren. Also frei drauf los, mit unserem ungefähren Atlas. Die ersten Kilometer fuhren wir auf der Landstraße gegen Wind an. Sehr anstrengend und auch nicht sonderlich schön. Also fuhren wir auf gut Glück näher an den Cher ran und benutzten einen schottrigen, löchrigen Feldweg um wieder nach Tours zu kommen. Nach geschätzten 70 Kilometern, die wir so fuhren an dem Tag hatten wir dann auch gut die Nase voll. Zuhause angekommen, bereiteten uns dann aber Jan und Peter Kartoffelpuffer mit unglaublich viel Knoblauch zu, eine tschechische Spezialität. Sehr lecker.
Eine ähnliche Strecke fuhren wir dann Montag nach Ussé. Dort gingen wir in ein Schloss, in dem sich der französische Märchenerzähler Charles Perrault zu seinem „Dornröschen“ inspirieren lassen haben soll. Nicht schlecht, aber unglaublich teuer für so ein kleines Schlösschen.


Auf dem Rückweg machten wir dann an der Loire Halt, um unser Mittag zu essen.
An der Stelle fand ich etwas, was hier in Frankreich höchst selten anzutreffen ist: absolute Ruhe! Komisch, das fällt mir immer wieder auf, dass es hier einfach nie wirklich ruhig ist. Da sind solche Plätze, an denen noch nicht mal der vorbei fließende Fluss einen Ton von sich gibt, so was wie Balsam auf die Seele. Nun sind also Plätze, an denen es wirklich ruhig ist sehr rar. Ich sog den Moment in mir auf.
In Tours zurück, hatten wir wieder fast 80 Kilometer mit dem Fahrrad zurück gelegt.
Des weiteren schafften wir es dann auch noch ins Kino zu gehen und sahen, wie drei Brüder mit dem Zug durch Indien furhen, gingen mit zwei Esten auf eine Ausstellung von moderner estnischer Kunst und fuhren mit dem Zug nach Blois um uns noch ein Schloss und die wahrscheinlich hässlichste Kathedrale, die es hier so gibt, anzusehen.

Jetzt hat Ulf schon mehr Schlösser hier in der Umgebung gesehen, als manch anderer, der seit September hier ist. Ob das nun bedeutet, dass wir besonders fleißig waren, weiß ich nicht.
Freitag fuhr Ulf dann wieder und lies mich hier zurück.
Es sind Ferien und bis auf Jan, Felena und Jegor ist niemand hier. Dafür fahren dann Felena und Jegor nächste Woche nach Montpellier. Also bleiben Jan und ich. Naja, so kommt man wenigstens dazu etwas für die Uni zu machen.
Gestern nutzte ich meinen Tag, um mal ein Buch zu lesen, das ich seit November hier stehen habe. Ich traute mich ewig nicht ein Buch auf Deutsch zu lesen, weil ich dachte, dass das schlecht für mein Französisch sei. Aber nach drei Wochen Deutsch sprechen, was soll da noch zu versauen sein, wenn man mal ein Buch liest. Ich las die 375 Seiten auch direkt durch.
Mal sehen, was diese Woche alles so mit sich bringt.
Bis bald.

Mittwoch, 12. März 2008

4x7x11=Normandie und Bretagne

So, wie versprochen gibt es jetzt also einen kleinen Reisebericht.
Sozusagen, was machen 11 Personen aus 7 verschiedenen Nationen zusammen in der Normandie und in der Bretagne?
Also, treffen sich drei Deutsche, zwei Italiener, zwei Esten, ein Tscheche, eine Schweizerin und eine Französin (wer die Rechnung aufgemacht hat, der wird wohl bemerkt haben, dass da noch was fehlt, Jenny aus England stieß erst Freitag nachmittag zu uns) Donnerstags morgen, zeitig am Bahnhof. Und wenn ich sage zeitig, dann meine ich unglaubliche 6.45 Uhr. Unser Zug brachte uns sicher nach Paris Austerlitz, wo wir den Bahnhof wechselten. Aus diesem Anlass konnten wir auch erstmalig die vollautomatisch, ohne Schaffner funktionierende Metrolinie 14 in Paris testen. Fazit: nix besonderes, außer wenn in Paris mal wieder gestreikt wird, weil diese Linie dann die einzige ist, die voll fährt. Am Bahnhof Paris Saint-Lazare stiegen wir dann in den nächsten Zug, der uns nach Rouen brachte.

Vor dem Rathaus in Rouen


Vor der Kathedrale in Rouen


Rouen ist vor allem dafür bekannt, dass dort unglaublich populäre Jungfrauen zum Tode verurteilt werden um sie dann schnellstmöglich zu verbrennen. Die arme Johanna. Wir nutzten unser Zeit in Rouen also ausgiebig und schauten uns das kleine feine Städtchen an. Wir waren übrigens alle so schlau keinen Reiseführer mitzunehmen. Wer braucht denn schon einen Reiseführer? Sind deswegen immer auf dem schnellsten Weg zur Touristeninformation gegangen um uns zeigen zu lassen, was wir uns anschauen sollten.
Glücklicherweise fanden in der Stadt gerade die Europameisterschaften im Synchroneistanzen für die Juniorinnen statt. Das bedeutete, dass uns immer mal eine Mannschaft entgegenkam, die wir dann mit unseren Sprachen überraschen konnten. So mussten zum Beispiel einige Tschechische Mädchen erfahren, dass es nicht ganz so schlau ist, sich über jemanden lustig zu machen, der neben ihnen steht.
Von Rouen aus nahmen wir dann den Zug nach Caen.

Die Kirche von Caen

In Caen leisteten wir uns dann eine Mahlzeit bevor wir in unser Hotel fuhren, weil dies sich ausserhalb der Stadt befand und wir uns sicher waren, dass wir da keine Nahrung mehr erstehen würden können. Bevor wir uns übereilt zu unserer Bushaltestelle aufmachten, kauften wir uns noch Verpflegung für den Abend ein. Immerhin mussten wir ja unser Zusammensein feiern.
Im Hotel angekommen widmeten wir uns zunächst der Körperpflege, weil nach so einem Tag riecht ja niemand nach Rosen.
Danach trafen wir uns alle in einem Zimmer um unser Glück im Kartenspiel zu testen. Das wurde dann aber auch recht schnell vom Nachtwächter beendet, weil Helen aus Estland sich dafür entschieden hatte, dass es besser sei laut zu schreien, sobald sie unanständige Worte vernimmt. Also lösten wir unser kurzes Zusammensein auf und verlagerten jetzt nur noch zu fünft die Fete nach Draußen. Dort wussten wir uns auch einigermaßen zu benehmen. Zumindest gab es keine Probleme mehr mit dem Nachtwächter, der sich ab und zu zu uns gesellte. Nachdem wir dann sämtliche Vorräte geleert hatten, war es auch für uns Zeit ins Bett zu gehen und uns auf den nächsten Tag vorzubereiten.
Der kam dann auch schneller als gewollt. Wir aßen schnell Frühstück und machten uns wieder auf nach Caen. Dort war dann der Zeitpunkt gekommen, an dem man 10 Personen vereinen musste. Es gab wohl ein paar logistische Probleme. Die jetzt hier zu erläutern würde nur ausarten. Ich kann nur sagen, dass es nicht immer so einfach ist alle unter einen Deckel zu bekommen.
Auf jeden Fall sahen wir uns Caen mit seinen Abteien und seiner Burg an.

Domenico bei der Eroberung des Spielplatzes


Vor der Abtei der Herren in Caen, in der Wilhelm der Eroberer begraben liegt



Nach einigem Hin-und Her machten wir uns Nachmittags dann nach Saint-Malo auf. Die Zugfahrt dauerte eine halbe Ewigkeit und die meisten, bis auf Jan und meiner Wenigkeit, entschieden sich dafür ein kleines Nickerchen einzulegen.



Ich nutzte die Zeit lieber um relativ sinnlose Bilder von schlafenden Menschen zu schießen. Ist doch auch mal was.
In einem kleinen Ort, Namens Dol de Bretagne, der uns noch einige Male verfolgen sollte, machten wir einen kurzen Zwischenstopp um die Züge zu wechseln und Briefkästen zu suchen, um dann von dort aus ohne Unterbrechung in einem, einem Hühnertransport gleichendem, Zug nach Saint-Malo zu kommen. Dort setzten wir uns nach einer erneuten kurzen Diskussionsphase wieder in den Bus um zu unserer Jugendherberge zu gelangen. Die stellte sich als ganz schön schön heraus. Das Wetter war es zu diesem Zeitpunkt übrigens auch unbedingt. Die Sonne verwöhnte uns bei unserem Basketballspiel, dass zwischen den Mädchen, die von dem zweimetergroßen Jegor unterstützt wurden, gegen die Jungs ausgetragen. Mit so viel Sport hätte ja im Leben niemand gerechnet.
Während des Spiels stieß dann auch noch unsere letzte Mitreisende zu uns, die sogar ein Auto dabei hatte. Diese durfte sich dann auch gleich in Richtung des Supermarktes aufmachen, weil wir sowohl großen Hungers, als auch großen Durstes darbten. In der ziemlich gut ausgestatteten Küche dort bereiteten wir uns dann ungefähr geschätzte 10 kg Spaghetti zu.

Nach dem Essen machten wir uns zum Strand auf, um endlich einmal das Meer zu sehen. Leider war es schon nach elf und Ebbe, also relativ wenig mit Wasser, aber man konnte es immerhin hören. Und wir ließen uns auch nicht davon abbringen barfuß im Sand zu spazieren. Das merkte ich dann übrigens ganz schnell am darauf folgenden Tag, als meine Beine über Nacht leicht gesandstrahlt wurden. Aber nicht schlimm. Am Strand trennten wir uns dann in Grüppchen auf.

Jenny, die sich den Respekt von Jegor durch einfache Kraftbeweise erarbeitete

Eine ging in die Stadt um zu schauen, ob noeh eine Bar oder ähnliches geöffnet war, die Andere ging zurück in die Jugendherberge um Heia zu machen. Natürlich war ich bei der Wandergruppe gen Stadt zugegen. Wir mussten dann aber doch wieder einmal erfahren, dass Nachts um zwei selbst die Diskos schließen. Also gingen wir einfach wieder zurück. Ein laaaaaanger Spaziergang im Prinzip. Auf dem Heimweg verloren wir uns gegenseitig alle ein wenig, was zur Folge hatte, dass wir alle einzeln auf anderen Wegen heim gingen, sich aber im Endeffekt dann doch wieder trafen. Die Nacht ließen wir dann noch leicht ausklingen.
Samstag standen wir wieder früh auf, um das bereits bezahlte Frühstück auch zu nutzen. Diesen Service nahm nicht jeder in Anspruch, deswegen fanden wir uns statt Zeitung lesend, Kaffee trinkend, Brötchen schmierend wieder. War aber auch nicht schlimm. Was macht man nicht alles für seine Kammeraden?!
Nach dem Frühstück fuhren wir dann zum Mont-Saint-Michel. Vor ungefähr 1000 Jahren war ich schon einmal dort gewesen und gab auf der Fahrt dorthin mein noch vorhandenes, jedoch schon rudimentäres Wissen um den Abteiberg wieder. Nach einer kurzen Zugfahrt fanden wir uns in Dol de Bretagne wieder, wo wir dann in einen Bus stiegen, der uns direkt zum Mont-Saint-Michel brachte. In diesem Bus lief dann auch ein kleines Video über unser nächstes Reiseziel, der viele meiner wiedergegebenen Fakten bestätigte. Was war ich stolz auf mich. Das Problem an dem Bus war, dass ungefähr alle 20 Sekunden eine psychedelische Musik eingespielt wurde, die sich im immer gleichen Abstand wiederholte und einen zu verfolgen drohte.
Aber wir haben es überstanden und sind wohl erhalten und bei Ebbe angekommen. Für all die, die Mont-Saint-Michel nicht kennen, eine kleine Erklärung. Also, vor der Küste liegt eine kleine Insel, auf die eine Abtei gebaut wurde. Die Parkplätze um die Abtei werden bei Flut mit Wasser bedeckt, was bedeutet, dass man, wenn man dort parkt sich informieren sollte, wann die nächste Flut kommt.


Das Problem der Insel ist, dass im Prinzip nicht mehr genügend Wasser vorhanden ist, und man zunehmend mit Versandung zu kämpfen hat. Deswegen wurde ein Projekt zur Rettung des Mont-Saint-Michel eingeleitet, das wieder mehr Wasser und weniger Sand bringen soll. Vielleicht sollten die sich mal mit Venedig oder so in Verbindung setzen. Immerhin wird dort alles getan, um das Wasser fern zu halten.

Wir im Speisesaal, bei unserer Interpretation eines berühmten Gemäldes


Genug der Erklärungen.
Wir kamen an, sahen uns die Abtei an. An allzu viel konnte ich mich ja nicht mehr erinnern, aber ich weiß, dass dieses Mal auf jeden Fall sehr viel weniger Menschen waren.


Genau, wir betrachteten uns den Berg mit seiner Abtei also in all seiner Pracht um nachmittags dann wieder mit dem Bus nach Dol de Bretagne zu fahren und dann wieder in den Zug zu steigen, um uns Saint-Malo anzuschauen. In Saint-Malo verloren wir zunächst einmal Jenny, die wohl auf Toilette ging, anscheinend aber niemand auf sie wartete. Wir umrundeten die Altstadt auf seiner Stadtmauer, wie ich es vor den wohl schon erwähnten 1000 Jahren schon einmal tat.

Diesmal allerdings in entgegengesetzter Richtung. Saint-Malo zeigte sich uns von seiner schönen Seite und schenkte uns sowohl Sonne, als auch einer ankommende Flut.




Nachdem wir uns nach einigen Stunden dann alle wiedergefunden hatten (hatten uns in zwei Suchtrupps mit jeweils einem Telefonverantwortlichen aufgeteilt), erfüllten wir uns unsere kulinarischen Träume. Das bedeutet, dass wir sowohl Galette, als auch Crepe essen gingen. Lecker. Ich aß einen feinen Galette (Crepe mit Buchweizenmehl) gefüllt mit Ziegenkäse, Walnüssen und Honig. Ein Gedicht. Vollkommen stopfte ich mich dann noch mit einem Crepe mit Schokolade und Banane zu. Einfach ein Traum. Dazu gab es dann noch jeweils Cidre, immerhin gehört das ja zusammen.
Nachdem wir uns dann wieder auf den Weg machten, mussten wir zunächst wieder diskutieren, weil wir keine alkoholischen Vorräte mehr in der Jugendherberge gebunkert hatten (oder zumindest waren einige der Meinung, dass diese bei Weitem unseren Durst nicht stillen würden). Nach einiger Diskussionszeit entschieden wir uns, vernünftig wie wir sind, uns doch auf den Weg gen unseren Betten zu machen. So ein Urlaub kostet ja auch einiges und Kneipenbesuche bessern die Urlaubskasse auf keinen Fall auf. Ach ja, Urlaubskasse: drei von uns entschieden sich auf dem Heimweg dafür, dass sie ihre Urlaubskasse im Casino aufbessern müssten. Hat nicht ganz geklappt, obwohl immerhin am Ende ein leichtes plus auf ihrer Seite stand, aber im Prinzip hätten sie auch in der Jugendherberge das Geld unter sich hin- und her schieben können. Auf jeden Fall setzten wir uns noch gemütlich zusammen und erzählten. Ist doch auch mal was. Nachdem wir dann die grundlegenden Dinge in unseren Leben geklärt hatten und mir wieder einmal klar wurde, dass man in seiner eigenen beschränkten Welt doch einen relativ beschränkten Horizont entwickelt, widmete ich mich meinen Träumen.
Am nächsten Morgen, jetzt immerhin schon Sonntag und unser offiziell letzter Reisetag, standen wir wieder genauso zeitig auf, um wieder unser bezahltes Frühstück zu genießen und uns dann zu Fuß zum Bahnhof auf zu machen. Jetzt waren wir nur noch eine dezimierte Reisegruppe, da Jenny ja mit dem eigenen Wagen reiste und wir somit nur noch zu sechst mit dem Zug reisten. Zum Bahnhof mussten wir laufen, weil der Bus Sonntags nur auf vorheriger Bestellung erscheint. Und wir wollten den armen Busfahrer ja nicht in seiner sonntäglichen Ruhe stören. Schlauerweise lies ich meinen großen Rucksack mit dem Auto transportieren, und konnte somit vermeiden wieder einen gesamten Tag mit dem Ding auf dem Rücken zu laufen.
In Rennes angekommen orientierten wir uns erst mal wieder in Richtung Innenstadt und warteten dann auf diejenigen, die mit dem Auto kamen. Dann schauten wir uns ein bisschen um, setzten uns in einem schönen Park in die Sonne und ließen es uns gut gehen.


Am Mittagstisch mussten wir dann die gesamten offenen Rechnungen untereinander noch begleichen, was in einem einzigen Wechselchaos endete. Immerhin schafften wir auch das irgendwann und konnten uns dann noch ein wenig umsehen.

Jan, der uns auf tschechisch das Regierungsgebäude der Bretagne erklärt.


Leider fing es immer mal wieder an zu regnen, was uns dazu zwang Kaffee und solche Späße zu trinken

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War aber auch nicht weiter tragisch. Mittlerweile hatten wir, ohne Stadtplan wie immer so ziemlich alle innerstädtischen Gässchen abgegrast.


Unter Mädchen

Diejenigen, die mit dem Zug heim fuhren, machten sich nun zum Bahnhof auf um wieder nach Tours zu fahren. Ich blieb bei der Gruppe, die per Wagen nachhause gefahren wurde. Um die sonntäglichen Staus auf der Landstraße und die zu bezahlende Autobahn zu vermeiden, wollten wir aber erst sehr spät losfahren. So traten wir noch in die wahrscheinlich schönste Kathedrale, die ich bis jetzt hier sah, ein und, weil wir danach nichts mehr zu tun hatten, gingen wir kurzentschlossen ins Kino um unsere Zeit sinnvoll zu nutzen.
Kurz vor zehn machten wir uns dann auf den Heimweg, 3 aufgewachsene Männer und 2 Mädchen in einem kleinen Renault Clio auf der Landstraße. Aus Mangel an guten Radiosendern hörten wir uns eine Doktor Sommer Sendung an. Ziemlich amüsant. Ansonsten profitierte die Engländerin am Steuer von dem Glauben, dass sie im Ausland wohl nicht zur Kasse gebeten wird und raste wie eine gesengte Sau.
Wohlbehalten, müde, aber glücklich kamen wir dann kurz nach eins wieder wohlbehalten Zuhause an.
Et voilà, unsere Reise!