Donnerstag, 14. Februar 2008

Frankreich

Es ist mal wieder so weit.
Nach ungefähr vier oder fünf Wochen Uni hat sich der gute, durchschnittliche Französische Student auf jeden Fall eine Pause verdient. Das soll bedeuten: FERIEN!!!!
Eine Woche frei, bedeutet für Erasmus-Studenten, die zumeist nicht weit von ihrer Heimat weg sind, Koffer packen, es geht zu Mutti und Vati. So auch für mich. So weit so gut.
Da das Ganze ja auch schon einige Monate bekannt ist und bekanntlich Transportpreise mit der Zeit steigen, kaufte ich sowohl Flugticket, als auch Zugticket schon rechtzeitig. Als braver Student legte ich auch meine gesamten Transportzeiten so, dass ich auch ja keine Vorlesung verpasse.
Jetzt kommts, .... wir sind hier in Frankreich.
Soll bedeuten ... Streik!!!
Ja, nachdem ich im Oktober unter einem Streik der französischen und gleichzeitig der deutschen Bahn litt, im November beim Besuch von Ulf hier in Paris diesmal nur die französischen Transportgesellschaften streikten, an Weihnachten ausnahmsweise mal alles gut ging, streiken jetzt hier die Fluglotsen.
Aber nicht überall, nein, das wäre ja nicht ärgerlich genug. Nur an dem Flughafen, von dem aus ich morgen um 6.35 Uhr starten soll.
Das ganze erfuhr ich Montag. Da dachte ich mir noch: 6.35 Uhr. Das ist nicht schlimm, da streikt ja selbst in Frankreich noch kein Mensch. Dienstag wurde es mir dann schon etwas anders, als ich die ganzen Annullierungen und so weiter sah. Was tun? Keine Ahnung. Ich will ja heim.
Also, Computer raus, nachsehen, was man so als Alternativen hat.
Überraschung, die Bahn streikt mal nicht. Also Bahnverbindung online suchen.
Gesagt, getan.
Immer noch mit dem festen Willen so wenig Kurse wie möglich zu streichen, suchte ich mir einen TGV, der von Tours aus nach Paris fahren würde, dann von Paris aus direkt nach Frankfurt. Sonderangebot: 50 Euro.
So: erste Kuriosität: Tours besitzt einen Kopfbahnhof, was bedeutet, dass man immer nach St.Pierre de Corps (ein kleiner, aber dafür umso hässlicherer Vorort von Tours) fahren muss, um dort in die superschnellen TGVs zu steigen.
Fünf Minuten Fahrzeit. Zwei verschiedene Züge sollten mir die Möglichkeit bieten nach St.Pierre de Corps zu kommen. Der Preisunterschied dieser zwei Züge belief sich auf 6 Euro. Warum frag ich da!?!
Naja, immerhin Sonderangebot Paris-Frankfurt. Also nichts wie auf zum Bahnhof und Ticket zur Sicherheit kaufen.
Der freundliche Mitarbeiter der Bahn, die hier wirklich die einzigen im Bereich Service sind, die wirklich mal freundlich sind, gab dann auch alles ein. Am Ende fragte ich ihn nach dem Gesamtpreis und er nannte mir die unglaubliche Summe von 120€ oder so. Fünf Minuten zuvor im Internet waren es noch circa 70€. Ihn darauf Aufmerksam machend, erfuhr ich, dass in Frankreich das Internetangebot der Bahn nichts mit dem Angebot an den Schaltern zu tun hat. Ich mich also bei ihm bedankt, meinen PC geschnappt und ab zu mir, in der Cafeteria, in der wir WLAN haben, das Ticket doch online bestellen. Dort angekommen gab es den billigen TGV schon nicht mehr, was bedeutete, dass ich ein Ticket für den teureren Preis kaufen sollte. Also, Bummelzug. Dauert zwar länger, kostet aber im Prinzip immer das Gleiche. Immerhin mal was. Ich also alles eingegeben. Problem: das WLAN ließ mich nicht auf den Sicherheitsserver der Bahn. Nix zu machen. Also rief ich meinen Retter in der Not Hauke an, der den ganzen Prozess bei sich noch mal durchgehen sollte. Ein Glück gibt es online-video-telefonie. Tag darauf, also gestern machte ich mich auf zum Bahnhof, weil man zwar das Ticket online kaufen kann, aber nicht ausdrucken oder so. Es gibt sie also doch, die Verbindung zwischen online Angebot und Schalter an der Bahn.
Dort angekommen, wurde mir berichtet, dass ich ungefähr 10 Buchungen hätte. Glücklicherweise nur eine bezahlt. Der schon wieder freundliche Mitarbeiter der Bahn checkte dann auch alle Bestellungen einzeln durch, was bedeutete, dass er ungefähr 20x meinen Nachnahmen tippen musste. Er verlor seinen Mut dennoch nicht.
So, heute Nachmittag würde mein Zug gehen, der mich nach Paris bringt, heute Abend um 19.05 Uhr mein Anschlusszug nach Frankfurt, von wo aus ich mit meiner Schwester zu Mutti und Vati kommen würde.
Ein weiteres Ticket für den Zug um circa 20.00 Uhr nach Paris liegt auf meinem Schreibtisch. Mein Ticket für den Flug kann ich ohne Annullierung auch nicht stornieren.
Die Frage ist nun, was tun?
Gestern gab es Verhandlungen für die Fluglotsen. Ergebnis. Wir verhandeln heute weiter. Vorsichtshalber wird heute aber zunächst weiter gestreikt. Für Morgen kann mir noch kein Mensch was sagen.
Ich denke, ich werde den Confort der Bahn bevorzugen und mich in den sicheren Zug setzen, keine Nacht in Ungewissheit auf dem Flughafen verbringen und einfach meine zwei Kurse heute ohne mich stattfinden.


Seit Tagen frage ich mich, wie Frankreich es schaffen konnte eine Industrienation zu werden.
Allerdings wird mir auch langsam klar, warum Frankreich das Land in Europa ist, in dem die meisten Psychopharmaka verschrieben werden.

Donnerstag, 7. Februar 2008

demenz und chambord

So, ich glaub jetzt ist es so weit. Ich bin alt. Ich hab es ganz deutlich gemerkt.
Wie?
Ganz einfach, ich kann mich nicht mehr daran erinnern, was ich alles so gemacht habe.
Das kann nur daran liegen, weil ich alt bin, oder weil ich tausend Sachen auf einmal mache und im Prinzip am Ende des Tages gleich aufschreiben muss, was das so alles war, weil sonst kann ich mich auf keinen Fall mehr daran erinnern, was das alles so war.
Ein anderes Indiz: Montag vergaß ich zum Unterricht zu gehen. Nicht, dass ich geschwänzt hätte, NEIN, ich hab es VERGESSEN! Wie blöd ist das denn? Ich meine, es ist jetzt auch nicht weiter schlimm, weil der Kurs sowieso großer Schwachsinn ist, trotzdem. Wenn ich wissentlich nicht hingehe, dann weiß ich wenigstens, was ich so mache. Nein, ich habe es schlicht und einfach vergessen. Das ist doch wirklich ganz schön dümmlich. Aber jedoch nicht zu ändern.
Naja, was gibt es denn außer meine geistigen Umnachtungen noch so zu berichten?
Ach ja, wir haben es Sonntag endlich geschafft: Wir haben die Krönung der Schlosskunst im Loiretal besucht. Chambord. Der Großteil war im Rahmen einer Ausfahrt schon im Oktober dort, ich war da aber zu beschäftigt mir Erik Zabel live anzusehen. Somit verschoben alle, die damals nicht mit waren den Ausflug auf ein anderes Wochenende. Und letztes Wochenende war es dann für Benedetta, Peter und mich so weit. Chambord ist wirklich ganz schön groß und fein verschnörkelt. Jetzt bleibt wohl nur noch Versailles um dem Ganzen noch eine Krone mit Zepter aufzusetzen. Das werde ich wohl aber noch ein zwei Wochenenden nach hinten verschieben. Im Prinzip muss ja auch irgendwann mal gut sein mit den ganzen Schlössern. Hab jetzt glaube ich so ungefähr ein Drittel der Schlösser des Loiretals besichtigt. Heißt, da bleiben noch gut 20 übrig. Aber man kann ja auch nicht alle mitnehmen. Das geht einfach nicht!!!
Nachdem wir das Schloss besichtigten wollte ich mir noch einen Aufnäher davon besorgen. Im ersten Souvenirshop wurde ich auf den nächsten verwiesen. Als ich dort nachfragte, wurde mir gesagt, dass diese ausverkauft seien, ich jedoch welche von Cheverny oder Chenonceau erstehen könne. Nach nochmaligen Nachfragen, ob sie es ernst meinten, dass ich dort von anderen Schlössern mir Sachen besorgen sollte, wurde mir klar, dass ich nicht verschaukelt wurde. Da wunderten mich die vielen Pariskarten und die kleinen Eiffeltürme, die ich dort auch hätte kaufen können, auch nicht mehr. Es gibt einfach Geschäfte, die wissen nicht, wann mal gut ist.