Sozusagen, was machen 11 Personen aus 7 verschiedenen Nationen zusammen in der Normandie und in der Bretagne?
Also, treffen sich drei Deutsche, zwei Italiener, zwei Esten, ein Tscheche, eine Schweizerin und eine Französin (wer die Rechnung aufgemacht hat, der wird wohl bemerkt haben, dass da noch was fehlt, Jenny aus England stieß erst Freitag nachmittag zu uns) Donnerstags morgen, zeitig am Bahnhof. Und wenn ich sage zeitig, dann meine ich unglaubliche 6.45 Uhr. Unser Zug brachte uns sicher nach Paris Austerlitz, wo wir den Bahnhof wechselten. Aus diesem Anlass konnten wir auch erstmalig die vollautomatisch, ohne Schaffner funktionierende Metrolinie 14 in Paris testen. Fazit: nix besonderes, außer wenn in Paris mal wieder gestreikt wird, weil diese Linie dann die einzige ist, die voll fährt. Am Bahnhof Paris Saint-Lazare stiegen wir dann in den nächsten Zug, der uns nach Rouen brachte.
Vor dem Rathaus in Rouen
Vor der Kathedrale in Rouen
Rouen ist vor allem dafür bekannt, dass dort unglaublich populäre Jungfrauen zum Tode verurteilt werden um sie dann schnellstmöglich zu verbrennen. Die arme Johanna. Wir nutzten unser Zeit in Rouen also ausgiebig und schauten uns das kleine feine Städtchen an. Wir waren übrigens alle so schlau keinen Reiseführer mitzunehmen. Wer braucht denn schon einen Reiseführer? Sind deswegen immer auf dem schnellsten Weg zur Touristeninformation gegangen um uns zeigen zu lassen, was wir uns anschauen sollten.
Glücklicherweise fanden in der Stadt gerade die Europameisterschaften im Synchroneistanzen für die Juniorinnen statt. Das bedeutete, dass uns immer mal eine Mannschaft entgegenkam, die wir dann mit unseren Sprachen überraschen konnten. So mussten zum Beispiel einige Tschechische Mädchen erfahren, dass es nicht ganz so schlau ist, sich über jemanden lustig zu machen, der neben ihnen steht.
Von Rouen aus nahmen wir dann den Zug nach Caen.
Die Kirche von Caen
In Caen leisteten wir uns dann eine Mahlzeit bevor wir in unser Hotel fuhren, weil dies sich ausserhalb der Stadt befand und wir uns sicher waren, dass wir da keine Nahrung mehr erstehen würden können. Bevor wir uns übereilt zu unserer Bushaltestelle aufmachten, kauften wir uns noch Verpflegung für den Abend ein. Immerhin mussten wir ja unser Zusammensein feiern.
Im Hotel angekommen widmeten wir uns zunächst der Körperpflege, weil nach so einem Tag riecht ja niemand nach Rosen.
Danach trafen wir uns alle in einem Zimmer um unser Glück im Kartenspiel zu testen. Das wurde dann aber auch recht schnell vom Nachtwächter beendet, weil Helen aus Estland sich dafür entschieden hatte, dass es besser sei laut zu schreien, sobald sie unanständige Worte vernimmt. Also lösten wir unser kurzes Zusammensein auf und verlagerten jetzt nur noch zu fünft die Fete nach Draußen. Dort wussten wir uns auch einigermaßen zu benehmen. Zumindest gab es keine Probleme mehr mit dem Nachtwächter, der sich ab und zu zu uns gesellte. Nachdem wir dann sämtliche Vorräte geleert hatten, war es auch für uns Zeit ins Bett zu gehen und uns auf den nächsten Tag vorzubereiten.
Der kam dann auch schneller als gewollt. Wir aßen schnell Frühstück und machten uns wieder auf nach Caen. Dort war dann der Zeitpunkt gekommen, an dem man 10 Personen vereinen musste. Es gab wohl ein paar logistische Probleme. Die jetzt hier zu erläutern würde nur ausarten. Ich kann nur sagen, dass es nicht immer so einfach ist alle unter einen Deckel zu bekommen.
Auf jeden Fall sahen wir uns Caen mit seinen Abteien und seiner Burg an.
Domenico bei der Eroberung des Spielplatzes
Vor der Abtei der Herren in Caen, in der Wilhelm der Eroberer begraben liegt
Nach einigem Hin-und Her machten wir uns Nachmittags dann nach Saint-Malo auf. Die Zugfahrt dauerte eine halbe Ewigkeit und die meisten, bis auf Jan und meiner Wenigkeit, entschieden sich dafür ein kleines Nickerchen einzulegen.
Ich nutzte die Zeit lieber um relativ sinnlose Bilder von schlafenden Menschen zu schießen. Ist doch auch mal was.
In einem kleinen Ort, Namens Dol de Bretagne, der uns noch einige Male verfolgen sollte, machten wir einen kurzen Zwischenstopp um die Züge zu wechseln und Briefkästen zu suchen, um dann von dort aus ohne Unterbrechung in einem, einem Hühnertransport gleichendem, Zug nach Saint-Malo zu kommen. Dort setzten wir uns nach einer erneuten kurzen Diskussionsphase wieder in den Bus um zu unserer Jugendherberge zu gelangen. Die stellte sich als ganz schön schön heraus. Das Wetter war es zu diesem Zeitpunkt übrigens auch unbedingt. Die Sonne verwöhnte uns bei unserem Basketballspiel, dass zwischen den Mädchen, die von dem zweimetergroßen Jegor unterstützt wurden, gegen die Jungs ausgetragen. Mit so viel Sport hätte ja im Leben niemand gerechnet.
Während des Spiels stieß dann auch noch unsere letzte Mitreisende zu uns, die sogar ein Auto dabei hatte. Diese durfte sich dann auch gleich in Richtung des Supermarktes aufmachen, weil wir sowohl großen Hungers, als auch großen Durstes darbten. In der ziemlich gut ausgestatteten Küche dort bereiteten wir uns dann ungefähr geschätzte 10 kg Spaghetti zu.
Nach dem Essen machten wir uns zum Strand auf, um endlich einmal das Meer zu sehen. Leider war es schon nach elf und Ebbe, also relativ wenig mit Wasser, aber man konnte es immerhin hören. Und wir ließen uns auch nicht davon abbringen barfuß im Sand zu spazieren. Das merkte ich dann übrigens ganz schnell am darauf folgenden Tag, als meine Beine über Nacht leicht gesandstrahlt wurden. Aber nicht schlimm. Am Strand trennten wir uns dann in Grüppchen auf.
Jenny, die sich den Respekt von Jegor durch einfache Kraftbeweise erarbeitete
Eine ging in die Stadt um zu schauen, ob noeh eine Bar oder ähnliches geöffnet war, die Andere ging zurück in die Jugendherberge um Heia zu machen. Natürlich war ich bei der Wandergruppe gen Stadt zugegen. Wir mussten dann aber doch wieder einmal erfahren, dass Nachts um zwei selbst die Diskos schließen. Also gingen wir einfach wieder zurück. Ein laaaaaanger Spaziergang im Prinzip. Auf dem Heimweg verloren wir uns gegenseitig alle ein wenig, was zur Folge hatte, dass wir alle einzeln auf anderen Wegen heim gingen, sich aber im Endeffekt dann doch wieder trafen. Die Nacht ließen wir dann noch leicht ausklingen.
Samstag standen wir wieder früh auf, um das bereits bezahlte Frühstück auch zu nutzen. Diesen Service nahm nicht jeder in Anspruch, deswegen fanden wir uns statt Zeitung lesend, Kaffee trinkend, Brötchen schmierend wieder. War aber auch nicht schlimm. Was macht man nicht alles für seine Kammeraden?!
Nach dem Frühstück fuhren wir dann zum Mont-Saint-Michel. Vor ungefähr 1000 Jahren war ich schon einmal dort gewesen und gab auf der Fahrt dorthin mein noch vorhandenes, jedoch schon rudimentäres Wissen um den Abteiberg wieder. Nach einer kurzen Zugfahrt fanden wir uns in Dol de Bretagne wieder, wo wir dann in einen Bus stiegen, der uns direkt zum Mont-Saint-Michel brachte. In diesem Bus lief dann auch ein kleines Video über unser nächstes Reiseziel, der viele meiner wiedergegebenen Fakten bestätigte. Was war ich stolz auf mich. Das Problem an dem Bus war, dass ungefähr alle 20 Sekunden eine psychedelische Musik eingespielt wurde, die sich im immer gleichen Abstand wiederholte und einen zu verfolgen drohte.
Aber wir haben es überstanden und sind wohl erhalten und bei Ebbe angekommen. Für all die, die Mont-Saint-Michel nicht kennen, eine kleine Erklärung. Also, vor der Küste liegt eine kleine Insel, auf die eine Abtei gebaut wurde. Die Parkplätze um die Abtei werden bei Flut mit Wasser bedeckt, was bedeutet, dass man, wenn man dort parkt sich informieren sollte, wann die nächste Flut kommt.
Das Problem der Insel ist, dass im Prinzip nicht mehr genügend Wasser vorhanden ist, und man zunehmend mit Versandung zu kämpfen hat. Deswegen wurde ein Projekt zur Rettung des Mont-Saint-Michel eingeleitet, das wieder mehr Wasser und weniger Sand bringen soll. Vielleicht sollten die sich mal mit Venedig oder so in Verbindung setzen. Immerhin wird dort alles getan, um das Wasser fern zu halten.
Wir im Speisesaal, bei unserer Interpretation eines berühmten Gemäldes
Genug der Erklärungen.
Wir kamen an, sahen uns die Abtei an. An allzu viel konnte ich mich ja nicht mehr erinnern, aber ich weiß, dass dieses Mal auf jeden Fall sehr viel weniger Menschen waren.
Genau, wir betrachteten uns den Berg mit seiner Abtei also in all seiner Pracht um nachmittags dann wieder mit dem Bus nach Dol de Bretagne zu fahren und dann wieder in den Zug zu steigen, um uns Saint-Malo anzuschauen. In Saint-Malo verloren wir zunächst einmal Jenny, die wohl auf Toilette ging, anscheinend aber niemand auf sie wartete. Wir umrundeten die Altstadt auf seiner Stadtmauer, wie ich es vor den wohl schon erwähnten 1000 Jahren schon einmal tat.
Diesmal allerdings in entgegengesetzter Richtung. Saint-Malo zeigte sich uns von seiner schönen Seite und schenkte uns sowohl Sonne, als auch einer ankommende Flut.
Nachdem wir uns nach einigen Stunden dann alle wiedergefunden hatten (hatten uns in zwei Suchtrupps mit jeweils einem Telefonverantwortlichen aufgeteilt), erfüllten wir uns unsere kulinarischen Träume. Das bedeutet, dass wir sowohl Galette, als auch Crepe essen gingen. Lecker. Ich aß einen feinen Galette (Crepe mit Buchweizenmehl) gefüllt mit Ziegenkäse, Walnüssen und Honig. Ein Gedicht. Vollkommen stopfte ich mich dann noch mit einem Crepe mit Schokolade und Banane zu. Einfach ein Traum. Dazu gab es dann noch jeweils Cidre, immerhin gehört das ja zusammen.
Nachdem wir uns dann wieder auf den Weg machten, mussten wir zunächst wieder diskutieren, weil wir keine alkoholischen Vorräte mehr in der Jugendherberge gebunkert hatten (oder zumindest waren einige der Meinung, dass diese bei Weitem unseren Durst nicht stillen würden). Nach einiger Diskussionszeit entschieden wir uns, vernünftig wie wir sind, uns doch auf den Weg gen unseren Betten zu machen. So ein Urlaub kostet ja auch einiges und Kneipenbesuche bessern die Urlaubskasse auf keinen Fall auf. Ach ja, Urlaubskasse: drei von uns entschieden sich auf dem Heimweg dafür, dass sie ihre Urlaubskasse im Casino aufbessern müssten. Hat nicht ganz geklappt, obwohl immerhin am Ende ein leichtes plus auf ihrer Seite stand, aber im Prinzip hätten sie auch in der Jugendherberge das Geld unter sich hin- und her schieben können. Auf jeden Fall setzten wir uns noch gemütlich zusammen und erzählten. Ist doch auch mal was. Nachdem wir dann die grundlegenden Dinge in unseren Leben geklärt hatten und mir wieder einmal klar wurde, dass man in seiner eigenen beschränkten Welt doch einen relativ beschränkten Horizont entwickelt, widmete ich mich meinen Träumen.
Am nächsten Morgen, jetzt immerhin schon Sonntag und unser offiziell letzter Reisetag, standen wir wieder genauso zeitig auf, um wieder unser bezahltes Frühstück zu genießen und uns dann zu Fuß zum Bahnhof auf zu machen. Jetzt waren wir nur noch eine dezimierte Reisegruppe, da Jenny ja mit dem eigenen Wagen reiste und wir somit nur noch zu sechst mit dem Zug reisten. Zum Bahnhof mussten wir laufen, weil der Bus Sonntags nur auf vorheriger Bestellung erscheint. Und wir wollten den armen Busfahrer ja nicht in seiner sonntäglichen Ruhe stören. Schlauerweise lies ich meinen großen Rucksack mit dem Auto transportieren, und konnte somit vermeiden wieder einen gesamten Tag mit dem Ding auf dem Rücken zu laufen.
In Rennes angekommen orientierten wir uns erst mal wieder in Richtung Innenstadt und warteten dann auf diejenigen, die mit dem Auto kamen. Dann schauten wir uns ein bisschen um, setzten uns in einem schönen Park in die Sonne und ließen es uns gut gehen.
Am Mittagstisch mussten wir dann die gesamten offenen Rechnungen untereinander noch begleichen, was in einem einzigen Wechselchaos endete. Immerhin schafften wir auch das irgendwann und konnten uns dann noch ein wenig umsehen.
Jan, der uns auf tschechisch das Regierungsgebäude der Bretagne erklärt.
Leider fing es immer mal wieder an zu regnen, was uns dazu zwang Kaffee und solche Späße zu trinken
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War aber auch nicht weiter tragisch. Mittlerweile hatten wir, ohne Stadtplan wie immer so ziemlich alle innerstädtischen Gässchen abgegrast.
Unter Mädchen
Diejenigen, die mit dem Zug heim fuhren, machten sich nun zum Bahnhof auf um wieder nach Tours zu fahren. Ich blieb bei der Gruppe, die per Wagen nachhause gefahren wurde. Um die sonntäglichen Staus auf der Landstraße und die zu bezahlende Autobahn zu vermeiden, wollten wir aber erst sehr spät losfahren. So traten wir noch in die wahrscheinlich schönste Kathedrale, die ich bis jetzt hier sah, ein und, weil wir danach nichts mehr zu tun hatten, gingen wir kurzentschlossen ins Kino um unsere Zeit sinnvoll zu nutzen.
Kurz vor zehn machten wir uns dann auf den Heimweg, 3 aufgewachsene Männer und 2 Mädchen in einem kleinen Renault Clio auf der Landstraße. Aus Mangel an guten Radiosendern hörten wir uns eine Doktor Sommer Sendung an. Ziemlich amüsant. Ansonsten profitierte die Engländerin am Steuer von dem Glauben, dass sie im Ausland wohl nicht zur Kasse gebeten wird und raste wie eine gesengte Sau.
Wohlbehalten, müde, aber glücklich kamen wir dann kurz nach eins wieder wohlbehalten Zuhause an.
Et voilà, unsere Reise!

3 Kommentare:
Ach meine Maus, ich bin stolz auf dich , dass unsere erste Urlaubsreise in diese Gegend doch einige Erinnerungen hinterlassen hat- muß ja dann gar nicht so schlecht gewesen sein. Schön daß ihr so viel erlebt habt. Freue mich für Dich und sende liebe Grüße an den Rest der Truppe. Mam
Hallo Schwesterlein!
Vielen lieben Dank für die schöne Karte von M.St.Michel-
wir 2 haben uns total gefreut. Schnelle und problemlose Heimreise und bis nächste Woche.
Liebe Grüße Anki und Bernd
huhu musine!
hab mir auf deinen tip hin doch glatt mal tectonic angeschaut - und lag auch prompt unterm tisch vor lachen. is ja wirklich ganz verrückt das zeug. muss man aber bestimmt üben...
übrigens - bin jetzt auch garden state-fan :) und die shins habens mir auch angetan <3
liebe grüße aus lines zimmer
knuuutsch
cooole bilder hast du da von eurer reise gemacht!
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