ich verstehe es ja, es gibt wieder mal neues.
Bilder wird es wohl erst später ein paar geben, das Internet hier ist gerade nicht so schnell, dass ich es ihm auch noch Bilder antun könnte.
Tut mir leid, dass ich in letzter Zeit wieder mal nicht schrieb.
Aber ich habe gute Erklärungen. Zunächst war ich eine Woche in Deutschland um mit meiner Familie Ostern und dann noch den Geburtstag meiner Mama zu feiern.
Danach kam der Ulf mit mir nach Tours und da entschied ich mich lieber dafür meine Zeit mit ihm, als mit meinem Computer zu verbringen.
Ich hoffe das ist verständlich. Und wenn nicht, naja, dann ist es auch zu spät.
Man man man, ich brach hier in Tours am 20. März bei ungefähr 10°C abends um neun auf.
Ich verbrachte zunächst eine Nacht am Flughafen in Orly, da ich meinen Hinflug so zeitig buchte, dass es keinen Zug gab, der zeitig genug in Paris angekommen wäre, mit dem ich rechtzeitig am Flughafen gewesen wäre. Zunächst hatte ich ja keine großartige Lust eine Nacht einfach so zu verbringen, aber was wollte ich schon machen?
Hab gerade noch einen kleinen Bericht gefunden, den ich dort schrieb, am Flughafen jetzt:
Wow, jetzt hab ich also auch schon die erste Nacht meines Lebens komplett am Flughafen verbracht. Wie aufregend. Und so gar nicht wie in « Terminal », obwohl ich mich daran nicht mehr so genau erinnern kann. Ich bin jetzt ja durch die Sicherheitskontrolle durch und weiss nicht, ob man hier einfach so wieder raus kommt.
Bin also Donnerstags mit dem TGV von Tours nach Paris gefahren, stieg noch ein bisschen um, fand mich umgehend am Flughafen von Orly wieder. Da waren die Bürgersteige hoch- und die Rollläden runtergelassen. War aber nicht schlimm, ich kannte mich ja schon ein bisschen aus und steuerte siegessicher auf mir als extrem bequem und geräumig bekannte, sesselähnliche Sitzgelegenheiten zu. Da war dann auch noch ein Plätzchen (so ungefähr eine 2,5m lange mit schaumstoffbezogene Zuckerwatte) für mich frei. Ich schnappte mir meinen Computer, machte es mir bequem und legte meinen versehentlich mitgenommenen Lieblingsfilm, Garden State ein. Nach 5 Minuten Film sehen, fiel mir ein, dass ich die Audiokommentare noch gar nicht gesehen habe. Also, nix wie von Neuem eingeschoben, sich Zach Braff und Natalie Portman zum Film angehört. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich als bescheuert problemlos durchging. Aber wer kann denn an sich halten, wenn Zach Braff « Star Wars » nicht von « Star Trek » unterscheiden kann? Und das in Anwesenheit von Prinzessin Padme! Oder wer kann Natalie Portman nicht lieben, wenn sie sich über ihre furchtbar komischen Ohren Gedanken macht? Ich habe jedenfalls gut gelacht.
So auf eins machte ich mich dann auch mal daran eine Mütze voll Schlaf zu nehmen. Zu meiner Überraschung hat das auch ganz schön gut geklappt. Fuchs ich, hatte ich Ohropax bei. Das einzige, das mir fehlte, war eine schöne Decke. Warum muss es einem Nachts eigentlich immer kalt werden? Ich meine, reicht es denn im Prinzip nicht, dass alles andere in der Nacht kalt wird? Muss denn da ein Körper unbedingt mitziehen?
So gegen vier Uhr wachte ich dann wieder auf, nachdem ich es sogar schaffte zu träumen.
Unbestohlen, machte ich mich zur Toilette auf, wo ich mir erst mal die Zähne putzte. Wie gesagt, ich bin gut ausgestattet.
Danach gleich mal durch die Sicherheitskontrolle. Das hier so groß ausgeschriebene WiFi, was soviel heißt wie: Wer Internet in Frankreich will, den machen wir zum Idiot. Sozusagen kommt hier Internet am Flughafen mit einem lebenslangen Abo von Kühlschränken.
Also widme ich mich meinen Gedanken, die ob der Zeit wohl noch nicht allzu geordnet sind. Immerhin, nur noch ein bisschen mehr als ne Stunde und ich sitz im Flugzeug gen Berlin.
Naja, dann flog ich heim. Keine besonderen Besonderheiten. Zuhause ließ ich es mir mit meinen Lieben gut gehen. Immerhin war ja schon fast Ostern.
Das verbrachten wir im Übrigen im Schnee. Das taten wir nämlich ziemlich gut. Also, sozusagen Ostersonntag Schnee, soweit das Auge schaut. Das bedeutet, dass wir bei uns sowohl weiße Weihnachten, als auch weiße Ostern hatten. Da sage jemand noch mal was über globale Erwärmung.
Um die kümmerten wir uns dann auch umgehend: mit einem Osterfeuer
Ostersonntag fuhr ich dann mit Ulf zu ihm um ein so genanntes Osterfeuer zu entzünden.
Ich hörte im Voraus schon viel über das berühmte Osterfeuer. Nun war ich zum ersten Mal auch dabei. Da der übliche Feuerentfacher nicht anwesend war, übernahm ich diese Aufgabe. Denn unser Brennspiritus war nicht wirklich ausreichend vorhanden. Aus diesem Grund schnitzte ich kleine Holzspäne und erfachte ein feines Feuerchen, das uns vor dem fallenden Schnee schützte.

In der Woche darauf sollte dann also noch der Geburtstag meiner Mama gefeiert werden.
Leider hatte mir im Voraus mein löchriges Hirn mal wieder einen Streich gespielt. Ich war die ganze Zeit der Meinung, dass die Feier meiner Mama Freitags stattfindet. Unser Flug (Ulf flog mit mir wieder zurück nach Frankreich) war für den Sonntag gebucht, das bedeutete, dass ich der Meinung war, dass wir noch einen Tag zum Ausruhen haben. Ja, da verdachte ich mich. Ich hab zwar bedacht, dass wir die Feier nicht genau zum Geburtstag feiern, sondern einen Tag später, aber ich bedachte nie, dass der Geburtstag an sich Freitags ist, nicht Donnerstag. Also kurz, die Fete fand Samstag statt, der Flug ging Sonntag früh um 10.00 Uhr. Klingt nicht so schlimm, der Zug, um nach Berlin zu gelangen, fuhr aber schon 05.15 Uhr ab. Geht auch immer noch, es war auch noch Zeitumstellung.
Also: durchmachen! Ulf war nicht so sehr von meiner geistigen Umnachtung begeistert.
Wir schlugen uns aber ziemlich wacker. Feierten fein mit bis früh kurz nach vier und gingen dann heim, um uns umzuziehen und ich checkte mich schnell noch ins Flugzeug ein, was ich vorher vergessen hatte.
Wir stiegen in den Zug und versuchten uns darin ein bisschen auszuruhen. Zwar liegt so ein Zug auf Schienen, wenn die Schienen aber noch aus dem vorvorigen Jahrhundert stammen, dann wackelt die ganze Angelegenheit doch mehr als einem lieb sein kann. Und das nach so einer Nacht. Zu deren Glück hatten die nur eine Toilette und keine Brechtüten im Zug. Ich hätte sie glatt fast benutzen können.
In Berlin Schönefeld angekommen, hatten wir noch 15 Minuten bis zum Ende vom Check-in für Ulf. Also machten wir uns auf schnellen Sohlen auf zum Terminal. Als wir da ankamen, war gar nicht so viel los, wie sonst. Unser Flug wurde just in dem Moment, als wir uns anstellten an einen Schalter für sich ausgerufen. (Normalerweise werden alle Flüge an allen Schaltern abgefertigt, was zu unglaublichen Wartezeiten führen kann)
Also waren wir da auch gleich dran, konnten eigentlich schon fast bis zum Flugzeug durchlaufen.
Im Flugzeug besetzte ich uns dann Plätze neben den Notausgängen, die uns unglaublich viel Beinfreiheit erlaubten. Das war sehr gut. Leider waren wir wie immer nicht allein im Flugzeug. Es hat sich noch eine Klasse von 17-jährigen Berlinern auf den Weg nach Paris gemacht. Zu unserer Belustigung vertrieben diese sich ihre Zeit mit Stadt, Name, Land. Deren Meinung nach, sind wir auf dem Flug auch so ziemlich fast 10x umgekommen. Des weiteren sieht Paris von oben aus, wie Berlin und da wir den Eiffelturm auf dem Anflug nicht sahen, hätten wir gar nicht erst aussteigen dürfen.
Naja, aber wir schafften es ja. Fuhren dann schnurstracks nach Tours, das uns mit einem feinen Regen und Busumleitungen empfing. Aber wir kamen an. 12 Stunden brauchten wir. Fertig wie Sportmützen ging nicht mehr allzu viel. Noch ein Baguette geholt, und noch ein bisschen erzählt und schon ab in die Heia.
Montag musste ich dann Ulf erst mal allein lassen. (Achtung Opa!) Ich ging früh um 9.00Uhr in die Uni, um dann 19.00 Uhr fertig zu sein. Der arme Ulf las an dem Tag ein ganzes Buch und amüsierte sich so gut es eben auf 9m2 geht. Nach einem kleinen Spatziergang im Park, schauten wir dann noch einen Film, von dem ich auch die ersten 10 Minuten mitbekam, bis ich einschlief.
Dienstag war dann besser, weil ich diesmal schon 17.00Uhr fertig war. Wir machten es in meinem Lieblingscafé gemütlich und erkundeten dann noch ein bisschen Tours. Eigentlich wollten wir später noch ins Kino gehen, in dem alle Filme im Originalton gezeigt werden, verpassten dann aber den Anfang des Filmes, weil wir noch beim Libanesen essen gingen. Da ich Freitags frei habe, konnten wir endlich was zu zweit unternehmen. Das Wetter von Tours zeigte sich von seiner besten Seite und wir machten es uns im Park am Fluss gemütlich. Abends gingen wir dann mit Alessandro (einem Italiener) und Sophie (seine Freundin) Galette und Crêpe essen. Sehr sehr lecker.
Samstag verabschiedeten wir dann Krizia, die sich zurück nach Süditalien in die Sonne verzog. Danach fuhren Ulf und ich mit dem Fahrrad nach Amboise. Leider war es unglaublich kalt. Also kauften wir uns zuvor noch jeder einen Pullover für 5 Euro. Die stellten sich auch als sehr brauchbar heraus. Wer kann denn auch ahnen, dass von einem auf den anderen Tag ein Temperaturunterschied von ungefähr 50°C herrscht? Kein Mensch! Wir schauten uns dann Clos-Lucé, das Zuhause von Leonardo da Vinci, an. Aufmerksame Leser werden merken, dass ich schon mal dort war, machte aber nix. Ich fand es schon damals so supi, dass ich noch viele Male dahin könnte. Dort angekommen, trafen wir auch prompt eine Freundin von mir.

Nachdem wir uns das alles dann angesehen haben, wollten wir uns noch einen chinesischen Turm in der Nähe ansehen, den ich bisher noch nicht sah. Da aber, einmal dort angekommen, extrem schlechtes Wetter drohte und der Eintrittspreis weit unsere Preisgrenze, eines im Wald versteckten Phallussymbols, überschritt, entschieden wir uns dafür lieber den Heimweg aufzusuchen. Diesmal wollten wir nicht an der Loire, sondern am Cher, langfahren. Also frei drauf los, mit unserem ungefähren Atlas. Die ersten Kilometer fuhren wir auf der Landstraße gegen Wind an. Sehr anstrengend und auch nicht sonderlich schön. Also fuhren wir auf gut Glück näher an den Cher ran und benutzten einen schottrigen, löchrigen Feldweg um wieder nach Tours zu kommen. Nach geschätzten 70 Kilometern, die wir so fuhren an dem Tag hatten wir dann auch gut die Nase voll. Zuhause angekommen, bereiteten uns dann aber Jan und Peter Kartoffelpuffer mit unglaublich viel Knoblauch zu, eine tschechische Spezialität. Sehr lecker.
Eine ähnliche Strecke fuhren wir dann Montag nach Ussé. Dort gingen wir in ein Schloss, in dem sich der französische Märchenerzähler Charles Perrault zu seinem „Dornröschen“ inspirieren lassen haben soll. Nicht schlecht, aber unglaublich teuer für so ein kleines Schlösschen.

Auf dem Rückweg machten wir dann an der Loire Halt, um unser Mittag zu essen.
An der Stelle fand ich etwas, was hier in Frankreich höchst selten anzutreffen ist: absolute Ruhe! Komisch, das fällt mir immer wieder auf, dass es hier einfach nie wirklich ruhig ist. Da sind solche Plätze, an denen noch nicht mal der vorbei fließende Fluss einen Ton von sich gibt, so was wie Balsam auf die Seele. Nun sind also Plätze, an denen es wirklich ruhig ist sehr rar. Ich sog den Moment in mir auf.
In Tours zurück, hatten wir wieder fast 80 Kilometer mit dem Fahrrad zurück gelegt.
Des weiteren schafften wir es dann auch noch ins Kino zu gehen und sahen, wie drei Brüder mit dem Zug durch Indien furhen, gingen mit zwei Esten auf eine Ausstellung von moderner estnischer Kunst und fuhren mit dem Zug nach Blois um uns noch ein Schloss und die wahrscheinlich hässlichste Kathedrale, die es hier so gibt, anzusehen.

Jetzt hat Ulf schon mehr Schlösser hier in der Umgebung gesehen, als manch anderer, der seit September hier ist. Ob das nun bedeutet, dass wir besonders fleißig waren, weiß ich nicht.
Freitag fuhr Ulf dann wieder und lies mich hier zurück.
Es sind Ferien und bis auf Jan, Felena und Jegor ist niemand hier. Dafür fahren dann Felena und Jegor nächste Woche nach Montpellier. Also bleiben Jan und ich. Naja, so kommt man wenigstens dazu etwas für die Uni zu machen.
Gestern nutzte ich meinen Tag, um mal ein Buch zu lesen, das ich seit November hier stehen habe. Ich traute mich ewig nicht ein Buch auf Deutsch zu lesen, weil ich dachte, dass das schlecht für mein Französisch sei. Aber nach drei Wochen Deutsch sprechen, was soll da noch zu versauen sein, wenn man mal ein Buch liest. Ich las die 375 Seiten auch direkt durch.
Mal sehen, was diese Woche alles so mit sich bringt.
Bis bald.

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