Montag morgen wachte ich auf und was sahen meine noch trüben Augen?
Dicke, fette Wolken.
Ich erinnerte mich dunkel daran, dass in Deutschland statistisch gesehen das Wetter am Wochenende am Schlechtesten sei, so glaube ich mich zumindest zu erinnern.
Die Uhren laufen zwar hier in Frankreich nicht anders, aber über die Zeit philosophierte ich ja auch schon zuvor, aber zumindest das Wetter scheint nicht die Wochenenden in Frankreich vermießen zu wollen. Ich schätze jetzt einfach mal ins blaue, dass ein nicht unerheblicher Teil meiner im Land des Käses und des Weins verbrachten Wochenenden, mit schönem Wetter gesegnet waren. Ist nur zu überlegen, warum das in Deutschland nicht geht. Immerhin herrscht hier manchmal die ganze Woche über dunkler Regenhimmel aber spätestens Freitag ist alles wieder gut. Ich geh einfach mal davon aus, dass die Atomkraftwerke schuld sind. So!
So weit, so gut. Also Montag war nicht schön. Machte ja nichts, immerhin räkelte ich mich sowohl Samstag, als auch Sonntag mit Steffi in der Sonne, da hat die gestresste Haut auch mal wieder eine kleine Pause verdient. Gut wars, heute ließ sich die gute, liebe Sonne sich nämlich nicht wieder lange bitten und auf gings, zum See. Problem ist nur, dass man in dem See nicht baden darf. Also sitzt man hier direkt vor wahrscheinlich sehr erfrischendem Wasser und darf nicht reinhüpfen.
Ach ja, lustig: Jegor war heute mit und er fragte sich, ob er in Estland je schon so spät so sehr in der Sonne schwitzte. Der Arme, muss sich immer Witze von uns anhören und in der Woche ungefähr fünf mal die Frage beantworten, ob es in Estland überhaupt Sonne gibt und dann fragt er sich so was. Da sind doch alle Vorstellungen bestätigt.
Ach ja: Mama, keine Angst: natürlich habe ich Sonnencreme benutzt. Hab ich mir schon beim Erscheinen der ersten Strahlen der Guten gekauft. Bin ich doch ein gutes Kind.
Vielleicht habe ich schon weitgehend in diversen Telefongesprächen meinem neuerlichen Zustand Ausdruck verliehen, aber es soll doch jeder wissen, dass ich armes Mädchen krank bin.
Letzte Woche war es nur etwas Halsweh. Groß und erwachsen, wie ich eben so bin, achtete ich insofern darauf, dass ich einmal eine ekelhafte Suppe aß und ansonsten ziemlich viele Bonbons lutschte.
Donnerstag war ich dann im Schwimmbad, weil hier ungefähr wieder mal gefühlte 100°C herrschten. Steffi hatte mich schon vorgewarnt, dass sie immer so eine Stunde schwimmen würde. Da wollte ich mich natürlich auch nicht lumpen lassen und schwamm fleißig mit. Hab auch fast ne Stunde durchgehalten und wurde nur ungefähr 50x innerhalb dieser Stunde von Steffi überholt.
Danach, heim; Haare waschen und wieder los. Mussten ja mal wieder grillen. Lecker.
Am nächsten Morgen wachte ich dann so gegen drei auf, weil mir mein Kopf verdächtig schmerzte. Ich dachte mir, dass es diesmal nicht am den Getränken des Vortages liegen könne. Mir meiner Selbst aber nicht so sicher, versuchte ich einfach weiter zu schlafen. Ging auch ein bisschen. Hab ich mich wieder fein übers Ohr gehauen.
Am Morgen war es dann aber leider immer noch nicht besser. Nach einem kurzen, fast schon weinerlichen Anruf bei der Mama, die sich bei so was ja immer noch am Besten auskennen muss, war mir dann klar, dass ich entweder festgewachsenes Wasser oder Entzündung im Ohr habe. Ich versuchte mich zunächst ein bisschen selbst mit Schmerztabletten zu heilen, wirkte aber leider auch nicht.
Aber zunächst musste ich in die Stadt, mich mit einer Freundin zu einer Besprechung treffen. Haben ja schließlich ein Projekt für die Uni zusammen zu schreiben.
Nachdem ich dann jeden Ton ungefähr drei Mal in meinem Ohr schallen hören habe und meine Schmerzen auch nicht von mir lassen wollten, frug ich den Barbesitzer, wie das denn so an Feiertagen sei, mit Apotheken und Ärzten.
Ach ja, es war Feiertag. Wir feierten den 1945 lang ersehnten Waffenstillstand.
Komischerweise standen ab diesem Tag die Waffen still, die Geschäfte sind aber nicht still. Im Prinzip war der Großteil der Geschäfte an diesem Feiertag geöffnet. Am Tag der Arbeit, den wir, wie so ziemlich die halbe Welt auch, feierten, fuhr noch nicht mal ein Bus. Naja, aber egal. Die Geschäfte waren also, im Gegensatz zu den Apotheken und den Ärzten, geöffnet. An normalen Tagen, kann man hier einfach zum Uniarzt gehen, der einen dann kostenlos behandelt.
Aber zurück zum Barbesitzer:
Er schnappte sich gleich ein Telefon und wollte im Prinzip bei der Polizei anrufen, um Informationen zu erhalten. Das war doch nicht so, was ich wollte. Glücklicherweise fand er in den „Gelben Seiten“ in diesem Moment die Nummer des Notfallarztes. Also rief er da an und frug nach, was wir schönes machen könnten. Fast hätte er mir den Weg zum Arzt nicht zugetraut und wollte, dass dieser zum Café kommt. Das konnte ich aber glücklicherweise noch abwenden.
Da stelle sich mal einer vor, dass der Stadtdienst zum Feiertag mitten auf den berühmtesten Platz in Tours kommt, nur weil „ich“ Ohrenschmerzen habe. Nee, im Prinzip kann ich mir im Moment fast keine peinlichere Situation vorstellen. Ich bekam einen Termin für eine Stunde später und machte mich schon mal auf den Weg. Unterwegs unternahm ich noch einen letzten Versuch mich eigenständig mit Eis zu kurieren. Das klappte aber auch nicht so, wie ich mir das dachte. Dafür schmeckte es aber gut. Immerhin.
Beim Arzt angekommen, war ich zu früh, was die Anmeldedame nicht so lustig fand. Ich wollte aber nicht länger im Wind rumspringen und war ja auch auf eine lange Wartezeit vorbereitet.
Die dauerte dann ungefähr zehn Schritte. Der Arzt nahm mich gleich dran, weil er wohl gerade von seiner Mittagspause wieder kam und noch niemand weiter da war. Ein Blick ins Ohr, und: eine schöne Mittelohrentzündung „une belle otite“. Ich habe ihm gedankt, dass er der Meinung war, dass sie schön sei. Er wollte 52 Euro von mir. Kreditkarte wollte sein Gerät nicht. Schlecht. Meine EC-Karte wollte es auch nicht, weil diese auf irgendeine Art und Weise von den hiesigen Banken freigeschaltet werden muss für medizinische Dienste. Verstanden hab ich es nicht. Also fuhr mein Fahrrad mich zur nächsten Bank und ich besorgte mir das Geld, dass ich dann dem fleißigen, am Feiertag arbeitenden Arzt überreichte. Er erklärte mir dann auch noch, wo sich eine der vier in Tours geöffneten Apotheken befand und ich schwang mich wieder auf mein Fahrrad um so schnell wie möglich an meine Drogen zu kommen. Weil hingegen aller Erwartungen, die Diagnose noch keine Heilung bedeutete. Leider. Geöffnet waren im Übrigen nur die Apotheken, die sich in den Hypermarchés befanden. Und die befinden sich allesamt außerhalb der Stadt.
Ich kaufte dann also noch mal für gut 25 Euro Drogen ein. Was genau das alles so ist: .... weiß ich auch nicht. Hauptsache es hilft nicht wahr.
Das Antibiotikum darf ich nur während der Mahlzeiten einnehmen. Das nahm ich heute Morgen gleich mal zum Anlass mir ein feines halbes Baguette zum Frühstück zu gönnen. Man muss ja auch was davon haben, dass man so gut wie nix auf einem Ohr hört, nicht wahr?
So, ich geh jetzt Tabletten essen.
Schüss!
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