Aber glücklicherweise gewöhnte ich mir an, meine Aktivitäten zumindest in groben Zügen festzuhalten, weil ich ja von mir weiß, dass es mit Erinnerung an spezielle Sachen nicht allzu weit her ist.
Letzten Sonntag ließen wir uns etwas phänomenales einfallen. Wir trafen uns zu vier Mädchen und feierten Muttertag mit einem kleinen, feinen Brunch. Wir setzten uns auf die Terrasse von Steffi und beglückwünschten uns gegenseitig im Voraus zu unseren einmal irgendwann Kindern. Eine eher seltene Gelegenheit sich mal einfach so zu unterhalten. Sehr entspannend.
Meine Antibiotika hinderten mich immer noch daran das ganze auch mit einem kleinen Gläschen zu beprosten, aber auch nicht schlimm.
Mittwoch darauf, fuhr ich mit Steffi früh Morgens nach Orleans, weil wir uns die Stadt und Basketball mit Jegor, anschauen wollten.
In Orleans angekommen und nach ungefähr vier Stunden, in denen wir uns die Stadt näher ansahen, befanden wir dann, dass es nicht wirklich nötig ist nach Orleans zu fahren.

Im Prinzip scheint der Stadt ihr Name zu genügen. „Wir heißen Orleans, wir haben Jeanne d'Arc, das reicht.“ Wir hatten Glück, weil wir von viel Sonne verwöhnt worden. Die Kathedrale ist fein, aber so richtig überzeugt waren wir nie.
Mit dem Basketball konnten wir uns dann schon sehr viel eher identifizieren. Jegor war Schiedsrichter des ersten Matches. Jegor, ein Este, ist im Besonderen für seine vielen Rekorde im Unfug machen, berühmt. So richtig ernst wird er also nicht genommen. Ihn dann im Gegenzug auf dem Feld zu sehen, wenn er mit wilden Gesten anzeigt, was wer wann getan hat und wie er bestraft werden sollte ist doch wirklich ziemlich beeindruckend. Steffi und ich kamen überein, dass jeder von uns ein Match von ihm hätte sehen sollen, einfach um zu sehen, dass er auch so tun kann, als wäre er ernst.
Nach dem Match, dass Jegor bepfiff, schauten wir uns auch noch das darauf folgende Match der Profis an. Was hier wirklich fehlt: Cheerleader. Die sind doch so witzig. In Frankreich gibt es sie allerdings nicht. Schade eigentlich.
Das Spiel mussten wir leider schon vorzeitig verlassen, weil wir unseren Zug erreichen mussten. Also raus: strömender Regen. Nicht fein. Also: Beine in die Hand ... und los. Klatschnass in den Zug, und ab.

Nach fünf Minuten hielt der Zug und fuhr dann für eine dreiviertel Stunde nicht mehr, weil ein Blitz in die Leitung einschlug. Die musste erst wieder in Gang gebracht werden. Da hätten wir auch das Spiel fertig sehen können. Aber irgendwann kamen auch wir in Tours wieder an. Glücklicherweise. Fahrrad geschnappt und heim. Alex war ja immerhin zu Besuch aus Deutschland. Mit der leisen Hoffnung ihn vielleicht noch sehen zu können, fuhr ich bei ihm vorbei. Und: es war noch Licht in seinem Zimmer. Dank meiner unglaublichen Fähigkeit mit zwei Fingern, die sich in meinem Mund befinden, extrem laut pfeifen zu können, rief ich ihn. Keine Antwort. Also nix wie hin und aus dem Bett geklingelt. Nicht er, sondern Jens, sein mitgereister Freund öffnete mir. Alex wollte nicht mehr mit mir reden, er schlief schon tief und fest. Also hinterließ ich ihm eine kleine Nachricht auf seinem Arm und ging heim.
Tags darauf war Alex von den Toten wieder auferstanden und wir fuhren zusammen in die Stadt, um uns einen feinen Kaffee leisten zu können. Lecker. Den Rest des Tages verbrachten wir am Ufer der Loire, aßen Baguette mit Camenbert und tranken eine kleine Flasche Rosé.
Im Prinzip also der Inbegriff des Stereotyps, den wir so von Franzosen haben. Da braucht es wohl erst einen Haufen Ausländer um das ganze zu verwirklichen.
Sonntag:
Wie wir ja wissen, bin ich in Frankreich. Woran denken wir, wenn wir Frankreich hören? Baguette? Ja. Woran noch? Käse? Ja. Aber was denken wir wirklich? Wein!
Wein!
Sonntag nahmen Domenico und ich an der so ziemlich unglaublichsten französischen Erfindung teil, die wir so kennen.
Wir fuhren in die Stadt, auf eine Weinmesse. Ja, eine Weinmesse. Dazu kauft man sich an einem Eingang ein Glas für drei Euro. Dann kann man nach Herzenslust eins der ungefähr hundert Stände mit Weinhändlern der Region ansteuern. Dort lässt sich dann Wein verkosten. Man braucht also nur mitzuteilen, was man so möchte und schwups: Wein im Glas. So kamen wir nachdem wir so manchen Abend Wein für 4 Euro der 5 Liter Kanister, trinken mussten, zu der Ehre Wein zu kosten, der im Fünf Liter Kanister fast 100 Euro kosten würde. Nach ungefähr zwei Stunden, die wir auf der Messe verbrachten, waren wir dann zu aufstrebenden Sommeliers herangewachsen und schlossen mit den Ausstellern die Tore der Messe. Eine klasse Erfindung. Leider vergaßen wir auch uns anständig mit Nahrung zu versorgen, und die Spucknäpfe zu benutzen. Deswegen waren neben einem leichten Hungergefühl in der Magengegend auch eine kleine, sich drehende Welt, die Folge. Aber die war es wert.

Gestern war ich mit Domenico in La Rochelle. Wir fuhren Morgens mit Jenny, die auch in die Richtung wollte los und verbrachten den ganzen Tag in der „weißen Stadt am Atlantik“. Baden waren wir nicht, aber am Strand von La Rochelle. Zu dieser Zeit machte uns aber leider noch die Ebbe zu schaffen. Aber wie es eben so ist, so richtig kann man das mit der Ebbe und der Flut nicht beeinflussen. Wir verfolgten den Touristenguide und schauten uns so das Städtchen an. Sehr niedlich. Als wir dann unser Programm vervollständigt hatten, ließen wir uns auf einer kleinen Bank nieder und schauten uns das rege Treiben der Menschen um uns herum an.
Abends setzten wir uns dann in den Zug und machten uns wieder auf den Weg nach Tours. Dort holte uns Jegor vom Bahnhof ab. Endlich mal jemand, der am Bahnhof ankommt und nicht immer nur die ganzen Menschen, die weg fahren.

1 Kommentare:
Hallo mein kleines Schwesterlein!
Heeee....du hast ja echt lange nix mehr geschrieben!Freuen uns immer wenn wir wieder neue Texte von Dir lesen. Wir hoffen Dir gehts gut und Du genießt noch bissel das schöne französische Leben. Dicken Schmatz Anke und Bernd
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