Nicht wirklich. Aber immerhin. Ich war in der Nord-Westlichsten Ecke dieses Landes. Wenn wir hinzukommend noch in Betracht ziehen, dass ich schon einige Male die Süd-Östlichste Ecke sah, dann kann ich mit Fug und Recht behaupten, Frankreich erforscht zu haben.
Hmmh, vielleicht ist das nicht wirklich möglich. Davon ausgehend, dass ich es noch nicht einmal schaffte mein Eigenes Land wirklich zu kennen, darf ich selbiges wohl auch nicht vom fast doppelt so großen Frankreich behaupten. Und überhaupt. Kann man ein Land überhaupt kennen. Wenn man es vielleicht einmal geschafft hat einen großen Teil davon zu sehen, hat sich das meiste in der ersten Ecke schon wieder so verändert, dass man von vorne anfangen kann. Da muss man nur mal den Malermeister vom „Blauen Wunder“ befragen. Der kann wahrscheinlich auch ein Lied davon singen.
Aber zurück zur Nord-westlichen Ecke Frankreichs. Letztes Wochenende war ich mit Steffi in Brest. Das an sich ist noch nicht besonders toll. Brest an sich ist nämlich so ziemlich hässlich. Und woran liegt es? Ja, genau. Der Zweite Weltkrieg. Um die Besatzung aus Frankreich rauszubomben, wurde die Stadt bis auf das unkenntlichste von den Alliierten zerstört. Demzufolge blieb nur noch ein verschwindend geringer Teil einer damals blühenden Stadt übrig. Dementsprechend kurz reichte uns auch jeweils ein Aufenthalt in der Stadt und wir entschieden uns, tagsüber immer zu fliehen. Unsere erste Flucht sollte per Boot erfolgen. Gleich nebenan im Atlantik sollen sich nämlich atemberaubend schöne Inseln befinden. Ganz von unserer Bootstourmission eingenommen, ging es ab zum Hafen, um sich mit Infomaterial einzudecken. Am nächsten Morgen standen wir auch entsprechend zeitig auf, um unsere Kreuzfahrt zu reservieren.
Leider waren wir nicht die einzigen, die auf diese hervorragende Idee kamen, was leider bedeutete, dass wir uns schon Wochen vorher um eine Reservierung hätten kümmern müssen. Das wiederum hätte bedeutet, dass wir schon Wochen vorher in Brest hätten sein müssen, um auf unsere Bootstour zu warten, was angesichts der schwer zu entdeckenden Schönheit der Stadt nicht einfach gewesen wäre, oder wir hätten es vorher wissen müssen, also in letzter Zeit schon mal in Brest sein müssen, was wiederum genau aus dem vorhergehenden Grund genauso wenig möglich ist.
Kurz und gut, da wir schon mal wach waren und die Sonne in ihrer vollen Pracht nur für uns schien, gingen wir kurzerhand, nicht ohne vorher noch bei dem ein oder anderen Bäcker für ein lecker Croissant anzuhalten, zum Bahnhof.
Dort angekommen, gingen wir zum erstbesten Busfahrer und fragten auf feine Touristenmanier, wo er denn hinfahren würde, wenn er jetzt nicht sein Arbeitsgerät steuern müsste und an einen Platz in die Nähe wöllte, der wunder wunderschön sei. Also gab er uns einen Tipp. Das gleiche wiederholten wir dann noch am Bahnschalter und so wählten wir unser Ziel. Le Conquet. Das sollte es nun sein. Unser ultimatives Frankreich Ziel. Der unschlagbarste Ort Frankreichs. Unser Mekka. Während wir auf den Bus warteten, zogen typisch bretonische Wolken auf, die uns nicht so ganz typische Sonne stahlen. Nichts desto trotz, ging es trotzdem los. Wir also auf zum Arsch von Frankreich.
Im Bus klammerten die Wolken sich schon immer mehr aneinander. Als wir ankamen, fanden wir ein wunderschönes, kleines Örtchen vor uns, das wirklich all das ist, was man sich so in der Bretagne vorstellen kann. Rauhe Küste, Boote, die bei Ebbe auf dem Trockenen liegen,
Fischer, die an ihren trocken gelegten Booten basteln und so weiter. Steffi und ich machten uns in alter Bergsteigermanier in Flip-Flops auf eine kleine Felseninsel zu umrunden. Schuldig! Ich hab die Dr.Vibram®-Regel missachtet. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es Vibram® Flip-Flops gibt. Wäre ne Idee, aber nicht klauen!
Unser Picknick genossen wir dann seelenruhig im feinen Nieselregen an einem kleinen Strand.
Die Inseltour beendeten wir dann mit einem kleinen Blick auf die noch stehen gebliebenen Schützenbunkerreste. Schon traurig, was Menschen so in die unberührte Landschaft gebaut haben, um alles abzuknallen, was an der Küste ankommt.

Nach einer Weile verwandelte sich der feine Nieselregen in ein waschechtes Sauwetter, so dass wir es vorzogen in ein wunderschönes kleines Café zu gehen, in dem uns eine suuuper freundliche Dame mit bretonischen Spezialitäten vewöhnte. Lecker Gebäck.
Den Abend nutzten wir dann um uns im Bett ein Picknick mit Käse und Wein zu gönnen und endlich mal wieder zu schlafen.
Sonntag weckte uns zum wiederholten Male die Sonne, die uns diesmal allerdings nicht mehr verlassen sollte. Auf dem Weg zum Bus, der uns an einen Strand außerhalb der Stadt bringen sollte, kamen wir am Wochenmarkt vorbei, auf dem wir uns nach eingehender Beratung für feine Sachen entschieden. Immerhin mussten wir mal wieder ein Picknick machen.
Den Sonntag verbrachten wir also am Strand in der Sonne.

Ja, es war sogar so warm, dass wir beide im Atlantik baden gingen. Ich gebe zu, es war schon verdammt kalt, aber immerhin hatten wir vorher auch den großen Mund, da mussten nun also auch Beweise her.

Unser Zimmer konnten wir in der Zwischenzeit behalten, da die Hotelbesitzerin nämlich viel Interesse an ihren Zigaretten zu Tage legte, aber weniger an der Zimmerreinigung. Und die Putzfrau kam auch erst Montag. Also durften wir auch an unserem Abreisetag unser Zimmer so lange behalten, wie wir das wollten.
Auf der Heimfahrt musste ich mich dann über Telefonliveticker von den Spielständen der deutschen Nationalmannschaft, die hier übrigens „Mannschaft“ heißt, am Laufenden halten. Hat aber gut geklappt, auch wenn ich trotzdem das vermeintlich beste Spiel unserer „Mannschaft“ nicht sehen konnte.
Diese Woche war dann wieder mal Arbeit angesagt.
Gestern, am 18. Juni, feierten wir den Jahrestag des Appells von Charles de Gaulles. Er rief seine Franzosen von London aus, zum Kampf auf.
Da stand ich nun, neben den ganzen Kriegsveteranen ...
Ja, und als die Zeremonie dann vorbei war und sich alle auf den Weg machten, einen kleinen Feierwein zu trinken, da half ich beim Aufräumen.
Das beinhaltete auch, dass ich nach den Feierlichkeiten mit dafür zuständig war, die französische Flagge wieder einzuholen.
Ich muss sagen ... das ist schon was.

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