Donnerstag, 31. Januar 2008

Abschiede

Jetzt ist wohl die Zeit des Jahres gekommen, in der man ziemlich viele Menschen, die man sehr lieb gewonnen hat, verabschieden muss. Dementsprechend deutlich gedrückt ist die Stimmung. Jeden Tag jemand anderes, der das Feld räumen muss. So richtig will keiner.
Nichts desto trotz nutzen wir unsere Zeit zusammen noch, so gut wir können.

Freitag machte ich mit Laura und Benedetta wieder eine Tour in Tours und eine Tour um Tours.
Das bedeutete auch, dass ich das erste mal die Loire in Tours zu Fuß überquerte. Gleich früh fuhren wir nämlich mit dem Bus bis zum Fluss, stiegen aus und liefen über die Pont Wilson auf nach Tours-Nord.


Da fanden wir dann auch ganz kleines gemütliches Viertel vor, in dem wir promenierten. Mittags trafen wir uns in der Stadt um in der so genannten besten Sandwicherie von Tours uns ein Mittagsbaguette zu genehmigen. Als wir deren Platz ausfindig gemacht hatten, stellte sich heraus, dass diese wohl doch nicht so unglaublich gut war, weil sie zum Verkauf stand und dementsprechend geschlossen war. Domaggio!!! Also holten wir uns einfach in einer nicht so bekannten, dafür aber geöffneten Sandwicherie unsere Baguettes. Dann noch einen kleinen Kaffee oben drauf und ab mit Benedetta nach Luynes. Das ist ein kleiner Ort nicht unweit von Tours, das auf einem Hügel ein kleines Schloss zu bieten hatt.


Was wir nicht wussten, dieses Schloss öffnet seine Pforten nur im Sommer. Schon wieder Domaggio!!! Also schauten wir uns den kleinen, doch sehr sehr niedlichen Ort an und machten uns mit dem Bus wieder auf die Heimfahrt.




Sonntag nutzten wir unsere freien Autokapazitäten. Das heißt, dass Swantje, die die einzige ist, die mit dem Auto hier ist und Sophie, eine Französin und die Freundin von Alessandro, ihre Autos startbereit machten und wir somit die Möglichkeit hatten, nach Cheverny zu fahren. Cheverny ist hier ein Schloss, das in privater Hand ist und nach dessen Vorlage ein Tim und Struppi Band gezeichnet wurde.



Leider ist dieses Schloss wirklich auch nur mit dem Auto zu erreichen. Als wir uns im Voraus um den Ausflug kümmerten wurde uns freundlich auf den Zug nach Blois und dann Taxi hingewiesen oder wir sollten uns gleich Mitwagen zulegen. Ja, die französische Freundlichkeit im Servicebereich ist doch nicht zu übertreffen.
Das Schloss an sich war ganz niedlich. Riesig breit, dafür aber unglaublich dünn. Das bedeutet, dass man in jedem Zimmer beide Seiten des Gartens sehen konnte. Hat ja auch was, wenn auch überall Außenwände. Ich nehme jetzt einfach mal an, dass man sich früher nicht allzu sehr um Wärmeisolierung Sorgen machte. Da war es dann einfach kalt.
Ansonsten haben wir seitdem jede freie Minute miteinander verbracht. Gestern, Mittwoch, der 30. Januar war dann der nächste traurige Höhepunkt. Laura fuhr ab. Deswegen sind wir alle ganz zeitig mit aufgestanden, haben sie zum Bahnhof und noch im Zubringer zum Durchgangsbahnhof weggeschafft. Bin mir nicht ganz sicher, was die anderen Schaulustigen über eine Horde 20-25-jähriger dachte, die gemeinsam heulten, war uns aber auch alles ganz schön egal.
Heute fährt die nächste, dann Samstag und so weiter und so fort. Es nimmt also vorerst kein Ende mit den Abschieden.

Freitag, 25. Januar 2008

wenn schlösser wassern

Und schon wieder ist fast ein Monat vorbei.
Zum Glück vergeht die Zeit nicht ohne nichts gemacht zu haben.
Letzten Donnerstag haben wir auf unserem Flur den Geburtstag von Lise, Taleb und Jeff gefeiert. Zu diesem Anlass gab es so feine Sachen wie Pfeffi mit Wodka.
Freitag nutzte ich dann um mal zu schauen, was Frankreich so in seinem Winterschlussverkauf zu bieten hat. Leider nix. Ist aber auch nicht schlimm. Schlussverkäufe sind sowieso doof.
Eigentlich wollte ich mit Laura ein Schloss hier in der Nähe besuchen. Problem war nur, dass die Sonne uns seit einiger Zeit nicht mehr verwöhnt. Das bedeutet, dass wir wohl seit gut einer Woche keinen Sonnenstrahl mehr zu Gesicht bekamen. Somit drohte der Himmel uns permanent mit Wolkenbruch. Diesen fürchtend, nahmen wir den Bus hier und schauten uns einen kleinen Vorort von Tours, der sich « Ville aux Dames » nennt. Dort fanden wir ein ganz kleines Rathaus, eine kleine Kirche, kleine niedliche Häuser und ein riesiges Einkaufszentrum vor.

Und: wir sind nicht einkaufen gegangen. Nahmen eher den Bus zurück. Da wir einmal am Busfahren waren, dachten wir, dass wir das noch weiter ausweiten können. Deswegen sind wir ans ganz andere Ende von Tours gefahren. Zum ersten Mal in unserem Leben dort seiend, stolperten wir gleich mal über Domenico, der sich dort ein Paar Schuhe gekauft hat. Die Fahrt zurück, die vom einen Ende von Tours zum Anderen führte, dauerte knapp eine Stunde. Das ist ungefähr die Zeit, die man von Tours nach Paris mit dem TGV benötigt.
Und das Beste daran: Ich habe die Loire in Tours überquert!!!!
Das Jahr ist vorbei. Hab schon Mitte Januar erfüllt, was ich mir zu Silvester vornahm. Ja, die Loire überqueren gehörte dazu. Jetzt werde ich noch versuchen einen Level drauf zu setzen und wenn die Sonne sich mal wieder die Ehre gibt, werde ich die Loire zu Fuß bewältigen. Jap!
Freitag Abend aßen wir zusammen fein Spaghetti und danach machten wir uns zu einer kleinen Fete auf. Immerhin ist gerade die Zeit, in der viele ihren Abschied feiern. Und das muss natürlich dementsprechend gewürdigt und besucht werden.

Dazu trafen wir uns in unserem Arbeitssaal im Haus nebenan. Ich verbreitete so feine Sachen, wie Ahoi Brause mit Wodka. Muss ja raus in die Welt.

Samstag standen wir dann relativ zeitig auf, um uns mit dem Zug auf nach Chenonceau zu machen. Das ist ein Schloss, das direkt auf dem Cher gebaut ist und auch als Schloss der Frauen bekannt ist. Seine berühmteste Bewohnerin war wohl Katharina von Medici. Auf jeden Fall war es eines der schönsten Schlösser, wenn nicht das schönste, was ich bis jetzt sah.


Abends hatte sich mein alter Mitbewohner Cédric angemeldet, den wir dann mit einer kleinen gemütlichen Fete empfangen.
Sonntag fuhr ich dann gleich früh mit Laura im Bus nach Azay-le-Rideau.

Ein anderes Schloss hier in der Nähe. Wenn wir was haben, dann sind das Schlösser. Das Örtchen dort war superklein und superniedlich.

Das Schloss hatten wir dann auch in einer halben Stunde gesehen. Als wir heimkamen hatte uns Jan le Tchèque freundlicherweise Abendbrot zubereitet. Was für ein Service.
Heute ist wieder Freitag, was bedeutet, dass wir heute wieder eine Tour de Tours machen und uns vom Bus durch die Gegend fahren lassen und mal sehen, was die kleinen Stadtviertel hier uns zu bieten haben.
Das bedeutet, dass ich die Loire heute schon wieder überqueren werde. Langsam wird es unheimlich. Heute ist sogar gutes Wetter, die Sonne lacht uns entgegen. Das kann bedeuten, dass wir vielleicht auch mal selbst über die Brücken gehen werden. Mal sehen.

Mittwoch, 16. Januar 2008

da bin ich wieder!!! Entschuldigung

Reumütig und Besserung lobend, melde ich mich zurück.
Hat wohl dann doch eher nicht geklappt mit dem Update vor Weihnachten.
Ich verschätz mich wohl manchmal leicht in meiner Planung.
Soll nicht heißen, dass ich es nicht nach Deutschland schaffte. Der Blog musste eben nur drunter leiden.
Da ich in der Zwischenzeit sehr viel machte, gibt es zunächst bis Weihnachten einen kleinen Bild-Bildunterschrift-Überblick


Dieses Bild entstand bei der Weihnachtsfeier unserer Französisch-Anstalt. Was ein schönes Wort. Die fand hier auf unserem Berg statt und jeder sollte etwas mitbringen. Da wir uns dachten, dass wohl jeder so etwas wie Kekse oder so anschleppt, bringen wir einfach einen Eimer voll Schlammbowle mit. Diese kam auch sehr gut an – war in null,nichts ratzefatze kahl geputzt.

Tags darauf in der Früh fuhren wir nach Loches. Das ist ein kleines aber dafür eines der bedeutendsten mittelalterlichen Ensembles im Loire-Tal, ja ganz Frankreichs. (Tal der Loire – Dumont Reiseführer) Die Wahl, für die Fahrt einen Bus zu nehmen stellte sich auf viele verschiedene Arten als sehr gut heraus. Zunächst bedachten wir nicht, dass Busse, die von der Bahngesellschaft betrieben werden mit Zugtickets bezahlt werden. Das bedeutete, dass wir alle bereitwillig unseren furchtbar großen von der EU geförderten Geldscheine in der Hand hatten um 3,50 Euro zu bezahlen. Der Busfahrer war aber nicht auf unser Unwissen vorbereitet und hatte kein Wechselgeld dabei. Also machte uns der Busfahrer ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk und beförderte uns kostenlos.


Haben uns auch gleich revanchiert und, obwohl wir am Ende des Busses saßen, gut benommen. So gut sind wir.
Der weiterer Vorteil des Busses ist, dass man relativ viel von der Umgebung sieht. Also nicht nur die Bahndämme, die man schon auswendig kennt. Super.


In Loches angekommen wurde unsere Reiselust mit furchtbar blauem Himmel belohnt. Das bedeutete, in Zeiten des Winters allerdings auch gleichzeitig, dass man sich ohne genügend Alkohol im Blut einfach nur die Gliedmaßen abfror.


Domenico kann seine Abneigung weißen Tannenbäumen gegenüber einfach nicht verstecken.

In Loches wurden wir von einem kleinen Weihnachtsmarkt empfangen. Der stellte sich leider auch nicht als deutscher Export heraus, aber die Erwartungen an Weihnachtsmärkte waren jetzt ja auch nicht mehr so hoch.

Loches selber ist ein wunderschönes kleines Städtchen mit vielen kleinen niedlichen Gassen.
Wir erkundeten dann die mittelalterliche Burg, die auch schon Richard Löwenherz gerhörte und die königliche Residenz.

Hier stehen wir auf dem Dachgarten des alten Donjons.


Hier eine Transportbox von Gefangenen (die Burg war früher unter anderem auch ein Gefängnis). Nachdem ich alle hinein lockte, fand ich heraus, dass man diese tatsächlich sicher verriegeln kann. Diese Chance ließ ich mir natürlich nicht entgehen. Zog mir dabei allerdings auch einige unschöne Bemerkungen an Land.



Nachdem wir uns in einer kleinen Bar wieder aufwärmten, erledigten wir noch schnell ein paar Einkäufe und spendeten Geld für einen guten Zweck.
Das soll bedeuten, dass wir den Rotariern für jeweils einen Euro Glühwein und Crêpes abkauften. Ja, so äußert sich unsere soziale Ader.
Im Bus nachhause mussten wir dann vereinzelt bezahlen, was aber nicht wirklich schlimm war.



Ausnahmsweise feierten wir auch mal einen Adventsonntag. Wir trafen uns bei mir zum Plätzchen backen und Kaffe und Kakao trinken. Lecker Lecker

Die letzte Woche ließen wir dann Klausurenschreibend und Partyfeiernd ruhig ausklingen.

Weihnachten kam ja mit großen Schritten auf uns zu.
Das bedeutete auch, das sich nun jeder auf seine Abreise vorbereitete. Fein. Daheim ist eben daheim! Und das trifft ganz besonders an Weihnachten zu.
Also machte ich mich Freitag den 21.12. früh um 7.30 Uhr auf die Socken, um dann 21.00 Uhr in Chemnitz anzukommen. Bus, Bahn, RER in Paris, Flugzeug, Bahn in Deutschland haben sogar alle so funktioniert wie ich das brauchte. Natürlich ging auch hier nichts ohne Verspätungen, jedoch konnte ich immer bequem vom Einen zum Nächsten gehen.
So verbrachte ich also Weihnachten im Kreise der Familie. Davon brauch ich wohl an dieser Stelle nicht schwärmen.

Yeah! Wir hatten weiße Weihnachten!




Und Essen gab es auch ohne Ende!

Sylvester machten wir uns dann auf in die heimliche italienische Hauptstadt. Prag.
Dort verbrachten wir unsere Zeit vom 30.12 bis zum 01.01 und profitierten von den unglaublichen Bierpreisen. Obwohl nicht alles in Prag billig ist, nur weil es in der Tschechischen Republik ist, gibt es doch einen halben Liter Bier für unter einen Euro. Da lässt man sich ja nicht zu lange bitten. Außer ich jetzt. Weil eigentlich trink ich ja kein Bier. Aber ein Radler tat es ja auch, obwohl ich mich mit diesem endgültig als komischer Ausländer outete.
Ach ... wir fuhren übrigens auch am längsten Bahnsteig Deutschlands in Gößnitz vorbei. Der war wirklich länger, als deutsche Semesterferien. Impressionant!


An den Euro gewöhnt, war so eine andere Währung in einem anderen Land doch wirklich ganz schön komisch.


Clausi beim Mittag essen.




14 Leute in einer Einraumwohnung. Yeah!

Die wenigen Tage, die mir dann noch in Deutschland blieben, versuchte ich aufs Beste zu nutzen.
Musste ja schließlich wieder hier her.
Und ich muss sagen, es war wirklich sehr schwer. Im Prinzip brauch ich immer wieder eine Woche um mich wieder einzugewöhnen. Soll heißen, mir geht es wieder gut.
Jetzt hat ja auch die Zeit angefangen, in der sich alle, die nicht für das zweite Semester hier bleiben, darauf vorbereiten zu sich zurück zu kehren. Das bedeutet, dass wir viel Abschied feiern müssen. Das Problem an den Ganzen Abschieden ist, dass mit jedem der weg ist, wir auf eine neue Person trinken müssen. Anstrengend. Aber man tut was man kann.



Beim Dreikönigskuchen essen hab ich die Krone gewonnen. Im ganzen Monat Januar gibt es Kuchen in dem eine Figur versteckt ist. Wer sie findet, ist der König oder die Königin.
Gewonnen!

Wir Armen, stehen vor der Bäckerei und trauen uns nicht rein. Kuchen für 30Euro finden wir dann doch etwas übertrieben.




Mädels und Jungs bei Chiara.

Jetzt hab ich zumindest schon mal meine ganzen Klausuren hinter mir und hab auch nebenbei schon mit den neuen Kursen für das zweite Semester begonnen.

Das bringt uns auch schon zu heute.
Der Tag begann schon fein, als ich 1,5 Stunden vor meinem Wecker aufwachte und nicht wieder einschlafen konnte.
Danach machte ich mir eine feine heiße Zitrone/Orange. Da ich die Vitamine nicht zerstören wollte, indem ich das ganze in die Mikrowelle stellte, erwärmte ich Wasser in der Mikrowelle in einer anderen Tasse, um es mir dann statt in die Tasse mit Zitronen-/Orangensaft zu kippen, über die Hand schüttete. Nun hatte ich zwei Möglichkeiten. Ich konnte die Tasse fallen lassen und meinen frisch gepressten Saft und meine Tasse aufs Spiel setzen oder ich konnte wie ein hartes Mädchen die Schmerzen kurzzeitig aushalten und die Tasse in aller Ruhe abstellen. Bin wirklich steinhart.
Und das war noch nicht genug.
Bei uns regnet es Hunde und Katzen. Da ich hart bin (wie schon erwähnt), fuhr ich heute trotzdem mit dem Fahrrad. Das bedeutete, dass ich mindestens 4x nass wurde. Naja ich nicht zu sehr, weil ich ja eine komplette Regenausrüstung habe, aber leider trifft das auf meinen Rucksack nicht zu und meine Blätter und so weiter bewiesen ihre Hydrophilität.