Montag, 28. April 2008

Sommersonnenwochenende

So, jetzt ist es also raus. Ich werde hier in Tours die ERASMUS-Tür schließen.
Ich fand letzten Freitag ein Praktikum, welches mich bis Ende Juli an Tours bindet. Bis dahin werde ich alle meine Freunde noch zum Bahnhof begleiten können und Einem nach dem Anderen, zum Abschied winken und für jeden ein Paar Tränen vergießen.
Glücklicherweise wird mir das Schicksal, die Einzige ohne Abschiedskommando zu sein, erspart. Ich werde abgeholt. Jippie! Das bedeutet nicht nur, dass ich nicht in den Zug steigen muss, mit furchtbar vielen großen Koffern, die ich wohl möglich noch quer durch Paris chauffieren muss, nein: ich kann mir auch nach Herzenslust lustige Dinge zulegen, muss nicht immer drei Mal nachdenken, wie ich das dann Heim bekomme. Plus: ich kann mein Fahrrad mitnehmen. Das Gute wird Straßen sehen können, die einem nicht alle zwei Wochen die Innereien aufschneiden. Das wird sich bestimmt auch freuen.

Dieses Wochenende hatten wir seit Langem endlich mal wieder super Wetter. Das nutzten wir auch gleich ausgiebig.
Samstag verbrachte ich zwar zunächst weitgehend mit zwei Freundinnen aus der Uni, weil wir noch eine Arbeit fertig stellen mussten, danach war dann aber Freizeit angesagt. Es ging auf ein Jazzkonzert in einem Park, dass aus Anlass der grünen Woche oder so ähnlich, auch noch kostenlos war. Also ließen wir uns auf dem Rasen nieder, legten uns gemütlich in die Sonne und lauschten der Musik. Das ganze taten wir dann auch ohne Sonne, allerdings sitzend und nicht liegend. Nebenbei genossen wir noch ein paar Schlücke guten Wein. Kurz: wir ließen es uns so richtig gut gehen.
Sonntag weckte mich auch die Sonne, die mein Zimmer, obwohl es so ziemlich dem Norden zugewendet ist, unglaublich aufheizte. Also ging ich los und kaufte noch ein paar Zutaten für ein Tiramisu ein, das ich versprochen hatte, zu zu bereiten. Also fügte ich wie ein Weltmeister unglaublich fettige Zutaten zueinander und als ich dann damit fertig war, mich bereit machte ein bisschen in die Sonne zu gehen, zogen dicke Wolken auf. Immerhin, ich war schon mit Sonnencreme beschmiert, die ich mir gleich zulegte, nachdem ich Samstag Abend die ersten roten Sonnenopfer sah. Also schnappte ich mir nichts desto trotz meine Decke und legte mich zusammen mit Jan, den ich auf meinem Weg traf, unter die Wolken. Nach einer viertel Stunde vertrieben uns dann aber die ersten Regentropfen.
Abends waren wir bei Steffi eingeladen, die für 9 Leute feines Essen und eine Bowle gezaubert hatte. Dort machten wir uns es zunächst auf der Terrasse gemütlich und leerten die Bowle und dann die eine oder andere Flasche Wein.
Einer absolut eigenartigen Großfamilie ähnelnd, bestimmten wir auch gleich die Familienverhältnisse:

Maman et Papi


Die Gebrüder


Die Geschwister


Die Kinder


Die Familie


Mal davon abgesehen, dass Papi der Jüngste, die Zwillinge folgendermaßen aussehen: Einer blond, blauäugig; der Andere: schwarzhaarig, braunäugig; das letzte Mädchen wohl leicht daneben ging, sind wir doch ein witziger Haufen.

Pünktlich zum Wochenanfang wurde das Wetter wieder was schlechter. Aber wer braucht schon Gutes Wetter unter der Woche?

Donnerstag, 24. April 2008

WUCHER!!!!

So, jetzt sitze ich also mal wieder in meinem Lieblingscafé und warte auf meinen Moka.
Eigentlich ist es warm und ich könnte auch 'nen Milchshake trinken. Leider sah ich gestern, was sich in dem eben genannten tatsächlich befindet. Das folgende erklärt zwar, warum das ganze ziemlich lecker schmeckt, hilft aber absolut nicht bei dem Versuch einer ausgeglichenen Ernährung. Also: folgendes – in einem Vanilleshake: Vanilleeis: lecker und zu unterstützen, Sahne – hmmh, Vanillesauce – das unterstützt den feinen Vanillegeschmack und: ein halber Eimer Crème Fraiche.
Genau das haben meine Augen alles entdeckt und somit kann ich mir nur noch in absoluten Ausnahmefällen erlauben, mir einen solchen zu bestellen. Schade, aber nur vernünftig.
Jetzt wird es eben ein Kaffee, mit ganz viel Crème Fraiche oben drauf. Aber da weiß ich ja nicht wirklich, ob es ein solcher ist. Also ist alles gut.
Hab ich eigentlich schon erzählt, dass ich mir letztens ein Eis hier leistete. Ja, nicht nur eins, bei McDonalds, das im Übrigen auch ganz schön lecker ist, weil man sich zu 'nem normalen McFlurry zum Beispiel noch ne leckere Schokoladensauce reinrühren lassen kann.
Aber da bin ich ja schon wieder vom Thema abgekommen. Also, ich war letztens am Place Plumerau vorbei gekommen, auf dem sich in einer Ecke eine Eisdiele befindet. Schon von Weitem sieht das ganz schön lecker aus. Letztes Jahr schreckte mich allerdings noch jedes Mal, wenn es mir nach Eis war, der unglaubliche Preis einer Eiskugel, von 2,30€ ab. Ich mein, das sind zwei Euro dreißig – für eine Eiskugel. Als sich mein Kopf dann an die übertriebenen Preise hier in Frankreich gewöhnt hatte und ich bereit war, mir nun endlich dort ein Eis zu kaufen, war diese Eisdiele für den Winter geschlossen. Also ergriff ich letztens beim Einfall der ersten Sonnenstrahlen, die Gelegenheit der Neuerlichen Wiedereröffnung und kaufte mir eine Kugel Zimteis für 2,30€. Als ich beim Bezahlen dieser einen Kugel Eis auch noch aus Versehen nur einen Euro dreißig hinlegte, sagte mir die Frau doch aus einer natürlichen Selbstverständlichkeit heraus, dass es aber 2,30€ seien. Die hat sich noch nicht mal geschämt. Ich muss ja neidlos zugestehen, dass das Eis wirklich lecker war und dass ich auch gerne noch eine Kugel mit gesalzenem Karamell bestellt hätte, aber nicht nur, dass die Preise unverschämt hoch sind, nein, die Kugeln sind auch unverschämt klein. Was soll ich dazu sagen. Kann, nein, darf ich so was unterstützen? Ich bin mir nicht sicher.
Da trink ich doch lieber meinen 2,80€ Kaffee.

Freitag, 18. April 2008

meine Plattensammlung

Wir haben zur Zeit ja Ferien, wie ich vielleicht schon mal erwähnte.
Ferien hier sind sehr eigenartig.
Wenn ich aus dem Fenster schaue, dann sehe ich ungefähr 10 Autos. Von jenen, weiß ich schon, dass mindestens zwei davon Leuten gehören, die nicht da sind.
Soll also alles in Allem heißen, dass es hier extrem ruhig ist.
Auch die ganzen Erasmus-Studenten machten sich auf den Weg die Weiten Europas zu erforschen oder eben das Land, in dem wir uns befinden.
Ich habe mich zusammen mit meinem Leidensgenossen Jan dazu entschlossen, die Frühlingszeit in Tours zu genießen.
Der Frühling äußert sich leider Gottes aber in anhaltendem Dauerregen unterbrochen von eintägigen Schönwetterperioden.
Ist schon komisch.
In den Ferien im Februar blieben so ungefähr vier Leute hier, die sich so langweilten, dass sie sich schworen dies nun nicht noch einmal tun zu wollen.
Dabei wäre, wenn wir uns alle dann kollegial wie wir sind, dazu entschlossen hätten, es in Tours auszuhalten und aus den ach so langweiligen Ferien, eine Megasause zu machen, doch so viel lustiger geworden. Schade eigentlich.
Die Tage hier fangen zumeist ganz vielversprechend mit Sonnenstrahlen, die einen zumeist schon gegen sieben oder so wecken, an. Schaue ich jetzt aus dem Fenster, dann kann ich die fallenden Regentropfen ausmachen.

Gestern war so ziemlich der schlimmste aller Tage.
Obwohl wir vorgestern unsere Sonnentanks auf einem Ausflug aufluden, konnte die Sonne in unseren Seelen den nicht-enden-wollenden-Dauerregen nicht kompensieren und so landeten wir zu viert in einem Café, in das wir eigentlich nicht gehen wollten, aber dann mussten, weil unser Lieblingscafé ausnahmsweise geschlossen war und einer hatte eine größere Depression, als der andere. So saßen wir dann da, mit gesenkten Köpfen und bedauerten uns gegenseitig.
Ich weiß, das muss sehr pathetisch klingen, aber manchmal übermannt es einen einfach.

Als ich dann wieder in Richtung Grandmont fuhr, machte sich ein drohender Platten auf meinem Hinterrad bemerkbar. Drohend ist wohl noch untertrieben. Bin seit letztem Wochenende unterwegs, um mein Hinterrad zu verarzten.
Es ist doch sehr beachtlich, dass ich geschätzter Weise seit meinem vierten Lebensjahr Fahrrad fahren kann (korrigiert mich, falls nötig – weil ich eben schon so lange Fahrrad fahren kann, so dass ich mich beim besten Willen nicht wirklich daran erinnern kann, seit wann ich Fahrrad fahren kann. Ich weiß nur noch, dass ich es in Siebenhitz auf dem Garagenberg von den Schöleys gelernt habe, aber das tut ja auch nichts weiter zur Sache.)
... Auf jeden Fall: seitdem ich mich an meine Fahrradkarriere erinnern kann, fällt mir nicht ein, wann ich mal einen Platten hatte. Hier ist es mir seit Oktober schon Sage und Schreibe 5x passiert! Ich will ja nicht bestreiten, dass ich hier wohl mehr Fahrrad fahre, als ich das in Deutschland tat, aber die Pannensteigerung ist doch schon enorm!
Nun ja, also hatte ich mal wieder einen Platten letztes Wochenende. Zur Überprüfung, ob nicht einfach jemand meine Luft abgelassen hatte, pumpte ich den Schlauch noch mal auf. Da hörte ich aber sogleich ganz deutlich mir Luft entgegen kommen. Das Loch befand sich erneut an einer Stelle, die mir ein Flicken unmöglich machte. Also: neuer Schlauch. Als ich diesen anbringen wollte, kamen mir Speichen entgegen geflogen. Wow! Was jetzt?
Ich schnappte mir meinen Reifen, ging damit zum Geschäft und wollte wissen, ob sie mir das bauen könnten. Leider bekam ich auf diese Anfrage eine Absage, da nicht nur die Speichen sich verabschiedeten, sondern auch die Nabe wackelte und eine Acht im Reifen war. So wollten die mich nicht wirklich mehr fahren lassen. Also kaufte ich ein neues Hinterrad und Schlauch, ging heim, wollte das Ganze installieren UND: die hatten mir einen zu kleinen Reifen verkauft. Anstatt eines 28“, bekam ich ein 26“ Rad. Also schnappte ich mir diesmal Mantel, Rad und Schlauch und machte mich wieder zum Geschäft auf. Die tauschten mir das ganze aus und zogen mir noch meinen Mantel mit drauf, nachdem ich freundlich fragte, ob sie das nicht auch noch für mich machen wollten. Wollten sie.
Also ging ich wieder heim, montierte mein Rad und schob es gestern aus der Garage.
Und:
beim Herausschieben, zog ich mir doch glatt einen Metallsplitter in den neuen Schlauch. Zack: Platten! Es ist aber auch zum verrückt werden. Da ich aber keine Lust hatte jetzt gleich wieder einen großen Aufstand zu veranstalten und auch keine Zeit dazu hatte, holte ich mir meine Luftpumpe und pumpte den Reifen ganz einfach ein weiteres Mal auf. Bis in die Stadt würde der Gute schon durchhalten. Das tat er dann auch. Ich musste ihn dann nachmittags nur noch 2x aufpumpen, um wieder heim zu kommen. Auf dem Heimweg unterstützte mich ein alles durchnässender Nieselvorhang, der sich über mich legte, in meiner Moral. Also flickte ich den Reifen gestern völlig entnervt und hoffe, dass das jetzt mindestens einen Tag hält. Ich verlange ja gar nicht viel. Als nächstes muss wohl ein unzerstörbarer Radmantel her, aber ich gebe dem Meinigen noch eine Chance sich zu etablieren. So langsam bin ich ja an meine schmutzigen Finger und den prüfenden Blick auf mein Hinterrad gewöhnt. Wer will das schon missen?!

Samstag, 12. April 2008

Ostergeburtstagsschloss

Na gut, na gut,
ich verstehe es ja, es gibt wieder mal neues.
Bilder wird es wohl erst später ein paar geben, das Internet hier ist gerade nicht so schnell, dass ich es ihm auch noch Bilder antun könnte.
Tut mir leid, dass ich in letzter Zeit wieder mal nicht schrieb.
Aber ich habe gute Erklärungen. Zunächst war ich eine Woche in Deutschland um mit meiner Familie Ostern und dann noch den Geburtstag meiner Mama zu feiern.
Danach kam der Ulf mit mir nach Tours und da entschied ich mich lieber dafür meine Zeit mit ihm, als mit meinem Computer zu verbringen.
Ich hoffe das ist verständlich. Und wenn nicht, naja, dann ist es auch zu spät.
Man man man, ich brach hier in Tours am 20. März bei ungefähr 10°C abends um neun auf.
Ich verbrachte zunächst eine Nacht am Flughafen in Orly, da ich meinen Hinflug so zeitig buchte, dass es keinen Zug gab, der zeitig genug in Paris angekommen wäre, mit dem ich rechtzeitig am Flughafen gewesen wäre. Zunächst hatte ich ja keine großartige Lust eine Nacht einfach so zu verbringen, aber was wollte ich schon machen?

Hab gerade noch einen kleinen Bericht gefunden, den ich dort schrieb, am Flughafen jetzt:

Wow, jetzt hab ich also auch schon die erste Nacht meines Lebens komplett am Flughafen verbracht. Wie aufregend. Und so gar nicht wie in « Terminal », obwohl ich mich daran nicht mehr so genau erinnern kann. Ich bin jetzt ja durch die Sicherheitskontrolle durch und weiss nicht, ob man hier einfach so wieder raus kommt.
Bin also Donnerstags mit dem TGV von Tours nach Paris gefahren, stieg noch ein bisschen um, fand mich umgehend am Flughafen von Orly wieder. Da waren die Bürgersteige hoch- und die Rollläden runtergelassen. War aber nicht schlimm, ich kannte mich ja schon ein bisschen aus und steuerte siegessicher auf mir als extrem bequem und geräumig bekannte, sesselähnliche Sitzgelegenheiten zu. Da war dann auch noch ein Plätzchen (so ungefähr eine 2,5m lange mit schaumstoffbezogene Zuckerwatte) für mich frei. Ich schnappte mir meinen Computer, machte es mir bequem und legte meinen versehentlich mitgenommenen Lieblingsfilm, Garden State ein. Nach 5 Minuten Film sehen, fiel mir ein, dass ich die Audiokommentare noch gar nicht gesehen habe. Also, nix wie von Neuem eingeschoben, sich Zach Braff und Natalie Portman zum Film angehört. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich als bescheuert problemlos durchging. Aber wer kann denn an sich halten, wenn Zach Braff « Star Wars » nicht von « Star Trek » unterscheiden kann? Und das in Anwesenheit von Prinzessin Padme! Oder wer kann Natalie Portman nicht lieben, wenn sie sich über ihre furchtbar komischen Ohren Gedanken macht? Ich habe jedenfalls gut gelacht.
So auf eins machte ich mich dann auch mal daran eine Mütze voll Schlaf zu nehmen. Zu meiner Überraschung hat das auch ganz schön gut geklappt. Fuchs ich, hatte ich Ohropax bei. Das einzige, das mir fehlte, war eine schöne Decke. Warum muss es einem Nachts eigentlich immer kalt werden? Ich meine, reicht es denn im Prinzip nicht, dass alles andere in der Nacht kalt wird? Muss denn da ein Körper unbedingt mitziehen?
So gegen vier Uhr wachte ich dann wieder auf, nachdem ich es sogar schaffte zu träumen.
Unbestohlen, machte ich mich zur Toilette auf, wo ich mir erst mal die Zähne putzte. Wie gesagt, ich bin gut ausgestattet.
Danach gleich mal durch die Sicherheitskontrolle. Das hier so groß ausgeschriebene WiFi, was soviel heißt wie: Wer Internet in Frankreich will, den machen wir zum Idiot. Sozusagen kommt hier Internet am Flughafen mit einem lebenslangen Abo von Kühlschränken.
Also widme ich mich meinen Gedanken, die ob der Zeit wohl noch nicht allzu geordnet sind. Immerhin, nur noch ein bisschen mehr als ne Stunde und ich sitz im Flugzeug gen Berlin.

Naja, dann flog ich heim. Keine besonderen Besonderheiten. Zuhause ließ ich es mir mit meinen Lieben gut gehen. Immerhin war ja schon fast Ostern.
Das verbrachten wir im Übrigen im Schnee. Das taten wir nämlich ziemlich gut. Also, sozusagen Ostersonntag Schnee, soweit das Auge schaut. Das bedeutet, dass wir bei uns sowohl weiße Weihnachten, als auch weiße Ostern hatten. Da sage jemand noch mal was über globale Erwärmung.
Um die kümmerten wir uns dann auch umgehend: mit einem Osterfeuer
Ostersonntag fuhr ich dann mit Ulf zu ihm um ein so genanntes Osterfeuer zu entzünden.

Ich hörte im Voraus schon viel über das berühmte Osterfeuer. Nun war ich zum ersten Mal auch dabei. Da der übliche Feuerentfacher nicht anwesend war, übernahm ich diese Aufgabe. Denn unser Brennspiritus war nicht wirklich ausreichend vorhanden. Aus diesem Grund schnitzte ich kleine Holzspäne und erfachte ein feines Feuerchen, das uns vor dem fallenden Schnee schützte.

In der Woche darauf sollte dann also noch der Geburtstag meiner Mama gefeiert werden.
Leider hatte mir im Voraus mein löchriges Hirn mal wieder einen Streich gespielt. Ich war die ganze Zeit der Meinung, dass die Feier meiner Mama Freitags stattfindet. Unser Flug (Ulf flog mit mir wieder zurück nach Frankreich) war für den Sonntag gebucht, das bedeutete, dass ich der Meinung war, dass wir noch einen Tag zum Ausruhen haben. Ja, da verdachte ich mich. Ich hab zwar bedacht, dass wir die Feier nicht genau zum Geburtstag feiern, sondern einen Tag später, aber ich bedachte nie, dass der Geburtstag an sich Freitags ist, nicht Donnerstag. Also kurz, die Fete fand Samstag statt, der Flug ging Sonntag früh um 10.00 Uhr. Klingt nicht so schlimm, der Zug, um nach Berlin zu gelangen, fuhr aber schon 05.15 Uhr ab. Geht auch immer noch, es war auch noch Zeitumstellung.
Also: durchmachen! Ulf war nicht so sehr von meiner geistigen Umnachtung begeistert.
Wir schlugen uns aber ziemlich wacker. Feierten fein mit bis früh kurz nach vier und gingen dann heim, um uns umzuziehen und ich checkte mich schnell noch ins Flugzeug ein, was ich vorher vergessen hatte.
Wir stiegen in den Zug und versuchten uns darin ein bisschen auszuruhen. Zwar liegt so ein Zug auf Schienen, wenn die Schienen aber noch aus dem vorvorigen Jahrhundert stammen, dann wackelt die ganze Angelegenheit doch mehr als einem lieb sein kann. Und das nach so einer Nacht. Zu deren Glück hatten die nur eine Toilette und keine Brechtüten im Zug. Ich hätte sie glatt fast benutzen können.
In Berlin Schönefeld angekommen, hatten wir noch 15 Minuten bis zum Ende vom Check-in für Ulf. Also machten wir uns auf schnellen Sohlen auf zum Terminal. Als wir da ankamen, war gar nicht so viel los, wie sonst. Unser Flug wurde just in dem Moment, als wir uns anstellten an einen Schalter für sich ausgerufen. (Normalerweise werden alle Flüge an allen Schaltern abgefertigt, was zu unglaublichen Wartezeiten führen kann)
Also waren wir da auch gleich dran, konnten eigentlich schon fast bis zum Flugzeug durchlaufen.
Im Flugzeug besetzte ich uns dann Plätze neben den Notausgängen, die uns unglaublich viel Beinfreiheit erlaubten. Das war sehr gut. Leider waren wir wie immer nicht allein im Flugzeug. Es hat sich noch eine Klasse von 17-jährigen Berlinern auf den Weg nach Paris gemacht. Zu unserer Belustigung vertrieben diese sich ihre Zeit mit Stadt, Name, Land. Deren Meinung nach, sind wir auf dem Flug auch so ziemlich fast 10x umgekommen. Des weiteren sieht Paris von oben aus, wie Berlin und da wir den Eiffelturm auf dem Anflug nicht sahen, hätten wir gar nicht erst aussteigen dürfen.
Naja, aber wir schafften es ja. Fuhren dann schnurstracks nach Tours, das uns mit einem feinen Regen und Busumleitungen empfing. Aber wir kamen an. 12 Stunden brauchten wir. Fertig wie Sportmützen ging nicht mehr allzu viel. Noch ein Baguette geholt, und noch ein bisschen erzählt und schon ab in die Heia.
Montag musste ich dann Ulf erst mal allein lassen. (Achtung Opa!) Ich ging früh um 9.00Uhr in die Uni, um dann 19.00 Uhr fertig zu sein. Der arme Ulf las an dem Tag ein ganzes Buch und amüsierte sich so gut es eben auf 9m2 geht. Nach einem kleinen Spatziergang im Park, schauten wir dann noch einen Film, von dem ich auch die ersten 10 Minuten mitbekam, bis ich einschlief.
Dienstag war dann besser, weil ich diesmal schon 17.00Uhr fertig war. Wir machten es in meinem Lieblingscafé gemütlich und erkundeten dann noch ein bisschen Tours. Eigentlich wollten wir später noch ins Kino gehen, in dem alle Filme im Originalton gezeigt werden, verpassten dann aber den Anfang des Filmes, weil wir noch beim Libanesen essen gingen. Da ich Freitags frei habe, konnten wir endlich was zu zweit unternehmen. Das Wetter von Tours zeigte sich von seiner besten Seite und wir machten es uns im Park am Fluss gemütlich. Abends gingen wir dann mit Alessandro (einem Italiener) und Sophie (seine Freundin) Galette und Crêpe essen. Sehr sehr lecker.
Samstag verabschiedeten wir dann Krizia, die sich zurück nach Süditalien in die Sonne verzog. Danach fuhren Ulf und ich mit dem Fahrrad nach Amboise. Leider war es unglaublich kalt. Also kauften wir uns zuvor noch jeder einen Pullover für 5 Euro. Die stellten sich auch als sehr brauchbar heraus. Wer kann denn auch ahnen, dass von einem auf den anderen Tag ein Temperaturunterschied von ungefähr 50°C herrscht? Kein Mensch! Wir schauten uns dann Clos-Lucé, das Zuhause von Leonardo da Vinci, an. Aufmerksame Leser werden merken, dass ich schon mal dort war, machte aber nix. Ich fand es schon damals so supi, dass ich noch viele Male dahin könnte. Dort angekommen, trafen wir auch prompt eine Freundin von mir.




Nachdem wir uns das alles dann angesehen haben, wollten wir uns noch einen chinesischen Turm in der Nähe ansehen, den ich bisher noch nicht sah. Da aber, einmal dort angekommen, extrem schlechtes Wetter drohte und der Eintrittspreis weit unsere Preisgrenze, eines im Wald versteckten Phallussymbols, überschritt, entschieden wir uns dafür lieber den Heimweg aufzusuchen. Diesmal wollten wir nicht an der Loire, sondern am Cher, langfahren. Also frei drauf los, mit unserem ungefähren Atlas. Die ersten Kilometer fuhren wir auf der Landstraße gegen Wind an. Sehr anstrengend und auch nicht sonderlich schön. Also fuhren wir auf gut Glück näher an den Cher ran und benutzten einen schottrigen, löchrigen Feldweg um wieder nach Tours zu kommen. Nach geschätzten 70 Kilometern, die wir so fuhren an dem Tag hatten wir dann auch gut die Nase voll. Zuhause angekommen, bereiteten uns dann aber Jan und Peter Kartoffelpuffer mit unglaublich viel Knoblauch zu, eine tschechische Spezialität. Sehr lecker.
Eine ähnliche Strecke fuhren wir dann Montag nach Ussé. Dort gingen wir in ein Schloss, in dem sich der französische Märchenerzähler Charles Perrault zu seinem „Dornröschen“ inspirieren lassen haben soll. Nicht schlecht, aber unglaublich teuer für so ein kleines Schlösschen.


Auf dem Rückweg machten wir dann an der Loire Halt, um unser Mittag zu essen.
An der Stelle fand ich etwas, was hier in Frankreich höchst selten anzutreffen ist: absolute Ruhe! Komisch, das fällt mir immer wieder auf, dass es hier einfach nie wirklich ruhig ist. Da sind solche Plätze, an denen noch nicht mal der vorbei fließende Fluss einen Ton von sich gibt, so was wie Balsam auf die Seele. Nun sind also Plätze, an denen es wirklich ruhig ist sehr rar. Ich sog den Moment in mir auf.
In Tours zurück, hatten wir wieder fast 80 Kilometer mit dem Fahrrad zurück gelegt.
Des weiteren schafften wir es dann auch noch ins Kino zu gehen und sahen, wie drei Brüder mit dem Zug durch Indien furhen, gingen mit zwei Esten auf eine Ausstellung von moderner estnischer Kunst und fuhren mit dem Zug nach Blois um uns noch ein Schloss und die wahrscheinlich hässlichste Kathedrale, die es hier so gibt, anzusehen.

Jetzt hat Ulf schon mehr Schlösser hier in der Umgebung gesehen, als manch anderer, der seit September hier ist. Ob das nun bedeutet, dass wir besonders fleißig waren, weiß ich nicht.
Freitag fuhr Ulf dann wieder und lies mich hier zurück.
Es sind Ferien und bis auf Jan, Felena und Jegor ist niemand hier. Dafür fahren dann Felena und Jegor nächste Woche nach Montpellier. Also bleiben Jan und ich. Naja, so kommt man wenigstens dazu etwas für die Uni zu machen.
Gestern nutzte ich meinen Tag, um mal ein Buch zu lesen, das ich seit November hier stehen habe. Ich traute mich ewig nicht ein Buch auf Deutsch zu lesen, weil ich dachte, dass das schlecht für mein Französisch sei. Aber nach drei Wochen Deutsch sprechen, was soll da noch zu versauen sein, wenn man mal ein Buch liest. Ich las die 375 Seiten auch direkt durch.
Mal sehen, was diese Woche alles so mit sich bringt.
Bis bald.